• vom 14.05.2018, 18:21 Uhr

Chronik

Update: 15.05.2018, 18:56 Uhr

Künstliche Befruchtung

Samen bei künstlicher Befruchtung vertauscht?




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Von Petra Tempfer

  • Ein Paar aus Nigeria bekam ein Kind mit viel hellerer Haut. Der Anwalt klagt auf Schadenersatz.




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Eisenstadt. Os Haut ist tiefschwarz. Jene seiner Frau auch. Beide kommen aus Nigeria und leben seit Jahren im Burgenland. Deren eineinhalbjährige Tochter ist allerdings hellbraun. Verantwortlich dafür sei die Kinderwunschklinik Tiny Feet in Wiener Neustadt, in der Herr und Frau O. eine künstliche Befruchtung durchführen ließen, sagt deren auf Abstammungs- und Vaterschaftsrecht spezialisierte Anwalt Heinz Robathin aus Wien auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". "Hier ist es offensichtlich zu einer Verwechslung der Samen gekommen. Der Samen des Vaters wurde offenbar mit dem Samen eines weißen Mannes vertauscht."

Die Sache sei extrem heikel, sagt Robathin, "weil es hier darum geht, dass ein neuer Mensch entsteht". Der unübersehbare Fall des nigerianischen Ehepaares könnte nur einer von vielen, unentdeckten sein. Denn: "Wenn die Samen weißer Männer verwechselt werden, fällt das mit Sicherheit größtenteils gar nicht auf", so Robathin. Daher müsse es zu einer Sensibilisierung in der Öffentlichkeit kommen - und vor allem zu einem Umdenken in der Judikatur des Obersten Gerichtshofes (OGH).

"Das Kind selbst kann natürlich kein Schaden sein"

Laut diesem ist geregelt, dass ein gesundes Kind prinzipiell niemals ein Schaden ist oder sein kann - "welche Aussage zwar isoliert betrachtet sicher zutreffend ist, jedoch im konkreten Fall - und vielen anderen Fällen - jegliches Handeln bei unterlaufenen (Kunst-)Fehlern schwierig bis unmöglich macht. Das Kind selbst kann natürlich kein Schaden sein, das ist schon richtig. Aber die Umstände und vor allem die Folgen, die mit dieser Verwechslung der Samen verbunden sind, können sehr wohl ein Schaden sein", sagt Robathin. Sein Ziel sei, dass die Judikatur künftig die Situation jedes einzelnen Falles betrachtet und nicht die generelle Tatsache, dass ein gesundes Kind kein Schaden sein kann, und deshalb alles Weitere blockiert. Robathin wird daher nicht zögern, wie er sagt, mit seinen Forderungen bis vor den OGH und allenfalls auch zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu gehen.

Vorerst habe er das Labor der Kinderwunschklinik auf Schmerzengeld - eine Form des Schadenersatzes - für die Mutter und den Vater geklagt. Dass Letzterer nicht der leibliche Vater ist, hatten auch zwei unabhängige DNA-Tests der Eltern und des Kindes bestätigt. (www.confidence.at) In einer ersten Reaktion hätte die Kinderwunschklinik angeboten, 17.000 Euro zu zahlen, sagt Robathin. "Ein Hohn." Wieviel Schmerzengeld ihm tatsächlich angemessen scheint, könne er zum aktuellen Zeitpunkt zwar noch nicht sagen, dafür müsse man die Gutachten unter anderem von Psychiatern abwarten - die Richtsätze lägen jedoch je nach Stärke der Schmerzen zwischen 110 und 330 Euro pro Tag.




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Dokument erstellt am 2018-05-14 17:21:48
Letzte Änderung am 2018-05-15 18:56:15


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