• vom 04.11.2010, 12:45 Uhr

Chronik

Update: 04.11.2010, 13:11 Uhr

Tod am Zebrastreifen: Lenker verurteilt




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online

  • "Normalerweise sehe ich alles".
  • Wien. Jener Autofahrer, der am 18. Mai 2010 in Wien-Döbling einen achtjährigen Buben auf einem Zebrastreifen ungebremst überfahren und zu Tode gebracht hatte, muss für drei Monate ins Gefängnis.

Der 51-jährige Gemüsehändler ist am Donnerstag im Straflandesgericht wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, wovon ihm Richterin Minou Aigner neun Monate unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachsah.


Darüber hinaus hat der Unglückslenker den Eltern des kleinen Fabian die Begräbniskosten zu ersetzen und für alle zukünftigen Kosten der Hinterbliebenen aus therapeutischen Behandlungen aufzukommen. (APA)

Täglich zwei Amlodipin-Tabletten

"Ich fahre schon seit 36 Jahren und habe noch nie einen Unfall gehabt. Ich habe viele gefährliche Unfälle vermieden. Normalerweise sehe ich alles. Dieser Unfall war wirklich eine Falle", stellte der Autofahrer fest, der den kleinen Fabian W. zu Tode gebracht hatte. Entgegen seiner Darstellung am Unglücksort, wo er unmittelbar nach der Kollision aus dem Auto gesprungen war und geschrien hatte, er wäre eingeschlafen, versicherte er vor Gericht, dies wäre nicht der Fall gewesen: "Ich war ganz einfach unachtsam".

Für die Richterin stand fest, dass die übermäßige Einnahme eines blutdrucksenkenden Medikaments kausal für den Unfall war. Der 51-Jährige pflegt seit mehreren Jahren regelmäßig zwei Amlodipin-Tabletten pro Tag zu sich zu nehmen, obwohl der Hersteller ausdrücklich nur die Gabe von einer Tablette täglich empfiehlt und vor Schläfrigkeit, Schwäche und kurzfristigem Bewusstseinsverlust an möglichen Nebenwirkungen gewarnt wird.

Am Tag vor dem Unfall hatte der Gemüsehändler wie üblich morgens und abends zwei Kapseln eingenommen. Wie der Gerichtsmediziner Christian Reiter ausführte, lag damit zum Unfallzeitpunkt eine "Überdosierung" vor. "Dieses Dosierungskonzept ist mit einem sehr hohen Risiko behaftet, dass Nebenwirkungen auftreten", sagte der medizinische Sachverständige. Als mögliche Unfallursachen kamen für Reiter daher Unachtsamkeit, Einschlafen oder eine "arzneimittelbedingte Beeinträchtigung des Bewusstseinszustandes" infrage.

Fahrlässige Tötung

Obwohl der Angeklagte versicherte, das ihm von seinem Hausarzt verschriebene Medikament mache ihn nicht müde, bemerkte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung: "Sie haben sich damit in einen Zustand gebracht, der ihre Reaktionsfähigkeit und Ihre Fähigkeit, am Verkehr teilzunehmen, massiv reduziert hat". Folglich wurde 51-Jährige wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen schuldig erkannt hat, was im Unterschied zur "gewöhnlichen" fahrlässigen Tötung den Strafrahmen von einem auf drei Jahre erhöhte.

Trotz des tödlichen Unfalls hat sich der Arzneimittel-Konsum des 51-Jährigen nicht geändert. Er fährt auch nach wie vor Auto, nachdem er Amlodipin zu sich genommen hat.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der 51-Jährige erbat Bedenkzeit, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.(APA)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-11-04 12:45:00
Letzte Änderung am 2010-11-04 13:11:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Drei Wochen Horror"
  2. IKG befürchtet Verbot koscheren Fleischs
  3. Aufmüpfige Länderkassen
  4. Wallner kritisiert die Regierung
  5. Von Bundes- und Landessachen
Meistkommentiert
  1. Van der Bellen für Antragsmöglichkeit in Österreich
  2. Van der Bellen warnt vor Rückfall in Nationalismen
  3. Schwarz gegen Türkis in Tirol
  4. Arbeitszeitregeln kommen im Herbst
  5. Kern macht Rücknahme zur Koalitionsbedingung

Werbung




Werbung