• vom 18.01.1999, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 06.04.2005, 16:33 Uhr

Vor 200 Jahren wurde der Wasser-, Straßenbau- und Eisenbahningenieur geboren

Alois Negrelli, der Suezkanalplaner




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Von Harald Krachler/APA

  • In wenigen Tagen ist es genau 200 Jahre her, daß Alois Negrelli das Licht der Welt erblickte. Mit Negrellis Namen ist in erster Linie die Planung des Suezkanals verbunden, der 1869 · elf Jahre
  • nach dem Tod des geistigen Vaters des Projekts · eröffnet wurde. Alois Negrelli war aber auch Eisenbahnpionier und ein begabter Straßenbauingenieur.

Nicolaus Alois Maria Vincenz von Negrelli wurde am 23. Jänner 1799 in Fiera di Primiero (im heutigen Trentino) als Sohn eines lokalen Grundbesitzers und einer aus Deutschland stammenden Mutter


geboren. Als Negrelli zehn Jahre alt war, mußte die Familie ihren Besitz verkaufen, weil der Vater wegen Teilnahme am Tiroler Freiheitskampf gegen die Franzosen verhaftet worden war.

Ein Stipendium der Regierung in Wien ermöglichte den Schulbesuch, dabei zeigte der junge Alois besondere Begabung für Mathematik und Physik.

Als Praktikant der kaiserlichen Baudirektion für Tirol und Vorarlberg (seit 1818) erwarb er Erfahrungen bei der Regulierung von Flüssen und im Straßenbau.

Bahnprojekte studiert

Seine Faszination für das neue Verkehrsmittel Eisenbahn veranlaßte Negrelli zum Studium von Bahnprojekten in England und Frankreich, seine Erfahrungen konnte er ab 1832 in der Schweiz auswerten.

Es war in der Schweiz, daß Negrelli die Bekanntschaft mit dem Projekt eines Kanals durch die Landenge von Suez machte, das er nicht mehr aus den Augen verlieren sollte. Seit 1840 baute er in

Österreich u. a. Teile der Nordbahn (die Strecke Brünn·Olmütz).

Nachdem 1842 die Generaldirektion der Staatseisenbahnen in Österreich geschaffen worden war, übernahm Negrelli die technische Leitung für das nördliche Bahnnetz. 1849 wurde er Direktor der

Oberbaubehörde in dem damals zu Österreich gehörenden Königreich Lombardei-Venetien.

Brücke nach Venedig

Dort hatte er schon 1846 ein spektakuläres Bahnprojekt verwirklicht: die rund 3,6 km lange Eisenbahnbrücke über die Lagune nach Venedig hinein. 1856 wurde Negrelli Generalinspektor aller

österreichischen Eisenbahnen. In all den Jahren hatte er sich intensiv mit dem Suezkanalprojekt beschäftigt.

Schon vor etwa zweieinhalb Jahrtausenden war ein Kanal gebaut worden: Der altägyptische Pharao Necho II. hatte einen Kanal von einem Mündungsarm des Nil zum Roten Meer begonnen, der vom Perserkönig

Darius vollendet wurde, aber im achten Jahrhundert verfiel.

Es begann 1846...

Im Sommer 1846 entsandte Negrelli drei Ingenieure in die Region Suez. Nach deren Rückkehr im August 1847 benützte er deren Unterlagen als Basis für seinen Projektentwurf. Dabei räumte er mit einem

Irrtum auf: die Wasserspiegel von Mittelmeer und Rotem Meer sind gleich hoch, keine Schleusen würden für die Wasserstraße nötig sein.

In Paris bildete sich eine internationale Gesellschaft zur Klärung der technischen Probleme des Kanaldurchstichs mit Negrelli als Mitglied.

Zu dieser Zeit fing der ehemalige Diplomat Ferdinand de Lesseps · ein Verwandter der französischen Kaiserin Eugenie · an, sich mit dem Kanalprojekt zu befassen.

Der inzwischen geadelte Negrelli war 1857 vom ägyptischen Khediven (Vizekönig) Said Pascha (1854-63) zum Generalinspektor aller ägyptischen Kanalbauten ernannt worden, nachdem sein

Suezkanalprojekt die Billigung der Gesellschaft in Paris gefunden hatte.

Nach Negrellis überraschendem Tod am 1. Oktober 1858 erhielt de Lesseps die Konzession für den Bau des Suezkanals, mit dem am 25. April 1859 begonnen wurde. Die Unterlagen dafür hatte er sich auf

krummen Wegen von der Witwe Negrellis aus dessen Nachlaß gegen den eher geringen Betrag von 20.000 Gulden verschafft. Er vermied künftig Diskussionen über die Baupläne, sodaß der Name Negrellis in

Vergessenheit geriet.

Kanaleröffnung 1869

Unter Einsatz zehntausender Arbeiter wurde unter Leitung von de Lesseps der Suezkanal 1869 fertiggestellt. Zwischen 16. und 20.November 1869 wurde der Kanal in Anwesenheit höchster Ehrengäste ·

darunter für Österreich-Ungarn Kaiser Franz Josef · seiner Bestimmung übergeben. Nicht eingeladen worden war der eigentliche Souverän Ägyptens, der Sultan des Osmanischen Reiches. Giuseppe Verdi

hatte für die Eröffnung die Oper "Aida" komponiert, sie wurde aber erst 1871 in Kairo uraufgeführt.

Später versuchte Negrellis Tochter Marie durch Prozesse gegen die von Lesseps ins Leben gerufene Compagnie Universelle du Canal Maritime de Suez eine finanzielle Entschädigung für die Arbeit ihres

Vaters zu erstreiten. Im Endeffekt unterblieb eine Schadenersatzleistung an die Familie, doch wurden Negrellis Verdienste für den Bau des Suezkanals wieder der Öffentlichkeit bekannt.



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Dokument erstellt am 1999-01-18 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 16:33:00


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