• vom 20.03.2012, 17:42 Uhr

Chronik

Update: 20.03.2012, 19:20 Uhr

Niederösterreich

Baubeginn für Semmeringtunnel




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Von Christoph Rella

  • Bundesbahnen und Land Niederösterreich geben Garantieerklärung für Erhalt der alten Bergstrecke ab
  • In Gloggnitz fahren die ersten Bagger auf, die ÖBB verteidigen den Baustart.

Um Platz für das Nordportal des Basistunnels zu schaffen, müssen mehrere Wohnhäuser weichen.

Um Platz für das Nordportal des Basistunnels zu schaffen, müssen mehrere Wohnhäuser weichen.

Wien/Neunkirchen. Jahrzehntelang wurde um den Bau des Basistunnels unter den Semmering, der ab 2024 Niederösterreich mit der Steiermark verbinden soll, gerungen. Nun sind vor wenigen Tagen in Gloggnitz im Bezirk Neunkirchen die ersten Baumaschinen aufgefahren, um das Gelände für das neue Nordportal zu planieren. Dem Projekt weichen müssen ein Dutzend Wohnhäuser, die Reichenauer Bundesstraße sowie der angrenzende Schwarzafluss. Geht es nach den ÖBB, soll an dieser Stelle in zwei Jahren mit dem Stollenvortrieb begonnen werden.


Die Bundesbahnen lassen sich die 27,3 Kilometer lange Röhre einiges kosten. "Insgesamt sind 3,1 Milliarden Euro veranschlagt", betonte ÖBB-Infrastrukturmanager Günter Dinhobl kürzlich im Rahmen einer Tagung zu dem Thema. Allen Sparmaßnahmen zum Trotz sieht er den Betrag sinnvoll investiert. Etwa, was den Güterverkehr auf der Schiene betrifft. Demnach sei das Beförderungsvolumen entlang der Südbahn in den vergangenen 20 Jahren von rund 11 auf 26 Tonnen gestiegen - und damit an seine Grenzen gelangt. Um mit dem Lkw-Verkehr durch den Semmering-Straßentunnel konkurrieren zu können, sei die Errichtung des Tunnels wichtig, erklärte er.

Ähnlich beurteilt das auch der neuseeländische Bahninfrastrukturtechniker Ronald Willis, der in seinem Referat auf die wachsende Bedeutung des slowenischen Hafens Koper für den Frachtschiffsverkehr zwischen Mitteleuropa und Übersee hinwies. "Die Frachtvolumina nehmen zu", betonte er. "Dabei hat die Adria, was den Export österreichischer Produkte betrifft, die großen Häfen Hamburg und Rotterdam bereits abgelöst."

Von Danzig bis Venedig
Für die Frächter würde der neue Basistunnel laut den Experten eine Zeitersparnis von rund 30 Minuten bringen, mit der Folge, dass die Reisezeit zwischen Wien und Graz auf unter zwei Stunden gedrückt wird. Gemeinsam mit dem Koralmtunnel soll der Semmering Teil der baltisch-adriatischen Achse, der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Danzig an der Ostsee bis nach Koper und Venedig, werden.

Kritik an dem Mammutprojekt kommt nicht nur von Umweltaktivisten, die Staub, Lärm und Schäden im Wasserhaushalt als Gegenargumente anführen. Wegen der Pläne in Aufruhr befinden sich die lokale Bevölkerung und die Anrainergemeinden. Auf die Frage, ob die Bergstrecke und das "Weltkulturerbe Semmeringbahn" von den ÖBB auch nach der Eröffnung des Tunnels erhalten bleibt, antwortete Dinhobl: "Die alte Route wird sicher nicht aufgegeben, weil wir sie als Ausweichstrecke, etwa während Wartungsarbeiten im Basistunnel, benötigen." Um die Trasse fit zu halten, seien zuletzt 10 Millionen Euro jährlich in die Streckensanierung investiert worden, so der ÖBB-Manager.

Dass von einer Schließung der Semmeringbahn keine Rede sein kann, meinte auch der Landesverkehrsplaner von Niederösterreich, Friedrich Zibuschka. Wie er gegenüber der "Wiener Zeitung" betonte, seien diese Wartungen im Bescheid zur Umweltverträglichkeitsprüfung sogar wöchentlich vorgeschrieben. Die Befürchtung, dass wegen des Tunnels der Regionalverkehr über den Semmering eingestellt werden könnte, teilt er nicht. "Laut ÖBB-Verkehrsdienstvertrag werden bis 2019 Nahzüge über den Semmering fahren, was danach kommt, kann ich nicht sagen." Hintergrund ist eine EU-Bestimmung, wonach der Streckenbetrieb öffentlich ausgeschrieben werden muss. Ob sich ein Betreiber findet, ist ungewiss.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2012-03-20 17:47:07
Letzte Änderung am 2012-03-20 19:20:22


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