• vom 23.02.1999, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 06.04.2005, 16:32 Uhr

Ott-Prozeß: Staatsanwalt sieht den Mord an Karin Müller als Teil einer Serie

Zweiter Ott-Prozeß hängt an Haar




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  • Der erste Tag des zweiten Prozesses gegen den Wiener Filmemacher Wolfgang Ott vor einem Leobener Geschworenensenat (Vorsitz: Hans Hladny) hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Anklage sieht
  • den Mord an der 19jährigen Karin Müller als erwiesen an, Ott bestreitet alles. Damit kommt den in Otts Campingbus entdeckten blonden Haaren, die laut Gerichtsgutachter mit mehr als 99 Prozent
  • Sicherheit von Karin Müller stammen, größte Wichtigkeit zu.

Sehr emotional wandte sich Staatsanwalt Thomas Mühlbacher zu Beginn der Verhandlung an die Geschworenen: "Stellen Sie sich vor, Sie haben eine 19jährige Tochter, frisch verliebt und vor der


Matura. Sie verabschiedet sich für einen Ausflug und kommt nie wieder heim". Er betonte ausdrücklich, es handle sich bei dem Mord an der 19jährigen um den "Teil einer Serie", die Wolfgang Ott

verschuldet habe.

Der Staatanwalt ging auf den Mord an Sonja Svec ein, für den der Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist. "Das bedeutet, daß in elfeinhalb Jahren über seine Entlassung entschieden

wird", hielt der Ankläger den Geschworenen vor Augen. Genau aus diesem Grund sei eine weitere Verurteilung · auch ohne Straferhöhung · wichtig: "Ott ist ein sexueller Sadist", so Staatsanwalt

Mühlbacher.

"Ich habe Karin Müller nie getroffen", meinte der Angeklagte. Wie ihr Haar in seinen Bus gekommen ist, kann er sich nicht erklären. Auch jenen Gurt, der angeblich aus dem Auto der 19jährigen stammte,

will er vor Jahren selbst gekauft haben.

Und Ott weiter: Zur mutmaßlichen Tatzeit im Juni 1995 sei er in Palfau/Großreifling paddeln gewesen. Kontakt zu einer jungen, blonden Frau habe er aber nicht gehabt, sagte der Angeklagte, der sich

"keineswegs schuldig" fühlt. Emotionen zeigte der 42jährige, als die Rede auf seine Kindheit kam · er habe sich quasi selbst erziehen müssen, so sein Verteidiger.

Der Richter hielt Ott vor, daß er bereits als Jugendlicher in zehn Fällen wegen Nötigung zu sexuellen Taten verurteilt worden war. Dabei soll er auch Frauen gewürgt haben. "Daran kann ich mich nicht

erinnern", so der Angeklagte. "Verdrängen Sie alles, was unangenehm für Sie ist?", wollte Richter Hladny wissen. "Nein, im Gegenteil, ich habe mich sehr bemüht, für mich eine Antwort zu finden",

meinte der Angeklagte.

Nach dem Verschwinden Karin Müllers war lediglich das Auto gefunden worden, mit dem die Schülerin gefahren war. Schon nach kurzer Zeit erhärtete sich der Verdacht, Wolfgang Ott könnte am

Verschwinden des Mädchens beteiligt gewesen sein. Er hatte im Juni 1995 innerhalb von zwei Wochen zwei Frauen vergewaltigt und eine getötet, wobei der Mord ebenfalls in der obersteirischen Region

stattgefunden hatte. Genau zwei Jahre später wurde durch Zufall die Leiche von Karin Müller entdeckt. Da sie allerdings vollständig skelettiert war, konnte die genaue Todesursache nicht mehr

festgestellt werden.

Anwalt Karl Muzik warnte davor, einen Menschen vorzuverurteilen. Auffällig sei seiner Meinung nach, daß das Skelett der Frau so spät gefunden worden sei: "Ist es nicht denkbar, daß die Situation vom

wahren Täter ausgenutzt wurde und Leichenteile dorthin geschleppt wurden?". Dorthin nämlich, wo bekanntermaßen Ott seine Verbrechen begangen haben soll.

Der Prozeß wird heute, Dienstag, mit Einvernahmen von Zeugen, darunter auch den Eltern des Opfers, fortgesetzt.



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Dokument erstellt am 1999-02-23 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 16:32:00


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