• vom 18.01.2002, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 06.04.2005, 15:05 Uhr

Wiener Hepatitis-Anwalt will von ehemaligem Gutachter Schadenersatz:

Klage auf 98 Mill. Schilling




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias G. Bernold

  • Rechtsanwalt Hans Otto Schmidt will den Gutachter im Blutplasma-Prozess gegen die Plasma-Firma Seroplas, Helmut Mittermayer, auf 98 Mill. Schilling (7,12 Mill. Euro) Schadenersatz klagen. Grund: Ein neues Gutachten stellt Mittermayers damalige Expertise in Frage. Letzterer hatte zwar die Kausalität zwischen Plasmaspende und Hepatitis-Infektion bejaht, die hygienischen Verhältnisse aber als ausreichend bezeichnet.

Eigentlich hätte mit dem Vergleich Rechtsfriede eintreten sollen. 259 Hepatitis-Opfer, die sich bereits in den 70er Jahren beim Spenden von Blutplasma mit dem Virus infiziert hatten, erhielten von der früheren Haftpflichtversicherung der Firma Seroplas, der Wiener Städtischen, im Juni des Vorjahres eine Entschädigungssumme von rund 130 Mill. S.


Im Musterverfahren am Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien, das der Einigung vorangegangen war, hatte der Linzer Hygiene-Experte Univ.Prof. Helmut Mittermayer ein Gutachten erstellt. "Darin hat er zwar die Kausalität zwischen Plasmaspende und Hepatitis-Infektion bejaht, die erhobenen Vorwürfe über Mängel im Hygiene-Bereich zurückgewiesen," erklärt Schmidt. Und weiter: "Auf skandalöse Weise wurden dadurch katastrophale hygienische Zustände bagatellisiert".

Ein neues Gutachten des Grazer Uni-Professors Harald H. Kessler im Rahmen der Vorerhebungen gegen Mitarbeiter der Plasmapheresestelle in der Wiener Gatterburggasse kommt zu einem anderen Ergebnis: "Zusammenfassend ist festzustellen, dass ... offenbar Hygiene-Mängel bestanden." Am wahrscheinlichsten - so das Gutachten - wäre eine Übertragung durch "mangelhafte Desinfektion der Zentrifuge und der Beutel mit Schläuchen anderer Spender nach Platzen eines Plastikbeutels" gewesen. Aber auch die Verwendung unsteriler Scheren, mangelhafte Händedesinfektion oder nicht erfolgte Reinigung einer oder mehrerer mit Blut kontaminierter Stellen "können keinesfalls ausgeschlossen werden".

Für Schmidt ist das neue Gutachten der Anlass, um gegen Gutachter Mittermayer vorzugehen. Nur aufgrund seiner Expertise sei das Grundsatzurteil gedrückt worden. Hätte Mittermayer nicht die Hygienemängel heruntergespielt, argumentiert Schmidt, wäre die beim Vergleich erzielte Summe um 98 Mill. S (7,12 Mill. Euro) höher gewesen. Genau diese Differenz ist es nun, die Schmidt im Namen seiner Klienten von Mittermayer einfordert. Ein Aufforderungsschreiben soll den Gutachter in den nächsten Tagen erreichen.

Mittermayer selbst wusste, als ihn die "Wiener Zeitung" befragte, noch nichts von der Klage, die innerhalb Österreichs in dieser Dimension einzigartig sein dürfte. Nach dem ersten Schock: "Ich habe damals nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, kann daher der Sache nur gelassen gegenüber stehen." Ihm kämen die Vorwürfe jedenfalls "absurd" vor. Möglicherweise handle es sich um einen "medialen Gag", oder es sei "durchgesickert", dass er Gespräche geführt habe, in den jüngsten Hepatitisfällen, eine Expertise zu übernehmen, mutmaßt der Primar.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2002-01-18 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 15:05:00


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. Kundencenter und Kassenambulatorien am Mittwoch geschlossen
  3. AK fordert 1.700 Euro Mindestlohn
  4. FPÖ klagt Republik
  5. Lehrling starb an Messerstichen
Meistkommentiert
  1. Jugendliche Flüchtlinge werden verlegt
  2. Köstinger bremst Hofer ein
  3. Kritik an und Anzeige gegen Waldhäusl
  4. Rendi-Wagner erwartet Rückkehr der Wähler
  5. Ehe für alle - auch in der Kirche?

Werbung




Werbung