• vom 27.02.2012, 14:46 Uhr

Chronik

Update: 23.04.2015, 00:38 Uhr

Urban Mining

Schatzsuche in der Restmülltonne




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Von Petra Tempfer

  • Die neue Herausforderung der Abfallwirtschaft
  • Viele Rohstoffe werden immer rarer und stecken im Müll fest.
  • Abfallexperte Salhofer rät zu "präziserer Mülltrennung".

Das Handy, der größte Schatz: In einer Tonne befinden sich 300 Gramm Gold. Fotos:Mobilkom/Unger, Ögussa

Das Handy, der größte Schatz: In einer Tonne befinden sich 300 Gramm Gold. Fotos:Mobilkom/Unger, Ögussa Das Handy, der größte Schatz: In einer Tonne befinden sich 300 Gramm Gold. Fotos:Mobilkom/Unger, Ögussa

Wien. Altpapier, Plastik, Biomüll - dass diese Abfälle getrennt entsorgt werden sollen, ist mittlerweile in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Recycling hat sich durchgesetzt, zumindest was die Massen-Werkstoffe betrifft. Die neue Herausforderung ist eine ganz andere: Viele unserer Alltagsgegenstände wie Handys oder Computer enthalten unter anderem Kupfer, Seltene Erden (diese bewirken, dass magnetisiertes Eisen die magnetische Wirkung behält) oder Gold - Stoffe, die immer rarer werden. "Es wird daher Zeit, eine noch präzisere Mülltrennung voranzutreiben", sagt Stefan Salhofer vom Institut für Abfallwirtschaft an der Boku Wien. Die Abfallverbände arbeiten bereits an Verbesserungen - und auch die Industrie hat reagiert: Sie setzt auf Vermeidung statt Recycling und versucht, künftig ohne diese Rohstoffe auszukommen.

Noch sind sie aber aus unzähligen Geräten wie Elektromotoren, Handys, Netzteilen oder LCD-Fernsehern nicht wegzudenken. Die Einführung von Energiesparlampen, deren Leuchtstoffe Seltene Erden benötigen, hat die Nachfrage weiter verstärkt. "Mit diesen Produkten landen Wertstoffe im Müll", so Salhofer. Rund 13 Prozent des Restmülls seien Elektrogeräte. Wenn man im Müll nach alten Handys sucht, kann man bereits von Schatzsuche sprechen: In einer Tonne befinden sich bis zu 300 Gramm Gold. In einer Tonne Golderz nur zwei bis vier Gramm.


Der Verbrauch dieser rar gewordenen Rohstoffe hängt laut Salhofer mit der industriellen Entwicklung zusammen - und steigt stetig an: "Je höher das Bruttoinlandsprodukt, desto höher der Bedarf." Ein Europäer etwa verbraucht jährlich rund zehn Kilogramm Kupfer, in China und Indien ist der Pro-Kopf-Verbrauch sehr viel geringer. Kupfer wird zu rund 35 Prozent wiederverwertet. Bei Seltenen Erden und Antimon, das zur Härtung von Bleilegierungen verwendet wird, ist es weniger als ein Prozent.

Gerade an die Seltenen Erden kommt man aber schwer heran: Fast alle Minen liegen in China. Peking versorgt den Weltmarkt zu 95 Prozent und ließ die Preise im Vorjahr um das Zehnfache in die Höhe schnellen. Durchschnittlich sind die Preise für seltene Rohstoffe in den Vormonaten um mehr als 300 Prozent gestiegen. Kupfer ist seit 2004 um das Fünffache teurer geworden.

65 Prozent der Geräte müssen gesammelt werden
"Um diese Rohstoffe besser wiederzuverwerten, könnte man im Zuge der Müllsammlung auch alte Elektrogeräte direkt vom Verbraucher abholen", rät Salhofer. An den Technologien zu einer präziseren Aufbereitung müsse man ebenfalls arbeiten.

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Dokument erstellt am 2012-02-27 14:53:06
Letzte Änderung am 2015-04-23 00:38:30



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