• vom 28.06.2012, 16:15 Uhr

Chronik

Update: 29.06.2012, 11:46 Uhr

IKG

Die liberale Kultusgemeinde bleibt eine Entscheidung der IKG




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Von Alexia Weiss

  • Antrag von Or Chadasch vom Unterrichtsministerium abgelehnt.

Wien. Es wird in Österreich vorerst keine eigene liberale jüdische Kultusgemeinde geben. Ein entsprechender Antrag des Vereins Or Chadasch (hebräisch: neues Licht), der in Österreich das Reformjudentum repräsentiert, wurde - wie zu erwarten war - per Bescheid vom Unterrichtsministerium abgelehnt. Das Ministerium begründete die Entscheidung gegenüber der "Wiener Zeitung" damit, dass das Selbstbestimmungsrecht von gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaften das Recht der inneren Organisation umfasst. Darunter fällt auch die Aufnahme von Mitgliedern.


"Es kann keine Religionsgesellschaft gezwungen werden, Personen, die Richtungen, Strömungen, Traditionen oder ähnlichem anhängen, die sie mit ihrer Lehre als nicht vereinbar betrachtet, im Rahmen ihrer Religionsgesellschaft aufzunehmen", schreibt das Ministerium. Ein Teil der Mitglieder von Or Chadasch wird von der Israelitischen Religionsgesellschaft nicht anerkannt. Dies sind jene, die nach liberalem Ritus zum Judentum übergetreten sind und vom Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien nicht anerkannt werden. Deshalb, weil, wie Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg betont, das Wiener Rabbinat sonst seinerseits nicht vom Oberrabbinat Israel und der Europäischen Rabbinerkonferenz anerkannt würde.

Wie geht es nun für Or Chadasch weiter? In einem Schreiben an ihre Mitglieder betont die Führung der IKG Wien, noch habe man die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Verein den während der vergangenen 20 Jahre behutsam entwickelten Modus vivendi nicht zerstören wolle. Klar wird aber auch betont: Or-Chadasch-Mitglieder ungeachtet ihres halachischen Status IKG-Mitgliedern gleichzustellen, sei unzulässig. In der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, ist festgeschrieben, dass Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder nach orthodoxem Ritus zum Judentum übergetreten ist.

Theodor Much, Präsident von Or Chadasch, zeigt sich von der Entscheidung des Ministeriums zwar enttäuscht, sagt aber auch, dass man mit der IKG nach einer Lösung suchen wolle. "Eine Möglichkeit wäre eine Assoziierung. So könnten unsere Konvertiten dem Staat gegenüber als Juden ausgewiesen werden, wären aber nicht Mitglieder der IKG." Dies sei für die Betroffenen wichtig, wenn sie die jüdischen Feiertage einhalten möchten. Außerdem brauche der Verein mehr finanzielle Mittel. Als Zeithorizont für die nun laufenden Gespräche nannte Much Ende 2012.




Schlagwörter

IKG, Or Chadasch

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Dokument erstellt am 2012-06-28 16:20:12
Letzte Änderung am 2012-06-29 11:46:13


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