• vom 26.07.2007, 14:08 Uhr

Chronik

Update: 26.07.2007, 14:35 Uhr

Brände in Italien: Österreicher heimgekehrt




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Von WZOnline / APA

  • Weitere Waldbrände auf dem Balkan.
  • Nach der verheerenden Brandserie dieser Tage sind Tausende von Touristen aus dem Urlaubsparadies Gargano an der apulischen Adria-Küste geflüchtet. Zu ihnen zählten auch rund 110 Urlauber aus Österreicher, Deutschland und der Schweiz, die heute Mittag in Innsbruck angekommen sind. Der ÖAMTC hatte den Rücktransport mit Bussen gemeinsam mit dem Außenministerium organisiert. Nur noch drei Österreicher befinden sich in der Region. Ihr Auto ist beim Brand beschädigt worden und sie bemühen sich, es nach Hause zu bringen", berichtete der österreichische Botschafter in Italien, Christian Berlakovits.

Am Donnerstag sind aus den Brandgebieten Süditaliens gerettete Urlauber aus Österreich in Innsbruck angekommen.

Am Donnerstag sind aus den Brandgebieten Süditaliens gerettete Urlauber aus Österreich in Innsbruck angekommen.© Parigger/APA Am Donnerstag sind aus den Brandgebieten Süditaliens gerettete Urlauber aus Österreich in Innsbruck angekommen.© Parigger/APA

Die Touristen wirkten nach der stundenlangen Fahrt großteils erschöpft. Den meisten war die Erleichterung darüber anzusehen, dass sie die dramatischen Ereignisse unverletzt überstanden hatten. Mit wenigen Habseligkeiten in der Hand - Säcken oder kleinen Taschen - stiegen sie aus den insgesamt drei italienischen Reisebussen. Einige Angehörige waren erschienen und nahmen sie mit Tränen in den Augen in Empfang.


Mafia hinter Brandserie?

Indes bangt Apulien um die Tourismussaison. Mehrere Hotels und Campingplätzen sind abgebrannt. Die Behörden vermuten die Mafia hinter der Brandserie.

"Jemand will uns zwingen, unsere Campingplätze und Hotels zu verkaufen, damit die Mafia sie übernehmen kann", sagte der Präsident der Region Apulien, Niki Vendola. Er warnte vor dem Würgegriff des organisierten Verbrechens. "Hier geht es nicht um Geistesgestörte, die Brände legen, oder um Touristen, die versehentlich einen Zigarettenstummel wegwerfen und Feuer auslösen. Hier geht es um einen gut durchdachten, kriminellen Plan", klagte Vendola an.

In der apulischen Adria-Badeortschaft Peschici seien in einer Stunde elf Brände gelegt worden. In den vergangenen zwei Wochen seien in fünf Naturschutzgebieten der Gegend Feuer absichtlich entfacht worden. "So etwas ist bisher in Italien noch nie geschehen. Vor zwei Jahren haben wir elf der 16 Naturschutzgebiete der Gegend eingerichtet. Sehr wahrscheinlich haben wir kriminellen Interessen geschadet", meinte Vendola. Die nationale Anti-Mafia-Behörde DIA ermittelt.

Brände Kalabrien

Die Brandserie trifft auch Kalabrien hart. Allein am Mittwoch wurden dort 524 Brandherde gemeldet. Im Visier der Brandstifter steht offensichtlich der Nationalpark Pollino im Inneren der bergigen Region. 2.000 Hektar Pinienwälder brannten dort. Canadair-Flugzeuge sind im Einsatz, um die Brände zu löschen. "Der Nationalpark ist verwüstet und in eine Mondlandschaft verwandelt worden. Wir erleben hier eine Umweltkatastrophe. Die Flammen haben den schönsten Teil des Parks zerstört", klagte der Leiter des Parkt, Mimmo Pappaterra.

Die mittelitalienische Region Abruzzen will den Notstand ausrufen. Die Regierung müsse alle denkbaren Maßnahmen ergreifen, um die Brandserie zu stoppen. "Die Schäden betreffen nicht nur die Wäder. Auch viele Bürger der Region haben schwere Sachschäden hinnehmen müssen", sagte der Präsident der Region Ottaviano Del Turco.

Feuer in Griechenland, Rumänien, Mazedonien

In Griechenland brachen weitere Waldbrände aus, drei Menschen kamen dabei um. Tausende Feuerwehrleute bekämpften die Brände in verschiedenen Landesteilen, viele Tausend Hektar Wald fielen den Flammen bereits zum Opfer. Auch in Italien, Bulgarien und Mazedonien kämpften die Einsatzkräfte weiter gegen die von der Hitze begünstigten Feuer.

In Rumänien seien mittlerweile mindestens 33 Menschen an den Folgen der Hitzewelle gestorben, teilten die Behörden mit. In Ungarn seien sogar mehrere hundert Todesfälle vom extremen Wetter mit verursacht worden.

"Wir stehen hier vor einer extrem schwierigen Situation: viele Brände in vielen verschiedenen Teilen des Landes", sagte ein Sprecher der griechischen Feuerwehr. Bei einem Waldbrand nahe der Stadt Aegio im Süden des Landes wurden in der Nacht zum Donnerstag drei Menschen getötet, ein weiterer Mann befand sich schwer verletzt im Krankenhaus. Acht Dörfer mussten evakuiert werden, zahlreiche Häuser wurden von den Flammen in Schutt und Asche gelegt. Die Streitkräfte halfen mit Helikoptern, die Bewohner noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Wegen gestiegenen Energieverbrauchs durch Klimaanlagen kam es auch wieder zu kleineren Stromausfällen.

In Mazedonien waren am Donnerstag wieder über 2.000 Feuerwehrleute im Einsatz, die versuchten, mehrere Brandherde in Eichen- und Pinienwäldern unter Kontrolle zu bekommen. Mehrere Tausend Hektar Land waren den Flammen bereits zum Opfer gefallen. Nach den schlimmen Waldbränden in Italien, bei denen zwei ältere Menschen umkamen und mehrere Tausend Touristen und Bewohner in Sicherheit gebracht werden mussten, waren die größten Brände am Donnerstag unter Kontrolle. Die meisten der Feuer seien von Brandstiftern gelegt worden, hatten die Behörden am Mittwoch erklärt.

In Griechenland sind seit Juni zehn Menschen, darunter fünf Feuerwehrleute, durch Waldbrände umgekommen. Nach den Rekordtemperaturen von 45 Grad Celsius am Mittwoch war die Hitze am Donnerstag weniger extrem, mit heiß ersehntem Regen rechnen die Meteorologen aber für die kommenden Tage nicht.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-07-26 14:08:19
Letzte Änderung am 2007-07-26 14:35:00

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