• vom 28.08.2015, 08:17 Uhr

Chronik

Update: 04.05.2017, 15:16 Uhr

Burgenland

Vier Kinder unter den 71 Toten von Parndorf




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Von WZ Online, APA

  • 59 Männer, acht Frauen, vier Kinder wurden im Lkw gefunden, der zum Massengrab wurde.
  • Mutmaßliche Schlepper gefasst.

Neusiedl am See/Eisenstadt. Das Flüchtlingsdrama auf der A4 hat noch mehr Opfer gefordert als ursprünglich befürchtet: In der Nacht auf Freitag wurden 71 Tote aus dem Lkw geborgen, der am Donnerstag auf der Ostautobahn im Burgenland entdeckt wurde.

Unter den Toten waren demnach 59 Männer, 8 Frauen und 4 Kinder, darunter ein Kleinkind. Ein syrisches Reisedokument wurde gefunden, deshalb vermutet die Polizei, dass die Opfer aus Syrien stammen. Das gab der burgenländische Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt.


Auch Kinder unter den Opfern

Eines der Opfer ist ein- bis zweijähriges Mädchen, bei den anderen drei minderjährigen Opfern handelt es sich um acht- bis zehnjährige Buben.

Doskozil gab weiters bekannt, dass sich in Ungarn drei Männer in Haft befinden, die vermutlich als Schlepper für das Drama verantwortlich sind. Dabei handle es sich "um einen bulgarischen Staatsangehörigen libanesischer Herkunft", der vermutlich der Fahrzeughalter ist. Außerdem wurden ein weiterer Bulgare und ein Mann mit ungarischer Identitätskarte festgenommen, dessen Staatsangehörigkeit aber noch unklar sei. Bei ihnen handelt es sich "mit ziemlicher Sicherheit" um jene Personen, die das Fahrzeug gelenkt haben, sagte Doskozil. Die Verhafteten gehören laut Polizei eher der unteren Strukturebene der organisierten Kriminalität an.

Laut dem Leiter der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Johann Fuchs, wurden insgesamt vier Europäische Haftbefehle erlassen. Vorübergehend hätten sich während der Nachtstunden "bis zu sieben Personen" in Ungarn in polizeilichem Gewahrsam befunden, um das Umfeld abzuklären. Es sei davon auszugehen, dass es sich "um einen "bulgarisch-ungarischen Schlepperring handelt", sagte Doskozil.

Wahrscheinlich sind die Flüchtlinge erstickt

Zur genauen Todesursache machten die Behörden unter Verweis auf die von der Justiz in Auftrag gegebene Obduktion keine endgültigen Angaben. "Eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass sie erstickt sind", stellte Doskozil fest. Die Obduktion werde sicher "einige Tage dauern", hielt Staatsanwalt Fuchs fest: "Das ist ein logistischer Aufwand, um diese Anzahl der Leichen zu obduzieren."

Der Lkw mit den toten Flüchtlingen war gestern nach Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) gebracht worden. "Die Kollegen waren die ganze Nacht im Einsatz und haben Leichen geborgen", so Polizeisprecher Helmut Marban. Die Toten sollen in die Gerichtsmedizin nach Wien überstellt werden.

Für Mikl-Leitner Betroffenheit "zu wenig"

"Wenn sich die Verdachtslage bestätigt, können wir von einem großen Erfolg sprechen", konstatierte Innenminister Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Pressekonferenz in Eisenstadt. Betroffenheit und Mitgefühl mit dem Toten und deren Angehörigen sei jetzt aber "zu wenig", betonte die Ministerin.

Es gehe darum, Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten einen "legalen Weg nach Europa" zu ermöglichen. Hier sei eine gemeinsame und vor allem rasche Vorgangsweise der EU gefragt. Sie halte nichts von verstärkten innerstaatlichen Grenzkontrollen, bekräftigte Mikl-Leitner: "Viel wichtiger ist es, die EU-Außengrenzen zu sichern und sichere Anlaufstellen zu schaffen."

Darüber hinaus gelte es, potenziellen Flüchtlingen "Perspektiven zu schaffen, damit sie in ihrer Heimat bleiben können", erklärte die Innenministerin. Gegen die Schlepper will Mikl-Leitner "mit aller Härte und null Toleranz ankämpfen".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-08-28 08:18:43
Letzte Änderung am 2017-05-04 15:16:42


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