• vom 24.07.2012, 13:38 Uhr

Chronik

Update: 24.07.2012, 20:19 Uhr

Wilderer

30 Jahre nach Tiroler Wildererdrama: Todesschütze begraben




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  • Jäger soll Pius Walder erschossen haben
  • Zwischenfall bei Begräbnis mit Bruder von Opfer.

Innsbruck. Knapp 30 Jahre nach dem "Wildererdrama" in Innervillgraten in Osttirol, bei dem der Wilderer Pius Walder von einem Jäger erschossen worden war, ist der Todesschütze, Johann Schett am Montag in seinem Heimatort beerdigt worden. Walders Tod sowie der Rache-Schwur der Walder-Brüder am offenen Grab des Opfers hatten vor drei Jahrzehnten für große Aufregung gesorgt. Medienberichte von Dienstag zufolge soll es während der nunmehrigen Begräbnisfeierlichkeiten durch einen Bruder von Pius Walder zu einem Zwischenfall gekommen sein.

Hermann Walder hatte sich mit einer Tafel vor der Kirche postiert, auf der Vorwürfe gegen den Verstorbenen zu lesen waren. Der Osttiroler hatte stets von "kaltblütigem Meuchelmord" gesprochen. Nach dem Tod seines Bruders Pius am 8. September 1982 hatte Walder dem Schützen Johann Schett Rache geschworen. Bei der Totenfeier am Dienstag soll Pius' Bruder auch nicht mit Parolen gespart haben. Die Exekutive ermittle nun wegen "Störung einer Bestattungsfeier", hieß es in der "Tiroler Tageszeitung". Mehrere Polizisten waren bei der Zeremonie im Einsatz gestanden.

Anfang September 1982 war Pius Walder zum wiederholten Male zu einem "Jagdgang ohne Jagdschein" aufgebrochen. Zwei Jäger, darunter Schett, dürften die Schüsse des Wilderers gehört haben. Den Schilderungen des Wiener Soziologen Roland Girtler zufolge, der sich mit der Sozialgeschichte des Wilderns beschäftigt hat, sollen es die Weidmänner auf den "Wildschütz Pius Walder abgesehen" gehabt haben. Der Eine soll ihn mit Schüssen aus seiner Deckung getrieben und der Andere habe Pius mit acht Schüssen in den Hinterkopf "niedergestreckt", erklärte Girtler in der Vergangenheit den "furchtbaren Vorfall in Kalkstein auf der Hölleiten".

Beim darauffolgenden Prozess in Innsbruck wurde Schett - nicht wegen Mordes, sondern wegen schwerer Körperverletzung - zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Freunde und Anhänger des Wildschützen glaubten eher an die "Mordversion". Ihre Sicht der Dinge wurde auf dem Grabstein Walders dargelegt. Dort findet sich eine Inschrift, dass der Wilderer "heimtückisch und aus dem Hinterhalt ermordet" worden sei. Das Grab ist bis heute eine regionale Touristenattraktion, sorgt aber auch für Kritik.

Nachlese: Der unselige Schuss




Schlagwörter

Wilderer, Pius Walder

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Dokument erstellt am 2012-07-24 13:40:57
Letzte Änderung am 2012-07-24 20:19:50


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