• vom 15.12.2010, 15:57 Uhr

Chronik

Update: 16.06.2011, 21:12 Uhr

Integration

Aus "Yussuf" wurde schon "Josef"




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Von Yordanka Weiss

  • Diskriminierung wegen fremd klingender Namen ist heute Alltag - Namensänderungen gab es schon früher
  • Eine Namensänderung erleichtert die Wohnungs- und Lehrstellensuche.
  • Auch das britische Königshaus hat sich 1917 umtaufen lassen.

Wien. Üm-mü-han Ör-ün. Die Personalberaterin ist gewohnt, ihren Namen fast immer zu buchstabieren. Im Berufsleben habe ihr der Name keine Probleme bereitet, in der Schule war es schlimmer - er war für alle unverständlich. "Ümmühan" hat zwei Bedeutungen: "die Mutter aller Gesetze" und "die Tochter des Propheten Mohammed", erzählt die junge Frau aus der Türkei. Trotz der Schwierigkeiten denkt sie nicht an eine Namensänderung: "Wie würde ich das meiner Familie gegenüber vertreten können? Der Name ist mehr als eine beliebige Buchstabenreihenfolge, er ist ein Zeichen meiner kulturellen und historischen Identität."


Viele sehen das anders und lassen ihren Namen ändern, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen und pauschale Vorurteile im Vorhinein zu vermeiden. Im Jahr 2010 unternahmen in Wien bis Ende November 2691 Personen eine Namensänderung. "Das Verfahren dauert bis zu sechs Monate", sagt Beatrix Hornschall, Leiterin der Wiener Magistratsabteilung 35 (Einwanderung, Staatsbürgerschaft, Standesamt). Dort können österreichische Staatsbürger und Flüchtlinge ihre Anträge stellen. Alle anderen haben sich an die jeweilige Botschaft zu wenden.

Recht auf Namensänderung hat laut Gesetz unter anderem, wer "ausländischer Herkunft ist und einen Familiennamen erhalten will, der ihm die Einordnung im Inland erleichtert". In Wien kostet das 13,20 Euro. Vor allem Personen aus Ex-Jugoslawien und der Türkei nützen diese Dienstleistung. Ohne triftige Begründung kann der Name gegen Bezahlung von 515 Euro geändert werden. 79 solcher Fälle gab es im Jahr 2010. Nach der Bewilligung entstehen Folgekosten für die Änderung von Reisepass und Führerschein, und weiterer Zeitaufwand folgt wegen Umschreibung der Zeugnisse und Diplome.

"Beweggründe sind bei der Antragstellung nicht zu nennen. Man muss sich aber die Änderung gut überlegen", so Hornschall. Die MA 35 achtet etwa darauf, Verwechslungsgefahr bei Namensgleichheit zu vermeiden. So kann man sich nicht nach Belieben Habsburg taufen. Im Zweifelsfall wird das Telefonbuch zu Rate gezogen.

Für eine Namensänderung hat sich der Integrationsberater Alexis Neuberg entschieden. Darüber spricht er nicht gerne. Er hat eine Ausbildung abgeschlossen, zahlreiche Bewerbungen geschickt und keine Antwort bekommen. Der ursprünglich afrikanische Familienname erwies sich als kein besonders guter Türöffner für die Berufswelt. Er entschloss sich "der Integration wegen" die Änderung durchzuführen.

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Schlagwörter

Integration, Diskriminierung, Name


Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2010-12-15 15:57:52
Letzte Änderung am 2011-06-16 21:12:59


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