• vom 20.03.2009, 17:18 Uhr

Chronik

Update: 20.03.2009, 17:38 Uhr

Flaute nach Medienhype um Kärntner 99-Euro-Villa - Bei den vielen Nachahmern geht nun die große Angst um

Hausverlosungen: Fiasko statt Boom




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Von Christian Mayr

  • Anbieter bleiben auf den Losen sitzen.
  • Wegen Gebühr drohen hohe Verluste.
  • Schon fast 100 Häuser am Markt.
  • Wien. So plötzlich der Boom an Hausverlosungen über Österreich hereingebrochen ist, so jäh fällt nun das vermeintlich große Geschäft in sich zusammen. Denn in den vergangenen Wochen wurden jede Menge Häuser oder Eigentumswohnungen auf den Markt geworfen, weshalb die einzelnen Anbieter immer weniger Lose anbringen. Werden jedoch nicht genügend verkauft, drohen aufgrund der vorher zu bezahlenden Gebühren Verluste von mehreren 100.000 Euro.

Internet-Portale gehen über vor Häusern, die verlost werden sollen. Foto: WZ/Sternisa

Internet-Portale gehen über vor Häusern, die verlost werden sollen. Foto: WZ/Sternisa Internet-Portale gehen über vor Häusern, die verlost werden sollen. Foto: WZ/Sternisa

Bisher gab es ohnedies erst eine einzige Verlosung - jene 99-Euro-Villa in Kärnten, die Mitte Jänner noch unter enormem Mediengetöse vonstatten ging. Lediglich eine zweite Verlosung (Bungalow am Semmering) scheint derzeit gesichert, da schon mehr als 7000 von mindestens 9699 Losen veräußert wurden und laut Anbieter damit die Hürde genommen sei.

Bei allen anderen beginnt nun aber das große Zittern: Laut dem Web-Portal www.hausverlosungen.biz sind derzeit 90 Objekte in Österreich am Markt - 34 Verlosungen wurden effektiv gestartet, beim Rest sind Reservierungen möglich. "Bei einigen herrscht große Panik, dass sie nicht mehr fertig werden", beschreibt es Jürgen Tatscher, der die Semmering-Verlosung abwickelt. Dann freilich droht das große Finanz-Fiasko: Denn die 12-prozentige "Gewinstgebühr" muss jedenfalls ans Finanzamt abgeliefert werden - selbst, wenn die Verlosung scheitert. "Diese berechnet sich vom Gesamtwert aller aufgelegten Lose und ist rund einen Monat nach Verkaufsbeginn zu bezahlen", sagt Finanzministeriums-Sprecher Harald Waiglein. Ein Beispiel: Für ein Luxus-Fuhrwerkerhaus in Wien-Ottakring wurden 16.000 Lose à 99 Euro aufgelegt - ergibt eine satte Gebühr von 190.080 Euro.


Noch-Besitzer Adria Radu hat derzeit aber erst "knapp unter 2000 Lose" verkauft - trotz mehrerer medialer Auftritte: "Eigentlich müsste es mir in dieser guten Lage und als Erster in Wien ja wesentlich besser gehen", erklärt Radu. Er macht die viele Konkurrenz für die schwindende Nachfrage sowie Negativmeldungen über mögliche Risiken für Loskäufer verantwortlich. Dass sein Verlosungs-Termin (30. Juli) hält, glaubt er selber nicht mehr. "Ich werde wie alle anderen verlängern müssen", sagt Radu. Bei Nebenkosten von 350.000 bis 400.000 Euro muss er aber alle 16.000 Lose anbringen, um am Ende ohne Verlust dazustehen.

"Rückerstattung teuer"

Freilich dürfen die Anbieter den Verlosungs-Termin nicht beliebig hinauszögern, meist wird laut Teilnahmebedingungen ein Zweittermin (rund zwei Monate später) eingeräumt, teilt Anwalt Clemens Oppolzer mit; er sucht selbst Abnehmer für 8999 Lose für sein Domizil in der Josefstadt - hält aber erst bei 550 Registrierungen. Verstreicht auch die Nachfrist, kann es für die Anbieter ganz bitter werden. "Bei einer Rückabwicklung steigen die Kosten exorbitant an", sagt Oppolzer. Erstens fielen Überweisungsgebühren fürs Treuhandkonto an (40 Cent pro Käufer); zweitens sei nicht sicher, ob der Aufwandersatz (15 bis 20 Euro pro Los) tatsächlich einbehalten werden darf. Oppolzer will nun mehr in Werbung investieren und auch Deutsche und Schweizer ansprechen. "Bei zehn Losen pro Tag brauche ich sonst zwei Jahre."

Ähnlich schleppend geht der Verkauf bei Sängerin Stefanie Werger, die für ihre Villa bei Graz 16.999 Loskäufer sucht: "Es hat gut angefangen, aber jetzt stagniert es." Da sie erst knapp mehr als 6000 Lose verkauft hat, glaubt sie nicht an den geplanten Termin Mitte August. "Aber weil es ein gutes Objekt ist, wird das hoffentlich schon noch gehen. Andere werden aber auf die Schnauze fallen", prophezeit Werger, die auch die von Notaren geschürte Rechtsunsicherheit als Grund angibt. Einen weiten Weg hat auch noch Günther Tritscher vor sich, der eine Hütte am Dachstein loswerden will: Erst 1000 von 6999 Losen à 92 Euro seien vergeben, nun müsse mehr geworben werden. "Das kostet 20.000 Euro, damit bliebe mir am Ende nur ein Erlös unter dem Schätzwert", so Tritscher.

Gründlich verkalkuliert haben dürfte sich Markus Grötz für seine Doppelhaus-Hälfte in St.Pölten: "Ich wusste vorher nicht, dass diese 12Prozent bezahlt werden müssen, das hat allein 40.000 Euro gekostet." Obwohl er noch keine 1000 Lose verkauft hat (von 5499), hofft er auf ein Happy End: "Es muss sich einfach ausgehen!" Grötz tröstet sich derweil mit dem Leid anderer: "In St. Pölten will einer 7777 Lose verkaufen - zu je 222 Euro. Das geht niemals!"



Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2009-03-20 17:18:00
Letzte Änderung am 2009-03-20 17:38:00

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