• vom 03.09.2012, 16:59 Uhr

Chronik

Update: 04.09.2012, 14:50 Uhr

Starcraft

Per Mausklick zum Popstar




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Von WZ-Korrespondent Fabian Kretschmer

  • Südkoreas digitale Leistungssportler werden kultisch verehrt - viel Geld gibt es obendrauf
  • Um die Profi-Computerspieler ist in Südkorea eine ganze Industrie entstanden.

Zumindest 70 Stunden trainieren die E-Sportler pro Woche - die Arbeitszeiten sind vertraglich festgehalten. - © Derek Bauer/AP/dapd

Zumindest 70 Stunden trainieren die E-Sportler pro Woche - die Arbeitszeiten sind vertraglich festgehalten. © Derek Bauer/AP/dapd

Seoul. Außenstehende würden Kim Yu-hwan mit seinen androgynen Gesichtszügen wohl für einen Oberstufenschüler halten. Wenn der schmächtige 23-Jährige auf einem Stuhl sitzt, berühren seine Schuhe nur mit Müh und Not den Fußboden. Wie einem pubertierenden Burschen fällt es ihm sichtbar schwer, seinen Körper still zu halten. Doch wenn Kims Blick auf den Bildschirm vor ihm fällt, wirkt er wie ein alter Samurai: Sein knabenhaftes Gesicht versteinert sich zu einer eisernen Miene und der sonst so nervöse Blick wird todernst, fast, als ginge es um sein Leben. In diesem Moment verwandelt sich der Südkoreaner zu "Calm", seinem Pseudonym in der E-Sport-Szene.


Kim sitzt in einer schalldichten Kabine von der Größe eines mittleren Kleiderschranks - und mit ihm sein Computer, seine Tastatur und seine Maus. Sein Blick ist einzig fokussiert auf seinen Gegenspieler, den er mit bis zu 400 Mausklicks pro Minute in Grund und Boden spielen will, so hochkonzentriert, dass er nichts mitbekommt von den über 500 Fans, die ihm auf den überfüllten Rängen wie beim Fußballderby mit Schlachtrufen zujubeln. Ein halbes Dutzend Fotojournalisten und ebensoviele Fernsehkameras verfolgen das Geschehen gebannt, drei Kommentatoren analysieren jeden einzelnen Spielzug der Pro-Gamer. Schauplatz der Veranstaltung ist das erste E-Sport Stadion der Welt, auf dem Dach eines Einkaufszentrums inmitten der 20-Millionen-Metropole Seoul.

Südkorea ist das weltweite Mekka für E-Sport, der im Land eine genuine Industrie hervorgebracht hat. Neben den professionellen Spielern, die hier wie Popstars gefeiert werden und dementsprechend viel Geld verdienen, haben sich etliche neue Berufszweige entwickelt: von Spielertrainern über Kommentatoren bis hin zu E-Sport-Journalisten. Zwei landesweite Fernsehsender übertragen rund um die Uhr ausschließlich E-Sport.

Gespielt wird vor allem Starcraft, mit über zehn Millionen Exemplaren das meistverkaufte Echtzeit-Strategiespiel der Welt. Die Spieler steuern jeweils eine von drei Rassen, bauen unter Zeitdruck ihre eigene Basis und Truppeneinheiten auf und versuchen schließlich mit ausgeklügelten Angriffsstrategien die Basis des Gegners zu vernichten. Starcraft hat zwar bereits 14 Jahren auf dem Buckel und die Grafik ist veraltet, dennoch ist es wie kein anderes Computerspiel prädestiniert für den digitalen Leistungssport. Dank der perfekt ausgewogenen Spielbalance entscheiden ausschließlich die Fähigkeiten der Spieler über Sieg und Niederlage - und damit über Preisgelder im fünfstelligen Bereich.

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Dokument erstellt am 2012-09-03 17:06:06
Letzte Änderung am 2012-09-04 14:50:12


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