• vom 31.08.2011, 17:54 Uhr

Chronik

Update: 31.08.2011, 18:08 Uhr

Flughafen

Leere Sitze beim Streit um dritte Piste




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Von Petra Tempfer

  • Rund 100 Bürger gegen 36 Gutachter.
  • Entscheidung frühestens Ende dieses Jahres.

Schwechat.

Johanna Aschenbrenner-Faltl und Adolf Obrist zogen als Einzige doch noch ein Schild aus dem Ärmel.

Johanna Aschenbrenner-Faltl und Adolf Obrist zogen als Einzige doch noch ein Schild aus dem Ärmel. Johanna Aschenbrenner-Faltl und Adolf Obrist zogen als Einzige doch noch ein Schild aus dem Ärmel.

Kein Gedränge und Geschubse. Keine aufgebrachten Bürger. Nicht einmal Flugzettel. Wer sich am Mittwoch, Tag drei der mündlichen Verhandlung gegen die dritte Piste auf dem Flughafen Wien, hitzige Debatten und demonstrierende Anrainer erwartet hat, wird enttäuscht. Vielmehr trifft man bereits am Eingang des Verhandlungssaales - das Multiversum in Schwechat - auf nur wenige Menschen, die bedächtig den Saal betreten.


Überdimensioniert wirkt er, dieser Saal, fast bedrohlich: Nur die ersten Reihen der rund 1200 Sitze sind besetzt. Auf einem erhabenen Podest reihen sich 36 Sachverständige aneinander, die in ihrem Umweltverträglichkeitsgutachten die dritte Piste als umweltverträglich eingestuft haben - und scheinen eine undurchdringbare Wand gegen die rund 100 anwesenden Anrainer und einzelnen Redner zu bilden. 42 Vorträge von Bürgerinitiativen, privaten Gutachtern und Anrainern stehen an diesem Tag auf dem Programm. Es geht um Lärmschutz, Meteorologie und Umwelthygiene.

144 Redner werden es bis Ende der Verhandlung am 7. September sein. Die Sachverständigen antworten auf ihre Fragen, Juristen der Abteilung Umweltrecht der niederösterreichischen Landesregierung leiten die Verhandlung.

Soeben nimmt der nächste Redner den Platz am Pult ein. Ein Anrainer aus Wien-Liesing. "In meinem Garten kann man schon jetzt das eigene Wort nicht mehr verstehen", sagt er, "wenn sich die Abflüge wegen der dritten Piste verdreifachen, wird es nicht mehr auszuhalten sein."

Niemand der Sachverständigen meldet sich. Der Anrainer geht. Mehr Aufsehen - und sogar einen kurzen Applaus - erregt ein Vortrag, bei dem es unter anderem um die erlaubten und in den Augen der Anrainer zu hoch angesetzten Lärm-Grenzwerte geht. Es kommt zum einzigen Zwischenruf - der unverständlich bleibt, weil ihn die mit schwarzen Tüchern verhängten Wände verschlucken. "Die Grenzwerte wurden ja nicht willkürlich festgelegt", so der knappe Kommentar eines Sachverständigen.

Ob die 15 Bürgerinitiativen, die sich in den vergangenen zehn Jahren im Kampf gegen den Fluglärm formiert haben, dennoch erfolgreich sein werden, wird sich frühestens Ende dieses Jahres zeigen. Dann soll laut Johannes Scheuringer von der Landesregierung die Entscheidung fallen, ob das Umweltverträglichkeitsgutachten abgewiesen, genehmigt oder mit Auflagen genehmigt wird. "Wenn jemand schlüssig aufzeigen kann, dass ein Fehler gemacht wurde, kann das Verfahren neu aufgerollt werden", sagen die Behörden.

"Das Problem ist, dass wir hier nicht auf gleicher Augenhöhe debattieren", resümiert Adolf Obrist von der Bürgerinitiative "Lärmschutz Großgemeinde Groß-Enzersdorf". Vor 45 Jahren habe er seine letzte Redeübung gehalten - heute muss er mit Sachverständigen diskutieren, die geschult und routiniert sind. Die Hoffnung gibt er dennoch nicht auf. Und holt gemeinsam mit Johanna Aschenbrenner-Faltl vom Verein "Antifluglärmgemeinschaft" doch noch ein Protestschild hervor.




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Dokument erstellt am 2011-08-31 17:59:06
Letzte Änderung am 2011-08-31 18:08:12


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