• vom 26.12.2007, 17:45 Uhr

Chronik


Die Umlauflifte sind ein Relikt aus alten Zeiten und werden nach und nach durch moderne Aufzüge ersetzt

Bedrohte Aufzugsart: Paternoster




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Von Andrea Katschthaler

  • Sicherheitsprobleme und teure Wartung sorgen oft für Betriebsstopp.
  • Umlaufaufzug im NIG im Sommer eingestellt.
  • Nur noch wenige Paternoster im Betrieb.
  • Wien. Das vertraute Knacksen des Holzes und das Knirschen der Ketten wird man im Foyer des Neuen Institutsgebäudes (NIG) in der Universitätsstraße 7 nicht mehr hören. Denn der Verursacher dieser Geräusche, der Paternoster, der dort seit der Errichtung des Gebäudes 1961 seine Runden gedreht hat, ist nicht mehr. Der Nostalgieaufzug wurde im Juli 2007 abgebaut, seit September befördert dort ein moderner Lift in die sieben Stockwerke des Universitätsgebäudes.

Der Paternoster oder Umlaufaufzug im NIG war einer der letzten seiner Art. Insgesamt gibt es in Österreich noch geschätzte 20 bis 25 Stück. 14 befinden sich mit Sicherheit in Wien, denn die betreut der Technische Überprüfungsverein (TÜV) Österreich, weiß Gottfried Jung, TÜV-Aufzugsprüfer. Jung weiß von zwei weiteren Aufzügen in Graz und vermutet, dass in Österreich weitere sieben bis acht Paternoster von anderen Prüfern betreut werden.


Reparatur und Wartung teuer
Der älteste Paternoster läuft seit 1911 im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz. Er funktioniert noch und wird laut Auskunft im Haus heiß geliebt.

Probleme mit den alten Aufzügen entstehen aber dann, wenn diese nicht mehr einwandfrei funktionieren. "Nur wenige Monteure kennen sich damit noch aus, und Einzelteile sind zum Teil gar nicht mehr zu bekommen", sagt Peter Eckhardt, Bauleiter im Regierungsgebäude am Stubenring, wo es auch noch ein Paternoster-Exemplar gibt. So müsse man, wenn etwas kaputt geht, Ersatzteile teuer anfertigen lassen. Die Wartung eines Umlaufaufzuges ist um einiges kostspieliger als die Wartung seiner modernen Kollegen, weiß Ernst Eichinger, Mediensprecher der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die noch ein paar Paternoster in ihren Gebäuden in Betrieb hat.

Der abgebaute Aufzug im NIG war ebenfalls im Besitz der BIG. "Wo es Sinn macht, versuchen wir, sie zu erhalten", sagt Eichinger. Wenn ein Paternoster aber den behördlichen Auflagen nicht mehr entspricht, dann "sticht Sicherheit Nostalgie". Das mit den behördlichen Auflagen sei ohnehin problematisch, weil es keine neue, gültige Aufzugsnorm für Paternoster gebe, so Bauleiter Eckhardt. Bereits seit den 60ern darf in Österreich kein neuer Paternoster in Betrieb genommen werden. Im Wiener Aufzugsgesetz steht, dass seit April 2007 alle Aufzüge evaluiert werden müssen. Das heißt, es muss erhoben werden, ob sie dem Stand der Technik entsprechen.

Probleme mit Sicherheit
"Aber für Paternoster gibt es keine Norm, was wiederum die Evaluierung schwierig macht", erklärt Eckhardt, der zur Zeit mit dem TÜV in Verbindung steht, um zu klären, wie vorzugehen ist. Der TÜV wiederum prüft die Paternoster einmal pro Jahr - allerdings nur darauf, ob sie dem Zustand zur Zeit ihrer Errichtung noch entsprechen. Aber der entspricht eben nicht immer den heutigen Anforderungen an einen Aufzug. Schwierigkeiten machen vor allem die Sicherheitsprobleme, die bei den ohne Türen fahrenden Umlaufaufzügen fast schon prädestiniert sind. Die Menschen haben das Gefühl für den Paternoster verloren, wissen oft gar nicht mehr, wie sie ihn benutzen müssen. Dann geschehen Unfälle durch falsches Bedienen, oder etwa, weil jemand versucht, mit einem Kinderwagen einzusteigen.

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Dokument erstellt am 2007-12-26 17:45:45
Letzte Änderung am 2007-12-26 17:45:00


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