• vom 16.02.2015, 17:41 Uhr

Chronik


Krankenkassen

Gratis-Zahnspange ab 1. Juli




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  • Kolportierte 80 Millionen Euro werden für die Zahnspange aufgewendet, die womöglich nur 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen bekommen.

Wien. Der zwischen Zahnärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger ausverhandelte Vertrag für Gratis-Zahnspangen für Kinder und Jugendliche mit schweren Fehlstellungen wurde am Montag unterzeichnet. Ab 1. Juli sollen davon pro Jahr rund 30.000 unter 18-Jährige profitieren. Was fehlt, ist noch eine Umsetzung in den Ländern.

Konkret werden im März in den Ländern die Ausschreibungen für die 180 Vertrags-Kieferorthopäden erfolgen. Damit soll sichergestellt werden, dass es eine bundesweite Versorgung in ganz Österreich gibt. In den Ländern werden dazu Versorgungssprengel definiert. Die Kieferorthopäden müssen Schulungen absolvieren und die Einhaltung von Qualitätskriterien nachweisen, um den Vertrag zu bekommen. Sowohl Hauptverbands-Chef Peter McDonald als auch Zahnärztekammer-Präsident Hannes Westermayer zeigten sich zuversichtlich, ausreichend Zahnärzte zu finden, um die Versorgung zu garantieren.


Die angenommenen Kosten von 80 Millionen Euro pro Jahr sind für McDonald Zahlen "auf seriöser Basis". Auf Spekulationen über mögliche Mehrkosten wollte er sich aber nicht einlassen. Er verwies aber auf eine "geteilte Finanzverantwortung" mit der Zahnärztekammer. Sein Chefverhandler Albert Maringer erklärte, dass es noch keine seriösen Zahlen über die Notwendigkeiten gebe, man habe aber Vergleichszahlen aus Deutschland herangezogen. Befürchtungen, wonach nur rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit schweren Fehlstellungen tatsächlich von den Gratis-Zahnspangen profitieren werden, war für Westermayer reine Spekulation.

Keine Krankenkassen-Bewilligung
Ab 1. Juli wird es bei medizinischer Notwendigkeit (wenn nach der internationalen IOTN-Klassifizierung eine Fehlstellung der Stufen 4 oder 5 vorliegt) zwei neue Kassenleistungen geben: einerseits die frühkindliche Zahnbehandlung bei schweren Fehlstellungen ab dem sechsten Lebensjahr, in der Regel mit abnehmbarer Zahnspange, andererseits festsitzende Spangen bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren.

Die Erstberatung erfolgt durch einen Zahnarzt mit Kassenvertrag. Dieser überweist, wenn nötig, an einen Kieferorthopäden, der die Fehlstellung einordnet. Eine Bewilligung durch die Krankenkassen ist nicht notwendig. Eingeführt wird ein Qualitätssicherungssystem durch Messung des Behandlungserfolgs. Gerechnet wird mit rund 8000 frühkindlichen Behandlungen ab sechs Jahren. Bei den ab 12-Jährigen sollen es etwa 22.500 sein. Für Kinder, die keine Gratis-Zahnspange bekommen, bleiben die bisherigen Zuzahlungen der Kassen aufrecht.

McDonald und Westermayer verwiesen auf die "Entbürokratisierung" durch den Wegfall der Chefarztpflicht, auf die bessere Versorgung der Kinder und auf Qualitätskontrolle der Ärzte.

Für den Hauptverbands-Chef ist die Gratis-Zahnspange ein Element im heurigen Jahr der Kinder- und Jugendgesundheit. Heuer soll auch eine flächendeckende Kinder-Rehabilitation ermöglicht werden, und für die Gesundheitsförderung schon im Kindesalter sollen die intensiven Gespräche beginnen. Die Zahnärztekammer wünscht sich dazu auch die Aufnahme der Kinderzahnheilkunde in den Mutter-Kind-Pass.




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Dokument erstellt am 2015-02-16 17:44:03



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