• vom 19.05.2012, 17:49 Uhr

Chronik

Update: 19.05.2012, 17:53 Uhr

Pfarrerinitiative

Rieseninteresse an Helmut Schüller




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  • Auf dem Katholikentag
  • "Und wann schließen sich die deutschen Priester der Pfarrerinitiative an?"

Mannheim. Nicht nur der Medienrummel stellte Helmut Schüllers Pfarrerinitiative in den Mittelpunkt des Mannheimer Katholikentages. Auch das "Fußvolk" der Kirche war dankbar für jedes Wort, das da mit österreichischem Akzent das nüchterne Kirchenschiff der Johanniskirche erfüllte. Ihre Reaktionen sind eindeutig: Er redet ihnen, die von ihren kirchlichen Würdenträgern frustriert sind, aus der Seele.

Mit Applaus wird Helmut Schüller üppig verwöhnt, als er in der Diskussion Samstag Nachmittag Fragen zur Pfarrerinitiative beantwortet. Schüllers Name ist bekannt, sein Aufruf zum Ungehorsam macht neugierig und die Kirche übervoll.

Applaus bei der Feststellung, dass die Reformen nicht nur nicht vorankommen, sondern seit Jahren bereits rückabgewickelt werden. Applaus sogar, als das Publikum fragt, warum sich die deutschen Pfarrer nicht einfach der österreichischen Initiative anschließen? Applaus, als er eine deutlichere Sprache fordert. Anfangs habe die Pfarrerinitiative noch im "Synodalsprech" zu viel Rücksicht genommen und "gewünscht" und "gewollt". Heute kündigten sie an, "was sie tun werden" und "was sie erwarten". "Wir haben das Recht, Dinge zu sagen, und müssen uns nicht ständig erklären."

Das gelte auch für die Pfarrgemeinderäte. "Diese Gruppe muss sich endlich in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen. Die meisten verharren in der Frage, was aus ihnen wird, statt selber zu sagen, was sie wollen." Den Bischöfen müsse man direkt und deutlich sagen, was man von ihnen erwarte, und solle es nicht beim Small Talk belassen. Außerdem rät er: "Ein Brief, der geschrieben ist, ist auch dann, wenn er nicht gelesen wird, in der Welt."

Schüller am Samstag Star des Alternativen Katholikentages
Und abermals Applaus, als Schüller aufruft, die Kirche nicht zu verlassen "und sie nicht in den Händen derer zu lassen, bei denen sie nicht gut aufgehoben ist!" Wie es mit der Pfarrerinitiative weiter gehe, wird Schüller gefragt. "Wenn wir das selber wüssten! Als Kapitalkritiker" - auch hier brandet Applaus auf - "weigere ich mich, sofort nach dem Erfolg zu fragen. Wir probieren, mit eingeschaltetem Nebelscheinwerfer weiter zu fahren und an der nächsten Kreuzung zu schauen, ob es eine interessante Abzweigung gibt."

Dann bestätigt er, dass von den wenigen jungen Geistlichen viele sehr konservativ seien und mit der Weltkirchenleitung "besser können". So erwartet Schüller angesichts des wachsenden Priestermangels "eine kuriose Situation": Einerseits werde es immer mehr Großpfarreien geben, an deren Spitze nur ein Pfarrer stehe, der glaube, er sei die Kirche. Andererseits werde das Gemeindeleben immer mehr von Laien - Schüller nennt sie "Getaufte" - gestaltet. "Wie soll denn das gehen?"

Ob er nicht Sanktionen erwarte, wird er - wie zuvor in einer Pressekonferenz - in der Diskussion gefragt. "Wir warten, ob welche kommen. Wenn welche kommen, werden wir uns beraten lassen. Und wenn sie nicht kommen, ist es uns auch recht." Ängstlich klingt das nicht.

So war Schüller am Samstag der Star des Alternativen Katholikentages in Mannheim, wie zuvor der Theologe Eugen Drewermann und der jesuitische Sozialethiker Friedhelm Hengsbach, die tags davor ebenfalls in überfüllten Sälen rebellische Worte gefunden hatten.




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Dokument erstellt am 2012-05-19 17:50:15
Letzte Änderung am 2012-05-19 17:53:21


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