• vom 11.05.2010, 18:18 Uhr

Chronik


Der Sternenhimmel über Großmugl in Niederösterreich soll zum Weltkulturerbe werden

Unser Tor zur Milchstraße




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Petra Tempfer

  • Die Unesco wird im Juli entscheiden, ob der Sternenhimmel schützenswert ist.
  • Österreich: Derzeit acht Welterbestätten.
  • Korneuburg. Wer des Nachts noch nie von einsamen Berggipfeln aus den Himmel betrachtet hat, kennt sie vermutlich gar nicht: Die Faszination der Unendlichkeit des Sternenmeeres. Ob diese in Anbetracht der zunehmenden Lichtverschmutzung schützenswert ist, soll im Juli von der Unesco bei ihrer Vollversammlung in Brasilien entschieden werden. Danach steht fest, ob einige der weltweit besonders spektakulären Sternenhimmel in die Weltkulturerben-Liste aufgenommen werden - eine kleine Gemeinde aus dem Weinviertel ist in diesem Rennen mit dabei.

Insgesamt 5000 funkelnde Sterne sind in klaren Nächten über Großmugl im Weinviertel zu sehen. Foto: corbis

Insgesamt 5000 funkelnde Sterne sind in klaren Nächten über Großmugl im Weinviertel zu sehen. Foto: corbis

Diese heißt Großmugl, liegt im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich und war bisher nur wegen ihres weithin sichtbaren Grabhügels aus der Eisenzeit - dem Leeberg - bekannt. Dass darüber in klaren Nächten bis zu 5000 funkelnde Sterne und sogar die Milchstraße zu sehen sind, wurde den Astronomen erst im Vorjahr bewusst.

Damals entdeckte nämlich Günther Wuchterl, Leiter des Vereins Kuffner Sternwarte in Wien, auf Satellitenbildern einen kleinen schwarzen Fleck von wenigen Quadratmetern über Großmugl. "Dieser bedeutet, dass hier des Nachts keinerlei Lichtquellen der Umgebung hinstrahlen, was ein astronomisches Wunder ist", erklärt Wuchterl der "Wiener Zeitung". Im Gegensatz dazu werde etwa die rund 40 Kilometer weit entfernte Stadt Wien von einer Lichtglocke mit 100 Kilometern Durchmesser umhüllt. "Von Wien aus sieht man ja auch nur rund 100 Sterne", fährt Wuchterl fort, "alles ist schon mit Licht zugewachsen." Der Himmel über der Stadt leuchte daher nur schwach und "wie durch eine Milchglasscheibe betrachtet." Jener über Großmugl wirke dagegen plastisch - und unendlich.


Dass der Kegel aus Kunstlicht nicht Großmugl erfasst, hat die Gemeinde dem Bisamberg zu verdanken. Schirmt dieser doch die 1500-Seelen-Ortschaft gegen Südosten hin ab. "Nördlich kommt durch den Ernstbrunner Wald kein Licht durch", so Bürgermeister Karl Lehner (ÖVP).

Recht auf Sternenlicht

Freilich sind Milchstraße und Sterne auch von einigen Gipfeln Österreichs aus zu sehen. Der Unterschied zu Großmugl ist, dass die Gemeinde von Wien aus in 30 Minuten erreicht ist. "Daher setzen wir uns dafür ein, dass hier der Himmel für Bildung und Erholung erhalten bleibt", so Wuchterl, der so das "Recht auf Sternenlicht" in der Gesellschaft verankern möchte.

"Diese Idee, Astronomie und Welterbe zu verbinden, beschäftigt die Unesco schon seit längerem", meint Mona Mairitsch, stellvertretende Generalsekretärin der Österreichischen Unesco-Kommission, dazu. Um dieses Thema nun anzugehen, habe die Unesco eine Studie in Auftrag gegeben, an der Astronomen aus aller Welt beteiligt sind. Unter den Studienobjekten ist auch Großmugl zu finden.

"Die Studie umfasst drei Arten von Sternenhimmeln", ergänzt Wuchterl. Neben den bestehenden Welterben mit astronomischem Bezug (zum Beispiel Stonehenge in England) würden auch die "Fenster zum Universum" näher betrachtet. Von der Atacamawüste im Norden Chiles aus etwa seien rund 8000 Sterne zu sehen. Zur dritten Kategorie zählt Großmugl: Zu den "Oasen des Lichts", die gleichzeitig für den Menschen problemlos erreichbar sind. Bis zur Entscheidung, ob der Sternenhimmel über Großmugl in die Liste der Welterben aufgenommen wird, können laut Mairitsch allerdings noch zwei Jahre vergehen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-05-11 18:18:20
Letzte Änderung am 2010-05-11 18:18:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Tür und Tor wird nicht geöffnet"
  2. Strache bekräftigt Freiwilligkeit
  3. "Digitaler Terror ist keine Utopie mehr"
  4. Kommt jetzt was, Neos?
  5. "Ich hatte von 61 Tagen drei frei"
Meistkommentiert
  1. Der 12-Stunden-Tag kommt
  2. Kern sieht "Klassenkampf von oben"
  3. Lehrlinge verzweifelt gesucht
  4. Österreich verlangt "volle Aufklärung"
  5. Pilz angelobt - fast ohne Frauen


Werbung