• vom 24.01.2018, 17:06 Uhr

Chronik

Update: 25.01.2018, 08:09 Uhr

Arbeit 2030

"Es gibt keinen arbeitslosen Physiker"




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Von Petra Tempfer

  • Physiker Werner Gruber über die Zukunft der Arbeit und warum Digitalisierung schon wieder vorbei ist.

Wenn die Robotik uns beim Denken unterstützt, müssen wir keine niederen Tätigkeiten mehr durchführen, sagt Werner Gruber. - © apa/Fotokerschi.at/Kerschbaummayr

Wenn die Robotik uns beim Denken unterstützt, müssen wir keine niederen Tätigkeiten mehr durchführen, sagt Werner Gruber. © apa/Fotokerschi.at/Kerschbaummayr

Wien. Maschinen werden die Menschen ersetzen. Diese Angst begleitet den Gedanken an die Zukunft der Arbeit vermutlich so lange, wie es Maschinen gibt. Sie ist unbegründet, sagt Physiker Werner Gruber im Interview mit der "Wiener Zeitung". Die Digitalisierung sei eigentlich schon längst wieder vorbei und eine Chance für die Menschen, sich zu verwirklichen. Wer dennoch Zukunftsängste hat, sollte Physiker werden. Diese sind laut Gruber immer gefragt.

"Wiener Zeitung": Physik gilt mitunter als "verstaubte" Wissenschaft - welche Rolle spielt Physik bei der Zukunft der Arbeit?

Information

Werner Gruber

Der Physiker und Autor leitet seit 2013 das Planetarium Wien. Zudem unterrichtet er an der Universität Wien sowie an der Sigmund Freud Privatuniversität. Werner Gruber war bei der Podiumsdiskussion "Arbeit 2030" im Rahmen der Future Challenge Leben 2030 der "Wiener Zeitung" zu Gast. Diese fand am 24. Jänner im Wiener Ringturm statt.

Werner Gruber: Wir Physiker schaffen die Grundlagen für zukünftige Arbeit. Ohne uns würde es kein Handy geben, keine Raumfahrt und keinen Buchdruck in der heutigen Form. Wir stellen die Naturgesetze den Technikern so zur Verfügung, dass diese neue Produkte herstellen können. Zurzeit haben wir einen ganz besonderen Fall: das Gebiet der Neurophysik, allgemein gesagt der Neurowissenschaft. Dabei geht es darum, dass wir das Gehirn immer besser nachbauen können. Das liefert im Bereich der Digitalisierung einen ganz wesentlichen Beitrag.

Was kann der Mensch, was ein nachgebautes Gehirn nie können wird?

Es gibt Maschinen, die Musikstücke kreativ komponieren können. Und diese Musik gefällt sogar anderen. Es gibt Maschinen, die Gedichte schreiben. Es gibt Maschinen, die im Stil von Van Gogh und im Pointillismus zeichnen und die sogar einen eigenen Marktstil entwickeln können. Das haben wir alles schon. Wenn wir Computerprogramme bauen, die das menschliche Gehirn zum Vorbild haben, dann lebt zwar das eine in einer Silizium-Umgebung und das andere in einer Kohlenstoff-Umgebung - aber der Output ist in beiden Fällen der selbe.

Bedeutet das, dass der Mensch am Arbeitsmarkt irgendwann überflüssig sein wird?

Nein, das bedeutet das nicht. Ganz im Gegenteil. Es wird nicht weniger Arbeit für ihn geben, sondern die Arbeit wird sich verändern. Auch die Bereiche Kunst und Kultur werden vielleicht mehr wert. Wenn die Robotik uns nicht das Denken abnimmt, sondern uns beim Denken unterstützt, sind wir in der Lage, dass wir nicht mehr niedere Tätigkeiten durchführen müssen. Dann muss niemand mehr an der Kaufhauskasse sitzen.

Müssen wir also keine Angst vor der Digitalisierung haben?

Die Digitalisierung ist eigentlich schon längst vorbei. In zehn Jahren wird keiner mehr über Digitalisierung reden. Viele haben noch nicht realisiert, was da im Moment schon alles los ist. Nur mehr ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, den Rest machen Roboter. Wenn Sie heute eine Mammographie machen, schaut sich das der Röntgenfacharzt zur Sicherheit an, aber das Computerprogramm entscheidet. Nicht der Röntgenfacharzt.




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Dokument erstellt am 2018-01-24 17:11:05
Letzte Änderung am 2018-01-25 08:09:52


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