• vom 09.12.2010, 16:19 Uhr

Chronik

Update: 16.06.2011, 21:06 Uhr

Sprache

Wie sage ich es richtig?




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Von Alexia Weiss

  • Politisch korrekte Aussagen halten nicht ewig: Ausländer, Migranten, Personen mit Migrationshintergrund
  • Viele Begriffe, die noch gängig sind, sind bereits negativ besetzt.
  • "Türkischstämmig" ist völlig veraltet.
  • Wien. Darf ich den Nachbarn, der ursprünglich aus Bosnien kommt, als Ausländer bezeichnen? Ist die Verkäuferin, die nicht akzentfrei Deutsch spricht, eine Migrantin? Die "Wiener Zeitung" bat den Sprachwissenschafter Martin Reisigl von der Universität Wien um Antworten. Ernüchterndes Fazit: So sehr man sich auch bemüht, politisch korrekte Sprachregeln zu finden, sie sind immer nur kurzfristig erfolgreich.

VP-Fraktionsleiter im EU-Parlament, Ernst Strasser, im Gespräch mit Migranten aus Somalia. Foto: apa

VP-Fraktionsleiter im EU-Parlament, Ernst Strasser, im Gespräch mit Migranten aus Somalia. Foto: apa VP-Fraktionsleiter im EU-Parlament, Ernst Strasser, im Gespräch mit Migranten aus Somalia. Foto: apa

Die Bezeichnung "Personen mit Migrationshintergrund" etwa ist eine, wie Reisigl meint, "schwerfällige Bezeichnung", die eingeführt wurde, "um eine vom Kriterium der Staatsbürgerschaft abgekoppelte Bezeichnung zur Verfügung zu haben, die Menschengruppen mitbezeichnet, die bereits die Staatsbürgerschaft eines Landes erworben haben und deren Eltern oder Großeltern zugewandert sind". Die Bezeichnung sei derzeit "wohl noch die akzeptabelste, um Menschen der sogenannten ersten, zweiten und zum Teil auch dritten Generation in einer Benennung zusammenzufassen".


Die Frage ist nur, wie lange das noch so bleibt. Denn, so Reisigl, der Begriff erfahre gerade eine Bedeutungsverschlechterung. Konkret heißt das, dass jene Faktoren, die mit dem inzwischen so negativ besetzten Wort Ausländer verbunden werden, meist die sozialen Ursachen der Diskriminierung, ebenfalls für jene wirksam werden, die als Personen mit Migrationshintergrund bezeichnet werden. Dass neu geschaffene Begriffe abgewertet werden können, ist ein bekanntes Phänomen. Der Sprachwissenschaft sind solche Zyklen der Bedeutungsveränderung von Wörtern seit jeher bekannt. Ein neu eingeführter Sprachgebrauch ist stets in einen gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang eingebettet. "Ist dieser durch Diskriminierung gekennzeichnet, färbt der negative soziale Kontext allmählich auch auf die Bedeutung des alternativ eingeführten Wortes ab."

Den Begriff Ausländer zu verwenden ist aus rechtlicher Sicht korrekt, und zwar dann, wenn eine Person nicht die Staatsbürgerschaft des Landes besitzt, in dem sie sich gerade aufhält.

Aus Sicht der Sprachwissenschaft steckt im Wort Ausländer, das der Gegenbegriff zum Inländer ist, die Metapher des "draußen" im Gegensatz zum "drinnen". "Insofern dient das Begriffspaar Ausländer versus Inländer einer politischen Grenzziehung", so Reisigl. Während im rechtlichen Begriff häufig zunächst keine negative Bedeutung mitschwingt, "zeigt sich im alltäglichen Sprachgebrauch vieler Menschen und Massenmedien und vor allem in der Sprache des Rechtspopulismus, dass das Wort Ausländer emotional sehr negativ besetzt ist und höchst selektiv verwendet wird".

Reiche Menschen selten als Ausländer bezeichnet

Denn: Der Begriff wird vorwiegend für jene verwendet, die keinen österreichischen Pass besitzen und sozial schlechter gestellt sind. "Reiche Menschen mit einer anderen Staatsbürgerschaft, die zum Beispiel aus den USA, aus Japan oder aus Deutschland nach Österreich zugewandert sind, werden in den Medien und in der Politik nur selten als Ausländer bezeichnet."

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Dokument erstellt am 2010-12-09 16:19:58
Letzte Änderung am 2011-06-16 21:06:07

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