• vom 20.06.2011, 10:11 Uhr

Chronik


Facebook

Facebook als neue Jugendreligion




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Von Christoph Rella

  • Mehr als 85 Prozent besitzen ein Konto und ähnliche Werthaltungen
  • Jugendstudie zu Online-Communities, jungen Migranten.
  • Unter-30-Jährige inszenieren sich und glauben nicht an Gott.

Bei Jugendlichen beliebt: Im Internet chatten, Profile anschauen oder Nachrichten hinterlassen. - © dpa/Armin Weigel

Bei Jugendlichen beliebt: Im Internet chatten, Profile anschauen oder Nachrichten hinterlassen. © dpa/Armin Weigel

Wien. "Der junge Mensch poliert sich selbst zur Ware auf." Und: Junge Migranten und Österreicher ohne Migrationshintergrund teilen dieselben Werte. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Trendstudie des Wiener Instituts für Jugendkultur.


Im Mittelpunkt der Befragungen standen zum einen Online-Communities wie Facebook, das laut der Studie mittlerweile von 85 Prozent aller Unter-30-Jährigen in Österreich genutzt wird. Die hohe Beliebtheit dieses Portals führt Studienleiter Bernhard Heinzlmaier auf eine Neigung der modernen Jugend hin, sich online inszenieren und darstellen zu müssen. "Facebook ist eine ideale Bühne zur Selbstpräsentation und für Voyeurismus", erklärt er der "Wiener Zeitung". Sichtbar werde dies an den Community-Aktivitäten: Demnach gaben zwei Drittel der User an, auf Facebook mit Freunden zu chatten, rund 42 Prozent nannten das Ansehen von Profilen als vorrangigstes Teilnahmemotiv. Beliebt ist auch die Suche nach neuen Freunden sowie das Hinterlassen von Nachrichten auf der persönlichen Statuszeile oder auch auf Pinnwänden Dritter. Initiativ werden und etwa eine Gruppe gründen wollen nur die Wenigsten, nämlich gerade einmal jeder Zehnte.

Wenn es allerdings um die Sicherheit der persönlichen Daten geht, verstehen die meisten Nutzer keinen Spaß. So stimmten rund 62 Prozent der Befragten dem Satz zu: "Ich überlege mir zweimal, welche Dinge ich in meiner Community über mich preisgebe." Ebenso viele Jugendliche gaben an, es sei ihnen "gar nicht egal", was die Firma, die ihre Community betreibt, mit den Daten macht.

Migranten eher religiös
Was zum anderen wiederum die Werthaltungen und Einstellungen der jungen Migranten und der in Österreich geborenen Jugendlichen betrifft, sorgt die Studie für eine Überraschung: "Es gibt praktisch keine Unterschiede", betont Heinzl-maier. Folglich würden sich In- wie Ausländer zu gleichen Teilen an den in Österreich vorherrschenden Jugendszenen und Marken sowie auch an ihren persönlichen Werten, Gefühlen oder auch politischen Anschauungen orientieren.

Freilich mit einer Ausnahme: Spielt Religion nur bei 12 Prozent der Jugendlichen eine Rolle, so liegt dieser Wert bei Migranten unter 30 bei rund 40 Prozent. Dementsprechend deutlich fällt auch die Antwort auf die Aussage "Homosexualität ist keine natürliche Lebensweise" aus. Denn während 70 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund kein Problem mit Homosexuellen haben, bejahte rund jeder dritte junge Migrant die Aussage. Bei jungen Menschen mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund lag die Ablehnungsrate nur noch bei 17,5 Prozent.




Schlagwörter

Facebook, Jugendstudie

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Dokument erstellt am 2011-06-20 10:20:06


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