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Chronik

Update: 08.03.2018, 07:37 Uhr

Weltfrauentag

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Von Petra Tempfer

  • Mehrere deutsche Unis verwenden seit Jahren das generische Femininum. In Österreich gibt es keine Vorgaben.


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Wien. Spott, Lob und Kopfschütteln: Das haben jene Universitäten Deutschlands geerntet, die bereits vor Jahren rein weibliche Bezeichnungen oder zumindest das generische Femininum (bei Personen unbekannten Geschlechts wird die weibliche Form verwendet) in offiziellen Schriftstücken einführten. In Österreich existieren zwar zahlreiche Leitfäden unterschiedlicher Universitäten und Ministerien zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch - eine Vorgabe, welche Form tatsächlich verwendet werden soll, gibt es allerdings nicht.

"Eine ähnliche Vorgangsweise wie an den deutschen Unis ist hier nicht geplant", sagt Sylwia Bukowska, Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Diversität an der Universität Wien, deren Studierende zu 60 Prozent weiblich sind. Der Gebrauch geschlechtergerechter Sprache sei aber in der Satzung der Universität verankert.


Aufmerksamkeit-Peak
In der Praxis sieht das laut Uni Wien so aus, dass in offiziellen Schreiben wie Strategieplänen oder Leistungsberichten jene Geschlechter genannt werden, die gemeint sind. In manchen Fällen können der Einfachheit halber auch geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie Studierende oder Lehrende gewählt werden. Die weibliche und die männliche Form, Schrägstrich, Unterstrich oder das Binnen-I sind ebenfalls möglich.

Laut der Gleichstellungsbeauftragten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Bärbel Miemietz, ist das für einen "Aufmerksamkeit-Peak" jedoch zu wenig. Die MHH war eine der ersten Universitäten Deutschlands, als deren Senat 2009 beschloss, in der "Promotionsordnung für Mediziner und Zahnmediziner" rein weibliche Bezeichnungen zu benutzen. "Diese Idee ist eigentlich aus einem Scherz heraus entstanden", erzählt Miemietz der "Wiener Zeitung". "Wir sind mit dem damaligen Präsidenten Dieter Bitter-Suermann zusammengesessen, und er hat gesagt, Gendern ist ihm zu umständlich. Da habe ich gesagt, dann nehmen wir eben nur die weibliche Form."

Bitter-Suermann griff den Vorschlag auf. Somit standen dann Sätze wie: "Die Doktorandin zeigt der Präsidentin das Projekt vor dessen Beginn in der Form der Anlage 1 an", in der Promotionsordnung. Und das, obwohl "die Präsidentin" ein Mann, Bitter-Suermann, war.

Unter den Studierenden waren aber nicht alle davon begeistert. Ganz im Gegenteil. "Es war ein Riesentumult", erinnert sich Miemietz. Der damalige Allgemeine Studierendenausschuss habe einen bösen Artikel in seiner Studentenzeitschrift veröffentlicht, in dem die neue Regelung lächerlich gemacht wurde. Nach mehr als zwei Jahren, als die Promotionsordnung erneut zur Abstimmung stand und neu aufgesetzt werden musste, schaffte man die rein weiblichen Bezeichnungen wieder ab - ging jedoch zu einer Mischform aus Femininum und Maskulinum beziehungsweise der Schreibweise mit Schrägstrich über.

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Dokument erstellt am 2018-03-07 18:14:41
Letzte Änderung am 2018-03-08 07:37:40


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