• vom 05.02.1999, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 06.04.2005, 16:32 Uhr

Dritter Fuchs-Prozeßtag: Stinatz im Mittelpunkt

Experte: Bombe auf 300 m tödlich




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  • Die Bombe von Stinatz, die am 6. Februar 1995 einem Mitarbeiter des burgenländischen Umweltdienstes die Hand zerfetzt hatte, stand Donnerstag im Vordergrund des dritten Verhandlungstages am Grazer
  • Straflandesgericht gegen den mutmaßlichen Bombenbauer Franz Fuchs. Auch diesmal hatte der 49jährige Angeklagte nur einige "Kurzauftritte", ehe ihn der Vorsitzende Heinz Fuhrmann des Saals verwies.

Der 33jährige Erich Preiszler, Mitarbeiter des Umweltdienstes Burgenland, wurde beim Anschlag von Stinatz an der rechten Hand schwer verletzt und war schließlich das erste Opfer, das im Fuchs-


Prozeß zu Wort kam. "Ich war zu fleißig", sinnierte Preiszler im Zeugenstand über den fatalen Griff. Mit der linken Hand nahm er eine alte Katzenfutterdose an sich, mit der rechten machte er sich an

einer Spraydose zu schaffen. "Wie ich d'raufgreif, ist es losgegangen. Ich habe es nur berührt."

Doch der Mann hatte Glück im Unglück. Um beide Gefäße gleichzeitig an sich zu nehmen, war er in die Knie gegangen. Das Geschoß aus dem Sprengapparat traf ihn somit nicht am Oberkörper oder am Kopf,

sondern zerfetzte seinen Handteller. Neben den physischen Dauerfolgen leidet Preiszler immer noch unter dem Schock.

"Wir haben hier einen Nachbau, können Sie es demonstrieren?", bat Richter Fuhrmann den Zeugen. Nur unter größter psychischer Anstrengung konnte dieser der Bitte nachkommen, bei der Beantwortung

weiterer Fragen geriet der 33jährige regelmäßig ins Stocken, Tränen rollten ihm über das Gesicht.

In Abwesenheit des Angeklagten wurden · wieder einmal · dessen Aussagen zu Stinatz verlesen. Die Kernaussagen, etwa über das Opfer: "Er soll halt nicht in das kroatische Kaff gehen und dort Dreck

putzen." Die "günstigste Variante" wäre es laut Fuchs gewesen, "wenn es die Stoisits getroffen hätte". Und: "In Stinatz war außer Kontrolle, daß es einen Deutsch-Österreicher getroffen hat."

"Kind nicht mehr wert

als ein Erwachsener"

Es hätte aber auch Kinder treffen können, wurde ihm vorgehalten, da sich in der Nähe ein Spielplatz befunden hatte. Fuchs laut Protokoll: "Ich bin nicht der Meinung, daß ein Kind mehr wert ist als

ein Erwachsener." Außerdem sei "das Ding" ohnehin nicht geeignet gewesen, "jemanden zu ermorden", seine Funktionsweise beschrieb Fuchs mit "schießt schwach und kracht laut".

Der Sprengstoff-Sachverständigen Ingo Wieser demonstrierte die Funktionsweise des Sprengkörpers anhand eines originalgetreuen Modells und widerlegte diese Angaben: Man habe den Schußapparat

nachgebaut und festgestellt, daß das Projektil bis zu einer Entfernung von 300 m eine tödliche Wirkung hätte haben können.

In diesem Sprengsatz verbarg sich ein 80 g schweres Metallprojektil mit einem Durchmesser von 28 mm. Auch Nitroglycerin war enthalten, "das war die Visitenkarte der BBA", so Wieser. Der Sprengstoff

entsprach nämlich genau jener Probe, die einem der Bekennerschreiben beigefügt war.

Fuchs hatte in der Voruntersuchung dezidiert gesagt, es handle sich um einen Schußapparat, nicht um eine Sprengfalle. Es gab mehrere Parallelen zu jenem Apparat, der ihm bei seiner Verhaftung beide

Hände weggerissen hatte. Auch dieser wurde nachgebaut und erwies sich als ebenso "durchschlagskräftig" wie die Stinatzer Bombe.

In beiden Fällen durchdrang das Gerät einen Gelatineblock, der einen menschlichen Körper simulierte, sowie eine dahinter liegende, zwei Zentimeter dicke Fichtenholzwand. Fazit: Selbst die Splitter

hätten bis zu zehn Meter tödlich sein können. Dementsprechend furchtbar die Verletzungen an Preiszlers Hand, wie Gerichtsmediziner Georg Bauer danach ausführte.

Der Prozeß wird fortgesetzt.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1999-02-05 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 16:32:00

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