• vom 27.08.2015, 18:20 Uhr

Chronik

Update: 08.10.2015, 16:28 Uhr

Asyl

Kühlwagen wurde für dutzende Flüchtlinge zum tödlichen Gefängnis




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Von Petra Tempfer

  • Tragödie auf der A4 im Burgenland: Genaue Opferzahl noch offen - Regierung will Kampf gegen Schlepper verschärfen.

Aus dem Lkw auf dem Pannenstreifen drang Verwesungsgeruch.

Aus dem Lkw auf dem Pannenstreifen drang Verwesungsgeruch.

Eisenstadt. Es sei die größte Flüchtlingstragödie seit dem Zweiten Weltkrieg in Österreich, sagte der burgenländische Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil: Die Polizei hatte am Donnerstag gegen Mittag in einem an der Ostautobahn (A4) im Burgenland abgestellten, 7,5 Tonnen schweren Kühl-Lkw 20 bis 50 tote Flüchtlinge entdeckt. Noch kennt man die genaue Zahl und Todesursache nicht. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn: Aus dem Lkw drang laut Polizei bereits starker Verwesungsgeruch. Und es soll "herausgetropft" haben, hieß es. Die Flüchtlinge waren vermutlich erstickt und schon länger tot - und daher vorerst unzählbar.

Die Polizei geht davon aus, dass sie bereits vor eineinhalb bis zwei Tagen ums Leben gekommen sein dürften. Es spreche auch vieles dafür, dass sie schon tot waren, als der Lkw die Grenze passierte, sagte Doskozil. Der Kühlwagen sei am Mittwoch um 9 Uhr Vormittag noch in Ungarn vor der ungarisch-österreichischen Grenze gewesen. Während der folgenden Nacht erfolgte der Grenzübertritt. Am Donnerstagmorgen - gegen 6 Uhr - wurde der Lkw von Zeugen in einer Pannenbucht auf der A4 zwischen Neusiedl und Parndorf gesehen, so Doskozil.


"Die Kontrollen müssen verstärkt werden"
Vom Fahrer fehlt jede Spur. Er wird von den österreichischen und ungarischen Behörden gesucht. Der Lkw mit ungarischem Kennzeichen und Aufschrift einer slowakischen Fleischfirma soll einem Rumänen gehören. Der Lkw wurde am frühen Nachmittag abgeschleppt und in eine nahe Halle in Nickelsdorf gebracht. Hier sollte er geöffnet werden. Ein Gerichtsmediziner wird sich in Wien, wohin die Leichen bis Freitag überstellt werden sollen, mit der Befundaufnahme beschäftigen. Um sie zu identifizieren, sollen Gewebe- und Gebissproben genommen werden. Auch die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hat Erhebungen begonnen.

"Es ist eine Tragödie, die uns alle betroffen macht", sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Das Geschehene mache noch einmal deutlich, dass Kriminelle nicht "sanftmütige Fluchthelfer" seien, so Mikl-Leitner, sondern ausschließlich am Profit interessiert. Der Kampf gegen die Schlepperei - die derzeit einzige Möglichkeit für Flüchtlinge, nach Österreich zu gelangen - müsse verschärft werden, zum Beispiel dadurch, indem man die Kontrollen in internationalen Zügen und im grenznahen Bereich verstärke.

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Dokument erstellt am 2015-08-27 18:23:05
Letzte Änderung am 2015-10-08 16:28:54


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