• vom 08.07.2015, 18:02 Uhr

Chronik

Update: 08.07.2015, 20:20 Uhr

Wetter

Nach Tropennacht kam Sturm




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  • Heftige Gewitter, Sturmböen und Hagel erreichten Österreich - davor erlebte Wien wärmste Nacht seit Messbeginn.

In Österreich wurden am Mittwoch mehr als 32.000 Blitze gemessen. - © apa/Neumayr

In Österreich wurden am Mittwoch mehr als 32.000 Blitze gemessen. © apa/Neumayr

Wien. (iw) Schwitzen statt Schlafen hieß es noch in der Nacht auf Mittwoch für viele Österreicher. In Wien wurde sogar die wärmste Nacht seit Messbeginn erreicht. An der Zamg-Wetterstation in der Innenstadt lag die Tiefsttemperatur bei 26,9 Grad, teilte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit. So warm war es in der City noch nie seit dem Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1985. Der bisherige Rekord für die höchste Nachttemperatur lag bei 25,5 Grad am 4. August 2013.

Doch nach der Tropennacht folgten sogleich Unwetter. Mit orkanartigen Stürmen hatten Orte im Burgenland bereits am Montag zu kämpfen. Die Wetter-Station in Innsbruck registrierte bereits am Dienstagabend Orkanböen von bis zu 140 Kilometer pro Stunde.


Am Mittwoch fielen in ganz Österreich Regenschauer. Vor allem in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark gab es heftige Gewitter. Die S6, Semmering Schnellstraße, sowie die S36, Brucker Schnellstraße, wurden aufgrund orkanartiger Windböen und Hagel gesperrt. Laut Asfinag waren im Großraum Bruck an der Mur sieben Tunnel betroffen, weil Autofahrer Schutz vor dem Hagel gesucht hatten. In Tirol waren vorübergehend bis zu 14.000 Haushalte ohne Strom. In Oberösterreich wurden laut Unwetterzentrale Ubimet mehr als 7200 Blitze registriert. Insgesamt wurden mehr als 32.000 Blitze in ganz Österreich vermeldet.

In vielen Teilen Kärntens wurden laut Polizei bei den Unwettern am Mittwochnachmittag und -abend Bäume vom Sturm entwurzelt und umgerissen oder umgeknickt. Im Straßenverkehr kam es zu zahlreichen Behinderungen. In Nötsch und Feistritz im Gailtal (Bezirk Villach-Land) gingen Hagelschauer mit bis zu fünf Zentimeter großen Hagelkörnern nieder. Zahlreiche Dächer wurden laut Polizei massiv beschädigt. In Feistritz musste sogar eine Gemeindestraße vorübergehend gesperrt werden, da laufend Dachziegel herabstürzten. In Hermagor ließ der Starkregen eine Mure mit etwa 20 Kubikmeter Erdreich die Eggeralm-Landesstraße L23 verlegen.

Am Donnerstag stellt sich unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wieder ein freundliches Wetter ein. "Am Samstag gibt es wieder überall Badewetter mit Höchstwerten zwischen 25 und 33 Grad", so Ubimet-Meteorologe Clemens Teutsch-Zumtobel. Auch das Gewitterrisiko würde gering bleiben. Die große Hitze brachte zwei Hitzeopfer. Am Montag verstarb ein 56-jähriger Zimmerer auf einer Baustelle in Seiersberg in der Steiermark und am Dienstag ein 46-jähriger Bauarbeiter in Gösting. Beide kollabierten aufgrund von Arbeiten im Freien. Bau-Holz-Gewerkschaftsvorsitzender Josef Muchitsch appellierte an alle Bauarbeiter, die extreme Hitze nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Viele Unternehmen folgten dem Aufruf, das Arbeiten bei 35 Grad einzustellen.

In Wien und Niederösterreich wurde an den Hitzetagen an zwei Orten die Ozonalarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Wetterlagen wie in dieser Woche können besonders an den Seen zu gefährlichen Situationen führen, wenn an einem Badetag Gewitter aufziehen und innerhalb von kurzer Zeit sehr viele Menschen am Ufer und am Wasser vor allem durch Blitzschlag und heftige Sturmböen gefährdet sind. Die Zamg und die jeweiligen Landeswarnzentralen der Bundesländer und die Wasserrettung arbeiten daher im Bereich Wetterwarnungen eng zusammen. Nahezu für alle großen Seen in Österreich gibt es spezielle Warnsysteme.

"In Salzburg und Oberösterreich etwa informiert die Zamg telefonisch die Landeswarnzentrale, wenn Windböen von mehr als 60 Kilometer/Stunde erwartet werden. Daraufhin werden sofort per Knopfdruck alle Sturmwarnlampen an den betroffenen Seen aktiviert. Das ist das Signal, dass alle Personen am See sofort das Ufer aufsuchen müssen", so Alexander Ohms von der Zamg Salzburg.

Auch der ÖAMTC musste vermehrt ausrücken. Die Pannenfahrer rückten aufgrund der Hitze um 20 Prozent häufiger aus als sonst.




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Wetter, Wien, Sturm

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Dokument erstellt am 2015-07-08 18:05:06
Letzte Änderung am 2015-07-08 20:20:04


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