• vom 22.12.2015, 18:16 Uhr

Chronik

Update: 28.12.2015, 08:50 Uhr

Weihnachten

Selfie mit dem Weihnachtsmann




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Von Muhamed Beganovic

  • Günter Aichinger ist seit zwölf Jahren der Weihnachtsmann vom Spittelberg.

Die Freude der Kinder ist Günter Aichingers Motivation.

Die Freude der Kinder ist Günter Aichingers Motivation.© Shukoor Die Freude der Kinder ist Günter Aichingers Motivation.© Shukoor

Wien. Sonntag. Der Spittelberg um 15 Uhr. Der Weihnachtsmarkt in den engen Seitengassen erlebt gerade Hochkonjunktur. Durchaus auch was die Stimmung angeht. Auch die frostige Temperatur ändert nichts daran. Die Menschen trinken ihren Punsch, essen ihre Bratkartoffel oder kaufen eine Kleinigkeit. Fast würde man meinen, es könnte hier nicht stimmungsfroher werden. Und dann betritt Günter Aichinger, 67, das Terrain. Rote Mütze, roter Mantel, langer, weißer Bart (er ist echt), schwarze Stiefel und ein dicker, brauner Gürtel. "Schau, der Weihnachtsmann!", ruft eine junge Touristin. Der Mann in Rot zuckt ein Schokobonbon aus seinem Beutel und überreicht es ihr. Das Gesicht der Dame erstrahlt. Sofort nimmt sie ihr Handy aus der Jacke und bittet um ein Foto mit ihm und ihrem Freund.

Seit 26 Jahren verkleidet sich Aichinger als bärtiger Geschenkbringer. Das erste Mal, als er das rote Kostüm anhatte, war 1989. Daran erinnert er sich gut. Coca Cola suchte damals einen Weihnachtsmann, also bewarb er sich. Der damals 41-Jährige reiste durch Wien und teilte Geschenke aus. Dafür nahm er sich zwei Wochen von seinem Job - er war im Außendienst tätig - frei. Die Arbeit als Freudenspender gefiel ihm, also beschloss er in Zukunft weiterhin als Weihnachtsmann zu arbeiten.


Und als Nikolo. Später auch als Väterchen Frost, das russische Pendant zum Weihnachtsmann. Sechs Wochen im Jahr beglückt er Kinder, danach lebt er von seiner Pension. "Es macht mir einfach ungeheuer Spaß, den Kindern Freude zu spenden", sagte Aichinger drei Tage zuvor in seinem Stammlokal in Favoriten. "Der Job ist eine Erfüllung für mich." Etwa zehn Mal pro Saison wird er von Privatkunden gebucht. Seine Lieblingsauftritte sind jedoch jene im öffentlichen Raum. Einkaufszentren und Weihnachtsmärkte engagieren ihn gerne. Seit zwölf Jahren ist er der Stammweihnachtsmann des Weihnachtsmarktes am Spittelberg. "Man braucht da eine dicke Haut, denn es wird durchaus kalt. Aber man braucht auch gute Nerven."

Der Weihnachtsmann biegt in die Burggasse ein, vorbei an kleinen Ständen, die unter anderem handgemachte Notizblöcke verkaufen. Bis 20 Uhr wird er heute unterwegs sein. Immer mehr Erwachsene drehen sich um, blicken den Weihnachtsmann an, wünschen ihm frohe Weihnachten. Alle paar Schritte trifft er auf Kinder, die er grüßt. Auch ihnen gibt er ein Schokobonbon. Zehn Packungen, je 60 Stück wird er am heutigen Tag verteilen. Wenn sie nicht zu schüchtern sind, beginnt er ein kurzes Gespräch mit ihnen. Man sieht den Kindern an, dass sie noch an den Weihnachtszauber glauben. Als er in der Gutenberggasse einbiegt, bezeichnet ihn eine Dame prompt als Nikolo. Es verärgert ihn, dass die Leute den Unterschied zwischen Weihnachtsmann und Nikolo nicht kennen. Aber er reagiert immer ruhig und klärt dann auf. Er sieht das als eine Art Bildungsauftrag.

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Dokument erstellt am 2015-12-22 18:20:08
Letzte Änderung am 2015-12-28 08:50:04



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