• vom 29.06.2016, 17:17 Uhr

Chronik


Gesellschaft

"Best Agers" verdrängen den letzten Lebensabschnitt




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  • Imas befragte berufstätige 50- bis 65-Jährige: Drei Fünftel haben noch keine Vorsorge für das Alter getroffen, nur ein Viertel hat sich Gedanken über die künftige Wohnsituation gemacht.

Wien. (ede) Körperlich fit, geistig rege, modern, aufgeschlossen: So stellt die Werbung ältere Menschen gerne dar. Die unangenehme Wahrheit ist, dass diesen Idealzustand nur die wenigsten erreichen. Im Alter gebrechlich und/oder dement zu sein, wird angesichts der Bevölkerungsentwicklung gesellschaftsfähig werden müssen, gibt der Psychiater Kurosch Yazdi zu bedenken.

Bisher wird das Thema noch von den meisten verdrängt. Das Imas-Institut hat berufstätige "Best Agers" zwischen 50 und 65 Jahren gefragt, wie intensiv sie bereits über die Zeit nach ihrer Pensionierung nachgedacht haben. Resultat: 67 Prozent haben sich noch kaum Gedanken über den letzten Lebensabschnitt gemacht. Das zeige, dass das Thema angstbesetzt oder zumindest äußerst unangenehm sei, sagte Yazdi, Leiter der Klinik für Psychiatrie am Kepler Universitätsklinikum in Linz, am Mittwoch bei der Präsentation der Umfrage.


"Es einfach auf sich
zukommen lassen"

Nur 40 Prozent der Befragten haben bereits "irgendeine" Form von Vorsorge für den Lebensabend getroffen, wobei dies in der Gruppe der "Älteren" zwischen 60 und 65 Jahren am häufigsten und bei den 50- bis 54-Jährigen am seltensten der Fall war, so Meinungsforscher Paul Eiselsberg vom Imas-Institut, der die Studie wissenschaftlich leitete.

Verdrängt wird von drei Vierteln der Befragten auch der Gedanke daran, wo sie im Ruhestand einmal wohnen werden. Die Hauptgründe dafür: Entweder man will an der jetzigen Wohnsituation nichts ändern, sprich: den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen, "es einfach auf sich zukommen lassen", oder man fühlt sich noch zu jung dafür, um darüber nachzudenken. Die Vorstellung, gebrechlich oder sogar ein Pflegefall zu sein, oder geistig nachzulassen, überfordere den Menschen, so Yazdi.

Selbst über den
Lebensabend entscheiden

Doch die Sicherheit, im Familienverband alt werden zu können - wie das früher meistens der Fall war -, gebe es nicht mehr. "Heute haben die meisten Familien nur noch ein bis zwei Kinder. Und ein Kind kann sich nicht um zwei alternde Menschen kümmern und nebenbei noch berufstätig sein oder eigene Kinder großziehen."

Die "Best Agers" sollten schleunigst über ihre Zukunft nachdenken, denn sonst würden viele den Punkt verpassen, an dem sie noch selbst entscheiden können, wie sie ihren Lebensabend verbringen wollen, betont Walter Eichinger, Geschäftsführer von Silver Living, Marktführer für frei finanziertes Betreutes Wohnen in Österreich, der die Studie in Auftrag gegeben hat. Zwei Dritteln der Befragten ist Betreutes Wohnen als Kombination aus Betreuung/Versorgung allgemein, Gemeinschaft/Gesellschaft und selbständiges Wohnen/Leben mit Hilfestellung nach Bedarf ein Begriff.




Schlagwörter

Gesellschaft, Alter, Vorsorge, Wohnen

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Dokument erstellt am 2016-06-29 17:20:03



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