• vom 12.04.2018, 17:40 Uhr

Chronik

Update: 13.04.2018, 10:05 Uhr

SOS Kinderdorf

"Sexuelle Belästigung ist niemals gerechtfertigt"




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Von Petra Tempfer

  • 27 Prozent der Elf- bis 18-Jährigen wurden schon einmal online sexuell belästigt.



Die Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen mit ihren Online-Bekanntschaften in den Sozialen Medien wie Facebook reichten von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu eindeutigem sexuellen Missbrauch.

Die Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen mit ihren Online-Bekanntschaften in den Sozialen Medien wie Facebook reichten von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu eindeutigem sexuellen Missbrauch.© APAweb, Hans Klaus Techt Die Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen mit ihren Online-Bekanntschaften in den Sozialen Medien wie Facebook reichten von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu eindeutigem sexuellen Missbrauch.© APAweb, Hans Klaus Techt

Wien. "Dieser eine Typ, mit dem ich was hatte, da hab’ ich mir dann danach gedacht: Eigentlich bin ich ziemlich blöd gewesen", erzählte die 18-jährige Annika aus Wien bei einem der Tiefeninterviews einer Online-Umfrage zum Thema sexuelle Belästigung und Gewalt im Internet. Diese wurde vom Institut für Jugendkulturforschung unter 400 Elf- bis 18-Jährigen durchgeführt, Auftraggeber war das SOS-Kinderdorf. 27 Prozent dieser Altersgruppe waren demnach schon einmal davon betroffen, Mädchen mit einem Anteil von 40 Prozent fast dreimal häufiger als Buben. Die Täter waren meist Unbekannte und viel älter als die Betroffenen.

Die Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen mit ihren Online-Bekanntschaften in den Sozialen Medien wie Facebook reichten von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu eindeutigem sexuellen Missbrauch. "Und dieser ist klar strafrechtlich relevant", sagte Elke Prochazka, Psychologin bei der Jugend-Notrufnummer von SOS Kinderdorf "Rat auf Draht", am Donnerstag bei der Studienpräsentation in Wien.

"Ich hab’ ur die argen Sachen gemacht"

"Die Jugendlichen gaben zum Beispiel an, dass jemand Videos von ihnen auf Youtube hochgeladen hat, und sie dann damit erpresst wurden", so Prochazka - prekäre Videos freilich, zu deren Aufnahme sie zuvor aufgefordert worden waren. Elf Prozent der Befragten sind der Umfrage zufolge schon einmal mit Nacktaufnahmen erpresst worden. Vier Prozent gaben an, jemand habe gegen ihren Willen Nacktaufnahmen von ihnen veröffentlicht oder weitergeschickt.



Erfahrungen mit Cyber-Grooming - die Online-Anbahnung von Sexualkontakten mit Kindern und Jugendlichen - haben laut Umfrage bereits 14 Prozent aller Elf- bis 18-Jährigen gemacht. Bei den Mädchen liegt dieser Anteil sogar bei 20 Prozent. "Ich war ur arg", meinte zum Beispiel die 17-jährige Lena aus Wien im Tiefeninterview, "ich hab’ ur die argen Sachen gemacht, auf Chatroulette (Videochat-Dienst, Anm.) teilweise mit diesen Männern masturbiert, (. . .) da war ich halt 12, 13, hab’ dran nicht gedacht."

Missbrauch im Internet

Das Fatale daran: "Die Studie zeigt klar, dass Jugendliche sexuelle Belästigung im Internet als normal empfinden", sagte Prochazka. "Was eigentlich strafbar ist, scheint selbstverständlich zu sein." Zudem komme es häufig zu einer Täter-Opfer-Umkehr: Opfer glauben, dass sie deshalb sexuell belästigt wurden, weil sie sich zum Beispiel auf Instagram im knappen Bikini präsentierten. Sie glauben, sie sind selbst schuld.




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Missbrauch im Internet






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Dokument erstellt am 2018-04-12 17:45:11
Letzte nderung am 2018-04-13 10:05:52



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