• vom 14.10.2002, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 06.04.2005, 14:43 Uhr

Wiener Memorabilien

Das Israelitische Blindeninstitut




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Von Johann Werfring

Jenes Gebäude, in dem heute das Polizeikommissariat Döbling untergebracht ist, steht in diesen Tagen ganz im Zeichen des Gedenkens. Unter Beteiligung von prominenten politischen Vertretern der Stadt Wien wird morgen, um 11 Uhr, im Haus Hohe Warte Nr. 32 auf Initiative der "Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs" eine Gedenktafel enthüllt, die an die Geschicke jener Institution erinnern soll, für die das Gebäude ursprünglich gewidmet war.


Am 1. Dezember 1872 erfolgte auf der Hohen Warte die feierliche Eröffnung des "Israelitischen Blindeninstitutes". Seine Entstehung verdankte es einem Mann, dessen sterbliche Überreste in der Israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes ruhen und der anno dazumal in Wien in vielerlei Hinsicht gestalterisch aktiv war: dem Arzt, Schriftsteller und Journalist Ludwig August Frankl Ritter von Hochwart (1810-1894). Dass Frankl von der Nachwelt auch als Philanthrop in Erinnerung behalten wird, ist unter anderem seinem außergewöhnlichen Engagement für die Wohlfahrt der Jugend zu verdanken. Nachdem er schon 1857 in Jerusalem eine Schule für Kinder "österreichischer Untertanen" ins Leben gerufen hatte, gründete er 1872 in Wien das Israelitische Blindeninstitut.

Für die Finanzierung des Blindeninstitutes konnte Frankl den Bankier Jonas Freiherr von Königswarter (1807-1871) gewinnen, der damals als einer der hervorragendsten Repräsentanten des österreichischen Geldpatriziats galt. Zeitweilig war Königswarter auch Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde gewesen. An ihn erinnert heute noch das Königswarterpalais am Kärntner Ring 4, jenes Haus, das später von Baron Miklos Kiß von Itebe erworben wurde, welcher es gemeinsam mit seiner Gattin Katharina Schratt bewohnte (die täglichen Besuche Kaiser Franz Josephs fanden übrigens nicht dort, sondern in der Schratt-Villa in Hietzing statt).

Architektonisch gestaltet wurde das Israelitische Blindeninstitut von dem aus Preßburg stammenden Wilhelm Stiaßny, Erbauer einer Reihe Wiener Gebäude, unter anderem des Rothschildspitales und der Zeremonienhalle beim Wiener Zentralfriedhof. Auf der Hohen Warte hatte Stiaßny ein dreigeschoßiges Gebäude errichtet, mit Schlafsälen für 20 Mädchen und 30 Buben, entsprechenden Lehrsälen, einem Turnsaal, einer Korbflechterei, einer Seilerei und einer hauseigenen Druckerei für Publikationen in Blindenschrift.

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Dokument erstellt am 2002-10-14 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 14:43:00


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