• vom 01.07.2011, 17:51 Uhr

Chronik

Update: 02.07.2011, 13:35 Uhr

Julia Kührer

Vermisste Julia Kührer tot




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Skelettteile identifiziert
  • Überreste wurden identifiziert.
  • 50-jähriger Mann festgenommen.
  • Er wurde bereits vor Wochen befragt.

Im Keller dieses Hauses in Dietmannsdorf wurden die Knochenreste gefunden. - © APA

Im Keller dieses Hauses in Dietmannsdorf wurden die Knochenreste gefunden. © APA

Wien. (apa/rös) Der Fall Julia Kührer hat am Freitag eine dramatische Wendung genommen. Am Donnerstagabend wurden in Dietmannsdorf (Bezirk Hollabrunn) in Niederösterreich in einem Keller Knochenreste sichergestellt, die von der seit fünf Jahren verschwundenen jungen Frau stammen. In Wien wurde am Freitag der Besitzer des Hauses, ein 50-jähriger Mann, festgenommen. Er wurde zu Mittag in St. Pölten einvernommen.


Die Ermittlungen kamen laut Polizei rein zufällig wieder ins Rollen. Jugendliche sollen am Donnerstag beim Feiern auf Knochen gestoßen sein, die Polizei durchsuchte daraufhin den Keller und stieß auf die Leichenstücke. Ob es sich bei den Knochen tatsächlich um die sterblichen Überreste von Kührer handelt, wird in einem DNA-Test geklärt. In dem Haus sollen auch halb vernichtete Schulbücher sichergestellt worden sein, die Kührer gehört haben könnten.

Parallelen zu Kampusch
Über den Festgenommenen war vorerst nur wenig bekannt: Er ist laut Staatsanwaltschaft Korneuburg 50 Jahre alt, kannte Kührer und hat das Haus bis vor einigen Jahren immer wieder benutzt. Im Zuge der Ermittlungen wurde er mehrmals befragt - zuletzt erst vor wenigen Wochen. Als verdächtig galt er allerdings nicht. Ein Umstand, der Parallelen zum Fall Natascha Kampusch aufzeigt. Schließlich hatte die Polizei Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil im Zuge der Ermittlungen auch öfter befragt, ohne in seinem Keller nachzusehen.

Der 50-Jährige soll einst eine Videothek in Pulkau betrieben haben, erzählte ein 21-Jähriger aus Dietmannsdorf. Eigenen Angaben zufolge kannte er Julia Kührer seit Kindergartentagen. Er habe nach ihrem Verschwinden wie viele andere auch nach ihr gesucht. Von der Polizei einvernommen worden sei er ebenfalls. Die Videothek in Pulkau, wo sich früher viele Jugendliche aufgehalten hätten, sei jedenfalls schon wenige Tage nach dem Verschwinden von Julia Kührer geschlossen worden, so der 21-Jährige.

Anhand eines Skeletts kann die Gerichtsmedizin relativ rasch Identität und Todesursache feststellen. Die schnellste Möglichkeit herauszufinden, ob es sich bei dem Skelett um die vermisste Julia Kührer handelt, ist eine Zahnanalyse: "Wenn man einen Verdacht hat, dass es eine bestimmte Person sein könnte, sucht man sich den Zahnarzt und bittet ihn um ein Röntgen", erklärte die Wiener Gerichtsmedizinerin Andrea Berzlanovich. Dank einer "Blickanalyse" weiß man praktisch sofort Bescheid.

Sind keine Zähne vorhanden, macht man eine DNA-Analyse der Knochen und zieht dann Vergleichsspuren der Vermissten hinzu - Haare von einem Kamm oder Speichelproben von einer Zahnbürste.

Danach wird das Material aufbereitet, was laut der Expertin unterschiedlich lange dauern kann: Es kommt darauf an, wie der Zustand der Knochen ist und wie weit die Verwesung fortgeschritten. Laut einem Biochemiker aus Graz ist eine DNA-Analyse in 18 Stunden machbar - "wenn die Knochen nicht mit Bakterien kontaminiert sind", erklärt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Ist das der Fall, könne es auch Tage dauern.

Männlich oder weiblich
"Was man schon am Fundort machen kann, ist eine Einschätzung, ob es sich um eine weibliche oder eine männliche Leiche handelt. Auch das Alter lässt sich auf plus/minus fünf Jahre eingrenzen", erklärte Berzlanovich. Je vollständiger das Skelett erhalten ist, desto präziser ist die erste Analyse. Wichtig sind vor allem die Zähne, die bei einem jungen Menschen nach fünf Jahren - so lange ist Julia Kührer verschwunden - noch komplett erhalten sein müssten. Da die Knochen in einem Keller gefunden wurden, dürften sie gut erhalten sein, vor allem wenn keine Tiere Zugang hatten.




Schlagwörter

Julia Kührer

Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-07-01 17:57:09
Letzte Änderung am 2011-07-02 13:35:40

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Die Würfel sind gefallen"
  2. Österreich verliert in Zivilgesellschaftsrating
  3. Hurra, wir leben noch
  4. Bad Tatzmannsdorf feiert Grinch-Mas
  5. Häusliche Gewalt nimmt zu
Meistkommentiert
  1. Namenspflicht gegen Hass im Netz
  2. "Die Zeichen stehen auf Sturm"
  3. Verdacht auf Spionage
  4. "Die Würfel sind gefallen"
  5. Regierung will "digitales Vermummungsverbot"

Werbung




Werbung