• vom 03.05.2018, 17:53 Uhr

Chronik

Update: 03.05.2018, 18:03 Uhr

Kulturdenkmäler

Paradies oder Plage




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Von Rosa Eder-Kornfeld

  • André Heller soll den 750 Jahre alten Hofburggarten in Brixen neu gestalten. Ein Touristenansturm wird befürchtet.

Hellers Anima-Garten in Marrakesch.

Hellers Anima-Garten in Marrakesch.© apa/Anima/Suzy Stöckl Hellers Anima-Garten in Marrakesch.© apa/Anima/Suzy Stöckl

Wien. Wie im Paradies sollen sich die Besucher in André Hellers Zaubergarten "Anima" in der Nähe der marokkanischen Stadt Marrakesch fühlen. Auf drei Hektar inszeniert der Künstler laut Homepage seit zwei Jahren am Fuße des Hohen Atlas einen "magischen Ort der Sinnlichkeit, des Staunens, der Kontemplation, der Freude, der Heilung und der Inspiration". Offen steht zahlendem Publikum auch Hellers botanischer Garten - "der prächtigste unter den Gärten von Eden" - am Gardasee.

Nun soll der Kunstschaffende dem derzeit brachliegenden Hofburggarten in der Südtiroler Gemeinde Brixen neues Leben einhauchen. Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Kulturdenkmal steht im Eigentum der Diözese Bozen-Brixen und wurde an die Gemeinde vermietet. Im Herbst vergangenen Jahres präsentierte Heller im Beisein von Bürgern, Bischof und Landeshauptmann ein Exposé, das auf starke Resonanz stieß - allerdings nicht einhellig positiv. Teile der Bevölkerung stehen dem Projekt ablehnend gegenüber, so etwa der Verein "heimat-Brixen/Bressanone/Persenon". Er halte André Heller für ein Genie, sagt Vereinsobmann Walter Pircher. Jedoch: Das derzeit durch die Stadtverwaltung, den Touristikern und der Kaufmannschaft bevorzugte Exposé von Heller sehe die Umwandlung des 2,5 Hektar umfassenden Areals in einen Event-Garten für zahlende Touristen vor.


"Für ein beliebiges
Gelände geeignet"



Brixen sei ohnehin das ganze Jahr über gut besucht, in den Sommermonaten herrsche Ausnahmezustand. Noch mehr Tagesausflügler wolle man nicht, so Kircher. Er verweist auf einen Entwurf für die Neugestaltung der Hofburggärten des Landschaftsarchitekturbüros "Freilich" aus Meran, der 2012 in einem internationalen Wettbewerb als Siegerprojekt hervorgegangen war. Dieser sei aber in der Versenkung verschwunden, kritisiert auch Erika Schmidt, Professorin für Geschichte der Landschaftsarchitektur, die gemeinsam mit anderen Gartenexperten einen offenen Brief an die zuständigen Stellen gerichtet hat. Sie erachten den Entwurf des Büros "Freilich" als der Würde der historischen Gartenanlage, die sich mitten in der Stadt Brixen befindet, angemessen. Hellers Konzept wäre für ein beliebiges, für Autobusse gut erreichbares Gelände in Südtirol geeignet. "Wenn man ein bisschen Pläne lesen kann, sieht man sofort, dass es nicht mit dem Charakter dieses Ortes vereinbar ist", kritisiert Schmidt. "Die Landesregierung soll die eigenen Kulturdenkmäler schützen", fordert der Heimatpflegeverband Südtirol.

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Dokument erstellt am 2018-05-03 17:57:37
Letzte Änderung am 2018-05-03 18:03:10



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