• vom 16.04.2018, 17:45 Uhr

Chronik

Update: 16.04.2018, 18:32 Uhr

Bärlauch

Tödliche Doppelgänger




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Von Petra Tempfer

  • Bärlauch ist beliebt bei Sammlern: Mit ihm wächst die Verwechslungsgefahr mit Giftpflanzen.

Es ist nicht alles Bärlauch, was da wächst: Die Blätter der Maiglöckchen treiben paarweise aus dem Boden, die Bärlauchblätter einzeln. - © David Miklas

Es ist nicht alles Bärlauch, was da wächst: Die Blätter der Maiglöckchen treiben paarweise aus dem Boden, die Bärlauchblätter einzeln. © David Miklas



Wien. Geht man derzeit durch Laub-, Misch- und Auwälder, ist der Boden stellenweise von einem Blättermeer bedeckt. Hie und da ragen gebückte Menschenrücken heraus: Bärlauchsammler, die den momentan üppig wachsenden Knoblauchverwandten pflücken, um zum Beispiel eine Suppe daraus zu kochen. Es ist aber nicht alles Bärlauch, was da wächst. Beim genaueren Hinsehen mischen sich nämlich die Blätter von Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und Gartentulpen darunter, die das genaue Gegenteil von der altbekannten Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze Bärlauch sind - nämlich giftig.

Jedes Jahr gibt es zahlreiche Vergiftungs- und vereinzelt auch Todesfälle aufgrund von Verwechslungen. Denn die Blätter des Bärlauchs, der gegen Atherosklerose, hohen Blutdruck und entschlackend wirken soll, wachsen zeitgleich mit jenen seiner giftigen Doppelgänger, wenngleich Letztere erst später im Jahr blühen. Anders als der Bärlauch haben sie auch nicht dessen typischen Knoblauchgeruch und unterscheiden sich in der Wuchsform ihrer Blätter.


Drei bis vier Blätter tödlich
Während die Bärlauchblätter einzeln aus dem Boden wachsen und in eine lanzettähnliche Blattfläche und einen dünnen Stiel gegliedert sind, treiben die Blätter der Maiglöckchen paarweise heraus. Jene der Herbstzeitlosen sind schmäler und sitzen büschelweise mit kurzem, breitem Stiel am Stängel. Selten, aber ebenfalls giftig ist die Gartentulpe, die gelegentlich verwildert und nur ein einzelnes Blatt ausbildet.

In diesem wie in allen anderen Teilen der Tulpe befindet sich Tulipin, das eine ähnliche Wirkung wie das Colchicin der Herbstzeitlosen hat. Von dieser können bereits drei bis vier Blätter tödlich sein. Das in der Pflanze enthaltene Zellgift wirkt allerdings erst nach ein paar Stunden. Erste Vergiftungserscheinungen treten in Form von Übelkeit und Erbrechen auf. Es folgt Durchfall; Darm-, Blut- und Knochenmarkzellen werden zerstört, was nach etwa zwei Tagen zum Tod führen kann.

Verwechslungen mit Maiglöckchen enden meist weniger dramatisch: Für den Menschen giftig sind die Glykoside, die Herzrhythmusstörungen verursachen können. Der Darm nimmt diese jedoch nur schlecht auf.

"Bei den ersten Anzeichen von Vergiftungserscheinungen sollte man in jedem Fall sofort die Vergiftungszentrale (01/4064343, Anm.) kontaktieren", rät Michaela Knieli von "Die Umweltberatung". Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte man schon beim Bärlauchsammeln am besten jedes Blatt einzeln pflücken.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-16 17:51:17
Letzte Änderung am 2018-04-16 18:32:53


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