• vom 15.05.2018, 08:32 Uhr

Chronik

Update: 15.05.2018, 14:10 Uhr

Totes Kind in Döbling

Jugendlicher gesteht Kindsmord




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Von WZ Online, APA

  • Der mutmaßliche Täter wohnte in der Nachbarschaft, er ist erst 16 Jahre alt.

Die Leiche des Mädchens war in einem Müllcontainer im Gemeindebau entdeckt worden.

Die Leiche des Mädchens war in einem Müllcontainer im Gemeindebau entdeckt worden.© APAweb/Hans Punz Die Leiche des Mädchens war in einem Müllcontainer im Gemeindebau entdeckt worden.© APAweb/Hans Punz

Wien. Die Bluttat an einem siebenjährigen Mädchen im "Dittes-Hof" in Wien-Döbling dürfte geklärt sein: Die Polizei hat einen erst 16-jährigen Nachbarn der Volksschülerin festgenommen, der die Tat bereits gestanden an. Ein erkennbares Motiv hatte er laut Polizei nicht. Er gab an, eine "allgemeine Wut" verspürt zu haben, sagte Oberst Michael Mimra am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Das Mädchen war mit der Familie des Burschen bekannt gewesen und dürfte sich am Freitag alleine mit dem Verdächtigen in dessen Wohnung aufgehalten haben. Der 16-Jährige dürfte das Mädchen dann ins Badezimmer dirigiert haben. "Sie hat nicht bemerkt, dass er da bereits ein Küchenmesser bei sich trug", sagte Mimra. Dann hat er das Mädchen in die Duschwanne gestoßen und sie derart massiv am Hals attackiert, "dass derKopf beinahe vom Rumpf getrennt worden ist".

Spürhunde fanden Tatort

Aufmerksam wurden die Polizisten auf die Wohnung des Verdächtigen, da Spürhunde angeschlagen hatten. In den Räumlichkeiten wurden dann trotz oberflächlicher Reinigung auch Blutspuren gefunden. Anfangs gab der Verdächtige noch an, sich "in der Schule in den Finger geschnitten zu haben", schließlich gestand er noch in der Wohnung im Beisein seiner Eltern die Tat.

Die Angaben des Jugendlichen zu seinem Motiv machten die Ermittler fassungslos: "Wir haben ihn gefragt: 'Warum dieses Mädchen?' Er hat diesen Stehsatz, den man oft hört, gesagt: 'Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort.'", schilderte Haimeder die Verantwortung des Burschen. Der 16-Jährige dürfte keine großen Emotionen oder Reue gezeigt haben: "Es ist ihm egal, von seinen Aussagen und seiner Körpersprache her. Es tut ihm die Mutter des Opfers leid, nicht das Mädchen."

Die Eltern des Täters brachen zusammen

Nach derzeitigem Ermittlungsstand war es nicht absehbar, dass der Jugendliche so eine Bluttat verüben könnte. "Er hat angegeben, dass sich bei ihm in der vergangenen Woche eine allgemeine Wut aufgebaut hat", sagte Haimeder. Näher definiert habe er dies nicht. Der 16-Jährige ist Gymnasiast, er war ein guter Schüler und sei nach ersten Erkenntnissen auch nicht gemobbt worden oder sei auf jemanden böse gewesen sein.

Die Eltern des 16-Jährigen waren zum Tatzeitpunkt nicht zuhause. Sie brachen zusammen, als sie das Geständnis ihres Sohnes hörten. Die Mutter kollabierte und wurde von der Rettung versorgt. Ein Freund holte die Familie aus der Wohnung ab und brachte sie weg.

Keine Hinweise auf Radikalisierung

Die Ermittlungsarbeit der Polizei ist noch nicht abgeschlossen. Von weiteren Einvernahmen erhoffen sie sich, dass es doch noch nähere Aufschlüsse zum Tatmotiv gibt. Auch sein Computer und sein Mobiltelefon werden gecheckt.

Die Ermittler betonten auf Nachfrage, dass es bisher keine Hinweise auf andere Motive gibt, etwa auf eine versteckte Radikalisierung oder dass es im Hintergrund etwa doch Zwistigkeiten zwischen den beiden Familien gegeben hat.

"Dissoziale Persönlichkeitsstörung"

Besonders hervorstechend sei die völlige Empathielosigkeit des 16-Jährigen, der ein siebenjähriges Mädchen in Wien-Döbling getötet haben soll. So lautet eine erste Einschätzung des Kriminalpsychologen Wolfgang Marx nach einer Pressekonferenz der Polizei am Dienstag, bei der Details zum Fall bekannt gegeben wurden. "Emotional muss es massive Defizite gegeben haben", sagte der Experte.

Dass der 16-Jährige sein Opfer "regelrecht entsorgt habe" und ihm das Mädchen nach eigener Aussage nicht leidtue, verdeutlicht für Marx nochmals die Emotionslosigkeit des Jugendlichen und weist auf eine dissoziale Persönlichkeitsstörung hin.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-15 08:33:53
Letzte Änderung am 2018-05-15 14:10:12


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