• vom 16.05.2018, 22:00 Uhr

Chronik


Prozess in Klagenfurt

Bootsunfall: Schuldsprüche für beide Angeklagte




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  • Im Prozess um den tödlichen Bootsunfall am Wörthersee sind am Mittwochabend die Urteile gesprochen worden.

Klagenfurt. Mit zwei Schuldsprüchen hat am Mittwoch der Prozess um den tödlichen Motorbootunfall am Wörthersee vom Juni 2017 geendet. Richter Matthias Polak fällte nach drei Verhandlungstagen am Landesgericht Klagenfurt sein Urteil. Der Erstangeklagte, ein 45 Jahre alter Niederösterreicher, wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt, der Zweitangeklagte erhielt drei Monate bedingt.

Der Niederösterreicher, dessen gleichaltriger Freund bei dem Unfall am Wörthersee aus dem Boot gefallen und mit dem Kopf in die Schiffsschraube geraten war, wurde wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt, der Zweitangeklagte, ein 33-jähriger Klagenfurter, wegen fahrlässiger Tötung.


Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Sowohl Verteidiger Alexander Todor-Kostic als auch der Staatsanwalt legten Berufung ein. Der Anwalt des Zweitangeklagten Georg Schuchlenz gab keine Erklärung ab.

Bei dem Bootsunfall war ein 44 Jahre alter Unternehmer aus Niederösterreich ums Leben gekommen. Er soll in die Schiffsschraube des Motorbootes geraten sein, von dem er gefallen war.

Belastendes Gutachten
Gelenkt hatte das Boot ein damals gleichaltriger Niederösterreicher aus dem Waldviertel, der der Hauptbeschuldigte. Ihm wird vorgeworfen, bei einer "betrunkenen" Bootsfahrt am Wörthersee vergangenen Juni den Tod seines Freundes verschuldet zu haben. Dem 33 Jahre alten Klagenfurter wird vorgeworfen, als Bootsführer dem stark alkoholisierten Niederösterreicher (1,2 Promille) das Steuer überlassen zu haben.

Ein aktuelles Gutachten des Gerichtssachverständigers Hermann Steffan, ein Experte für Bootssport und Unfallanalyse der Technischen Universität Graz, belastete den Hauptangeklagten Niederösterreicher, dem grob fahrlässige Tötung vorgeworfen wird, schwer. Laut dem Gutachter sei der Propeller massiv verformt gewesen, und zwar auf der Hinterseite, was nur möglich sei, wenn das Boot rückwärtsgefahren sei. Hätte das Opfer, wie vom Angeklagten behauptet, ins Lenkrad gegriffen, wäre er ins Boot gefallen und nicht über Bord gegangen, sagte Steffan.

"Es hat niemand gefragt"
Der Hauptangeklagte zeigte sich erschüttert über die Aussagen des Gutachters. Diese bezeichnete er als abstrus, "es fehlen mir die Worte". Der Niederösterreich sagte aber, dass er sich um die Familie des Opfers kümmern möchte. Der Zweitangeklagte bedauerte des Geschehene, betone aber, dass er unschuldig sei.

Die Verteidigung des Hauptangeklagten kritisierte den Gutachter stundenlang und verlangte die Bestellung eins neues Gerichtsgutachters. Der Verteidiger des angeklagten Niederösterreichers legte zudem Fotos vor, mit denen bewiesen werden sollte, dass der Angeklagte erhöht im Boot gesessen und daher ein Hinausschleudern plausibel sei. Allerdings hatte es auf den Fotos, die die Polizei vom Boot gemacht hatte, keine aufgeklappte Sitzerhöhung gegeben, daher habe der Gutachter diese Variante nicht berechnet. Der Sachverständige betonte, er wisse aber nicht, wann die Fotos gemacht worden seien.

Aus den Fotos geht aus Sicht von Todor-Kostic hervor, dass sich die Schulter des Bootslenkers nicht unter der Bordkante befinde und es sich auch nicht um einen "Schalensitz" handle. Daher sei das Über-Bord-Gehen des Lenkers ab einer bestimmten Neigung des Bootes wahrscheinlich. Der Angeklagte erklärte, seine Sitzposition sei erhöht gewesen. Auf Vorhalt des Richters, dass davon im Ermittlungsakt nie die Rede gewesen sei, antwortete der Niederösterreicher: "Es hat niemand gefragt."




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Dokument erstellt am 2018-05-16 22:06:48


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