• vom 01.09.2010, 18:08 Uhr

Chronik


Tierschützer ließen amerikanische Nerze frei - seither vermehren sich die marderartigen Pelztiere sprunghaft

Waldviertel erlebt eine Mink-Plage




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Von Werner Grotte

  • Zunehmende Schäden in der Fischzucht.
  • Mink tötet wie Marder auch ohne Hunger.
  • Flinke Räuber sind nur schwer zu jagen.
  • Zwettl/Ottenstein. "Schau, Mama, ist der herzig": Nicht nur Kinder brechen im Gebiet rund um den Ottensteiner Stausee im Waldviertel, NÖ/Bez. Zwettl, angesichts der pelzigen und gar nicht (mehr) scheuen Tierchen immer öfter in Verzückung aus. Was sie nicht wissen: Es handelt sich dabei nicht um heimische, ins Öko-System eingebundene Tiere, sondern um aus den USA eingeschleppte Minks, eine Art großer Nerz, die sich seit Jahren ungehindert vermehren und mittlerweile massive Schäden vor allem in der Teichwirtschaft anrichten.

Äußerlich putzig, für das Öko-System aber gefährlich: der amerikanische Nerz, auch Mink genannt. Foto: dpa

Äußerlich putzig, für das Öko-System aber gefährlich: der amerikanische Nerz, auch Mink genannt. Foto: dpa Äußerlich putzig, für das Öko-System aber gefährlich: der amerikanische Nerz, auch Mink genannt. Foto: dpa

Der Mink ist nämlich ein guter Jäger, Schwimmer und Taucher - und er tötet, wie der Marder, auch ohne Hunger und hinterlässt zahlreiche totgebissene Kadaver. Fischer und Förster sind ebenso verzweifelt wie ratlos.

Ihren Ausgang nahm die Plage in früheren Zuchtbetrieben der Region, aus denen Tierschutz-Aktivisten im Zuge der Anti-Pelz-Bewegung ab Ende der 1980er Jahre immer wieder Tiere "befreit" haben sollen. "Für den Mink mag das gut gewesen sein, für unser Öko-System hier war es eine Katastrophe, denn der Bursche hat im Waldviertel keinen natürlichen Feind und vermehrt sich wie die sprichwörtlichen Karnickel", erklärt Richard Hackl, Direktor des Forstamtes Ottenstein.


Klagen kommen vor allem aus der gerade hier hoch entwickelten Teichwirtschaft: Neben dem primär von Anglern geschätzten Stausee selbst gibt es im 3200 Hektar umfassenden Forstamt Ottenstein laut Hackl 75 Hektar kommerziell genutzter Fischteiche. Der Besatz besteht zum Großteil aus Karpfen, von denen allein pro Jahr rund 30 Tonnen auf den Markt kommen, daneben gibt es Zander, Hecht und Forellen. Besonders begehrt ist der Bio-Fisch aus der Gegend, den sogar die großen Supermarkt-Ketten bereits im Sortiment haben.

Fische zu Tode gestresst

"Der Mink ist ein mehrfaches Problem. Einerseits beißt er die Fische tot, lässt die Kadaver liegen, was wiederum andere Räuber bis hin zum Fuchs anlockt. Weil er ganzjährig aktiv ist, stört er dadurch aber auch die Karpfen in ihrer sensiblen Winterruhe, was ebenso tödlich enden kann, selbst wenn er sie nicht direkt erwischt", erklärt NÖ Landesfischermeister Anton Öckher. Der Karpfen nimmt nämlich in seiner dreimonatigen Ruhephase keine Nahrung zu sich. "Wird er nun gestört, muss er sich bewegen, was zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führt, der das Tier schwächt und zumindest verkümmern lässt", weiß Öckher. Bei zu viel Winterstress stirbt der Karpfen - an Erschöpfung.

Fachleute, wie Robert Nemeth vom Fischereirevier Buchenstein bei Raabs an der Thaya, kennen ein weiteres Phänomen: "Wir finden im Frühjahr immer wieder Karpfen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen, die sie sich holen, wenn sie vor dem Mink oder anderen Räubern flüchten und dabei an die Eisdecke oben am Wasser stoßen und dort am Eis kleben bleiben."

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Dokument erstellt am 2010-09-01 18:08:01
Letzte Änderung am 2010-09-01 18:08:00


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