• vom 12.05.2011, 16:59 Uhr

Chronik

Update: 13.07.2018, 13:04 Uhr

Aberglaube

Dreizehn, Katz’ und Teufel




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Von Edwin Baumgartner

  • Weit verbreiteter Aberglaube wurzelt in verballhornten religiösen Vorstellungen.

Gefahr in Verzug - aber nur für Mäuse und abergläubische Menschen.

Gefahr in Verzug - aber nur für Mäuse und abergläubische Menschen.

Heute ist Freitag, der 13. Ausgerechnet. Am Ende ist einem Unglücksraben auch noch eine schwarze Katze über den Weg gelaufen, der ausweichend unter einer Leiter durchging, darob erschreckend zur Seite taumelnd auf einen Kanaldeckel stieg. Und weit und breit kein Rauchfangkehrer, der alles wieder ins Lot bringen könnte! Alles Aberglaube? - Sicher. Aber vielfach haben auch jene, die es fern von sich weisen, abergläubisch zu sein, so ein kleines Männchen im Ohr sitzen, das ihnen zuflüstert, den Roman nie am Ende des 13. Kapitels zur Seite zu legen, sondern immer das 14. zumindest anzulesen. 

Was hat es mit dem Aberglauben nun wirklich auf sich? Die Antike war voll von Orakeln und Zeichendeutungen. Man glaubte, alles stünde irgendwie in Zusammenhang. Eines könne man am Anderen ablesen, etwa politische Entscheidungen am Sternenhimmel oder das Eheglück in den Eingeweiden einer Taube. Um solche und ähnliche heidnische Vorstellungen zu bekämpfen, brandmarkte das Christentum sie als Aberglaube. Der Begriff selbst kam im 15. Jahrhundert auf, das Präfix "Aber" bedeutet die Umkehrung des religiös gemeinten zweiten Wortteils. Aberglaube ist also der falsche Glaube, der ketzerische Glaube.

Doch es scheint, dass dem Menschen die Zeichendeutung unauslöschliches kulturelles Erbe ist. Das Christentum unterdrückte zwar den heidnischen Aberglauben, bot aber für Aberglauben auf der Basis verballhornter christlicher Mystik neuen Nährboden. Die Zahl 13 als Unglückszahl hat etwa mit dem Letzten Abendmahl zu tun: 13 Personen saßen beim Letzten Abendmahl. Als Dreizehnter am Tisch gilt Judas, der Verräter Jesu. Außerdem überschreitet die 13 die nach antiker und christlicher Mystik als vollkommen geltende Zahl 12. Die 13 wird daher folgerichtig auch "Teufelsdutzend" genannt.

Pech für 6,93 Milliarden

Der Freitag gilt als Unglückstag, da es der Tag von Jesu Kreuzigung ist. Der Auferstehungstag ist der Sonntag, weshalb man den an solchen Tagen geborenen "Sonntagskindern" besonderes Glück nachsagt.

Wer vor Freitag, dem 13. Angst hat, möge sich zur Beruhigung vorstellen: Auf der ganzen Welt bricht, je nach Zeitzone, früher oder später dieser Freitag, der 13. an. Was bedeuten würde, dass jedem einzelnen der 6,93 Milliarden Menschen an diesem Tag ein Unglück wiederfährt. Ein Komet, der alles Leben an einem Tag auslöschen würde, ist nicht in Sicht.

Auch der Aberglaube, man solle nicht unter einer Leiter durchgehen, hat mit dem Glauben zu tun: Dabei durchstößt man das Dreieck, das in der Mystik die Dreifaltigkeit symbolisiert. Gott selbst wird bisweilen als Dreieck mit einem Auge in der Mitte dargestellt.

Die Angst vor der schwarzen Katze wiederum resultiert aus dem mittelalterlichen Glauben an Hexen, als deren Hilfsgeist die schwarze Katze galt. Bisweilen machte man ihr auch den Prozess und verbrannte sie auf dem Scheiterhaufen.

Apropos Teufel: Dienern des Bösen wurde nachgesagt, in Fliegen- und Mückengestalt aufzutreten und durch den Mund in den Menschen zu fahren - deshalb hält man sich beim Gähnen die Hand vor den Mund. Beelzebub war also auch Benimmlehrer.

Glück bringt hingegen der Rauchfangkehrer, denn Ruß galt als Abwehrmittel gegen Hexen und Teufel. Dass man Kanaldeckel meiden soll, wird prosaisch mit der Angst begründet, in den Schacht zu fallen. Mitunter heißt es freilich auch, der Kanal sei ein Symbol für den Höllenschlund.

Abergläubisch waren auch Intellektuelle. Den an einem 13. September geborenen Komponisten Arnold Schönberg plagte panische Angst vor der Zahl 13. Das thematisierte er schon um 1900 im unvollendeten Libretto zu einer Oper "Aberglaube". Im Titel seiner Oper "Moses und Aron" ließ er das zweite "a" von Aaron weg, andernfalls hätte der Titel 13 Buchstaben gehabt. 1950 fürchtete er, das Jahr nicht zu überleben, denn die Zahl 1950 ist ganzzahlig durch 13 teilbar. Schönberg starb 1951, und diese Zahl hat nun mit 13 gar nichts zu tun. Das Todesdatum des Komponisten freilich war der 13. Juli. Es war ein Freitag.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-05-12 16:59:00
Letzte Änderung am 2018-07-13 13:04:15


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