• vom 31.01.2001, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 06.04.2005, 15:34 Uhr

Hans-Czermak-Preise für gewaltfreie Erziehung verliehen

"Herzlosigkeit ist Gewalt"




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Von Brigitte Suchan

  • Heute Abend werden im Wiener RadioKulturhaus zum sechsten Mal die Czermak-Preise für gewaltfreie Erziehung vom Verband der Wiener Volksbildung mit Unterstützung derMA 13, der Generali Versicherung und des ORF vergeben. Die Auszeichnungen gehen heuer an den Komponisten Josef Stolz und den Leiter der Abteilung Medienpädagogik im Bildungsministerium, Franz-Josef Huainigg. Der Generali-Sonderpreis geht an den Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich.

Seit 1992 schreibt der Verband Wiener Volksbildung den Hans-Czermak-Preis für gewaltfreie Erziehung aus. Mit diesem Preis werden Einzelpersonen, Gruppen und Initiativen ausgezeichnet, die sich um gewaltfreie Erziehung verdient gemacht haben. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 30.000 Schilling dotiert.


Der engagierte Kinderarzt und Sozialpädiater Hans Czermak (1913 bis 1989) gilt als einer der wesentlichen Verfechter der gewaltlosen Kindererziehung. Er entwarf den Plan eines Mutter-Kind-Passes, mit dem die Säuglingssterblichkeit auch in Österreich auf ein europäisches Maß gesenkt werden konnte und trat vehement für das Stillen von Säuglingen ein. Seinem Engagement ist es u. a. zu verdanken, dass Österreich zu den wenigen Ländern - gemeinsam mit Schweden - zählt, in denen Gewalt als Mittel der Erziehung seit 1989 unter Strafe gestellt wird.

Die Preisträger

Der Komponist Josef Stolz hat fünf Aphorismen für Klavier und Sprecher komponiert, basierend auf dem "Testament an die Eltern" von Hans Czermak. Die Uraufführung des Musikstückes findet im Rahmen der Preisverleihung statt.

Franz-Josef Huainigg wird für sein Engagement für das Projekt Schülerradio 1476, ein Pilotprojekt für praktische Medienerziehung, das vom Bundesministerium für Unterricht und Wissenschaft, dem ÖKS (Österreichischer Kultur Service) und dem ORF gestartet wurde, ausgezeichnet. Der "Standard" und das Siemens Forum förderten das Projekt.

Die Themen umfassen den schulischen Bereich ebenso wie gesellschaftspolitische oder soziale Fragen. Ein durchgängiges Anliegen der Schüler ist die Beziehung zu Randgruppen, Konflikte und wie sie gelöst werden können. Von Jänner 1998 bis August 2000 wurden 300 Schülerradiosendungen ausgestrahlt.

Mit dem Generali-Sonderpreis wird Max Friedrich ausgezeichnet, der sich nicht nur in seiner Tätigkeit als Facharzt für Kinderneuropsychiatrie, sondern auch durch viele Projekte, wie zum Beispiel die Einführung von psychagogischen Betreuern an 34 Wiener Pflichtschulen, die auf seine Initiative hin geschah, für einen gewaltfreien Umgang mit Kindern eingesetzt hat.

"Körperliche Gewalt an Kindern und in Familien wurde hinreichend geächtet und ist bis hin zum Wegweiserecht in unser psychosoziales Bewusstsein eingedrungen. Bezüglich intellektueller, emotionaler und sozialer Gewalt stehen wir erst am Anfang", meint Friedrich. "Jedes Kind hat das Recht, vor allen Gefahren geschützt zu werden und auf diese hinreichend vorbereitet zu werden", fordert Friedrich.

"Wer sich Kindern widmet, wer sie liebt, der kommt um die Frage der Gewalt innerhalb der Familie nicht herum. Gewalt gegen Frauen und von der Frau gegenüber dem Mann bedeutet in letzter Konsequenz Gewalt gegen das Kind. Herzlosigkeit ist Gewalt, und sie muss nicht physisch sein", schrieb Hans Czermak in seinem "Vermächtnis an die Eltern".



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Dokument erstellt am 2001-01-31 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 15:34:00


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