• vom 25.09.2009, 19:28 Uhr

Chronik


Pressburger werden sieben Jahre älter als Menschen in Trebisov - 450 km liegen dazwischen

Leben und Sterben in der Slowakei




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Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

  • Die soziale Kluft schlägt sich bei der Lebenserwartung massiv nieder.
  • Pressburg entfernt sich immer weiter von der Restslowakei.
  • Pressburg. Nicht weniger als ein ganzes Schulleben, nämlich genau 13,16 Jahre, klaffen die Lebenserwartung einer Frau im vierten Stadtbezirk von Pressburg und die eines Mannes in Trebisov ganz im Südosten des Nachbarlandes im statistischen Durchschnitt auseinander. Das geht aus dem rund 100 Seiten starken "Sterblichkeitsatlas Slowakei 1993 - 2007" hervor, den das Demographische Forschungszentrum des Instituts für Informatik und Statistik der Slowakischen Akademie der Wissenschaften vorgelegt hat.

Selbst in den Pressburger Plattenbauten stirbt man früher als in der City. Foto: Schmölzer

Selbst in den Pressburger Plattenbauten stirbt man früher als in der City. Foto: Schmölzer

Andere Lebensstandards

Selbst in den Pressburger Plattenbauten stirbt man früher als in der City. Foto: Schmölzer

Selbst in den Pressburger Plattenbauten stirbt man früher als in der City. Foto: Schmölzer Selbst in den Pressburger Plattenbauten stirbt man früher als in der City. Foto: Schmölzer


Nun ist es nichts Neues, dass Frauen in der Regel älter werden als Männer. In der Slowakei sterben sie im Schnitt mit 78,73 Jahren, Männer mit 70,85 Jahren. Pressburg und Trebisov liegen jedoch gerade einmal 447 Kilometer voneinander entfernt. Allerdings lässt sich der Lebensstandard in der Hauptstadt vor allem mit dem in der strukturarmen Ostslowakei schon seit Jahrzehnten nicht mehr vergleichen. "Pressburg ist nicht die Slowakei und entfernt sich auch immer mehr von ihr", heißt es dazu bezeichnend im Volksmund. Experten werten die Daten im Sterblichkeitsatlas deshalb als deutlichen Beleg dafür, dass sich zwischen Westen und Osten der Slowakei eine immer deutlichere soziale Kluft auftut, die in einigen Jahren kaum noch zu überbrücken sein könnte, mögen die Politiker über die Parteigrenzen auch noch so nachdrücklich beteuern, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse ihr oberstes Ziel ist.

Am längsten leben in der Slowakei die Einwohner von Pressburg sowie die Menschen im Westen und in der nördlichen Region Povazie. Die geringste Lebenserwartung haben außer in Trebisov die Menschen in der südlichen Mittelslowakei rund um die Kleinstadt Krupina oder in der Region Gemer sowie Männer rund um Cadca an der Grenze zu Polen. Durchschnittlich werden Pressburger sieben Jahre älter als Menschen im Südosten. In Partizánske unweit von Krupina haben allerdings zumindest Männer wieder eine relativ hohe Lebenserwartung mit durchschnittlich 72,80 Jahren. Frauen wiederum werden mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 79,85 Jahren auch im Kreis Stropkov vergleichsweise alt .

Wie schon für Frauen, scheint auch für Männer, die ein hohes Alter erreichen wollen, der vierte Bezirk von Pressburg der beste Ort zum Leben in der Slowakei. Ihre Lebenserwartung liegt hier im Schnitt bei 74,57 Jahren.

Bessere Ernährung

Die Pressburger sind in der Regel wohlhabender als ihre Landsleute. Das ist der Studie zufolge jedoch nicht der wichtigste Grund für die relativ hohe Lebenserwartung der Hauptstädter. Vielmehr sind sie besser ausgebildet und haben ein höheres Einkommen als andere Slowaken und kümmern sich deshalb auch besser und ausdrücklich um ihr Wohlbefinden, indem sie sich gesünder ernähren und öfter zu Vorsorgeuntersuchungen gehen.

Allerdings gibt es auch in der slowakischen Hauptstadt deutliche Unterschiede. Die Bewohner von Petrzalka, der größten Plattenbausiedlung in der Slowakei im fünften Bezirk von Pressburg, leben im Schnitt zwei Jahre kürzer als die Menschen im vierten Bezirk der Hauptstadt. Die Einkommen seien dort relativ niedrig, die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung problembehaftet, auch lebten die Menschen auf sehr engem Raum zusammen, erklären die Wissenschafter dieses Phänomen.

Im Süden der Mittel- und Ostslowakei verkürze sich die Lebenserwartung, weil die Menschen dort zu selten zu Vorsorgeuntersuchungen gingen, sich ungesund ernährten, rauchten und zuviel Alkohol tränken. Deshalb sei es auch nicht überraschend, dass dort im Landesvergleich die meisten Todesfälle wegen Herzkreislaufkrankheiten zu verzeichnen seien.

Im Süden der Ostslowakei wiederum ist laut Sterblichkeitsatlas die Säuglingssterblichkeit am höchsten, und zwar vor allem dort, wo sich Roma-Siedlungen ohne Zugang zu Trinkwasser befinden und die Menschen praktisch niemals zum Arzt gehen.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2009-09-25 19:28:09
Letzte Änderung am 2009-09-25 19:28:00


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