• vom 22.11.2001, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 23.02.2015, 00:36 Uhr

Weinjournal

Neue Rotweinsorten




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Von Johann Werfring

  • Züchtungserfolge der Klosterneuburger Weinbauschule
  • Nach einer 40 Jahre andauernden Züchtungsarbeit ist es der "Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg" gelungen, durch Kombinationszüchtungen zwei neue Rebsorten zu gewinnen. Aufgrund der amtlichen Zulassung zur Qualitätsweinerzeugung dürfen die beiden Rebsorten nunmehr unter den Bezeichnungen "Roesler" und "Ráthay" beworben und vermarktet werden. Experten sagen den Neulingen einen fulminanten Erfolg voraus.

Die traditionsreiche Klosterneuburger Weinbauschule unterhält in Langenzersdorf am Götzhof eine Abteilung für Rebenzüchtung, wo die beiden neuen Rebsorten im Jahr 1960 von Dr. Gertrude Mayer gekreuzt worden sind. Die Strategie der Klosterneuburger Neuzüchtungen ging ursprünglich von einer Rückkreuzung geeigneter jüngerer französischer Hybriden mit heimischen bewährten und bestens angepassten Rebsorten aus. Vor allem konzentrierten sich die Fachleute auf folgende Grundanforderungen: Wüchsigkeit, Fruchtigkeit, Toleranz gegenüber den Mehltauerkrankungen, Frühreife sowie Freiheit von Foxgeschmack.

Die Rebsorte Roesler ist eine Neuzüchtung aus Zweigelt x (Seyve Villard 18-402 x Blaufränkisch) während Ráthay aus den Sorten Blauburger x (Seyve Villard 18-402 x Blaufränkisch) abgeleitet wurde. Die französischen Hybriden stammen von einem Rebzucht-Betrieb in Saint-Vallier an der Drôme im Rhônetal, der vom Züchter Bertille Seyve und seinem Schwiegervater und Partner Victor Villard gegründet wurde. Ab dem beginnenden 20. Jahrhundert entwickelte man hier über hundert Hybriden auf Basis der Rebsorte Seibel, unter anderem auch jene, die bei den nunmehr zugelassenen österreichischen Rebsorten Verwendung fanden. Für Nichtfachleute mag die Erklärung dienlich sein, dass die französischen Hybriden jeweils mit dem Betriebsnamen (Seyve, Seyval, Seyve-Villard oder Villard) und einer laufenden Nummer bezeichnet sind.


Bei der Namensgebung für die neuen Sorten haben die Verantwortlichen der Klosterneuburger Weinbauschule posthum zwei verdienstvolle Persönlichkeiten geehrt, die der Schule einst als Leiter vorgestanden sind. Dr. Leonhard Roesler (1839 - 1910) war in den Jahren 1870 bis 1902 Direktor der chemisch-physiologischen Versuchsanstalt Klosterneuburg und Emerich Ráthay (1845 - 1900) stand in den Jahren 1893 bis 1900 als Direktor dem oenologisch-pomologischen Institut der Lehranstalt vor. Letzterer stammte übrigens aus einer ungarischen Familie, weshalb der Sortenname Ráthay richtigerweise "Rátoi" gesprochen werden sollte, mit Betonung des hellen "a".

Roesler und Ráthay bestechen vor allem durch ausgezeichnete Weinqualitäten bei moderatem Ertragsniveau und deutlichen Toleranzeigenschaften gegenüber Frost. Bei Roesler konnte sogar innerhalb der mitteleuropäischen Sorten die bislang höchste Winterfrostresistenz erzielt werden. Bei dieser großtraubigen und kleinbeerigen Rebsorte sind die Beerenhäute überaus stark, weshalb die gefürchtete Pilzkrankheit Botrytis nicht leicht entstehen kann. Dadurch ist ein deutlich späterer Erntezeitpunkt möglich als bei den herkömmlichen Sorten, was sich zudem sehr wesentlich auf die erzielte Weinqualität auswirkt. Ráthay verhält sich hinsichtlich der genannten Eigenschaften ähnlich wie Blaufränkisch.

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Dokument erstellt am 2001-11-22 00:00:00
Letzte Änderung am 2015-02-23 00:36:03

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