• vom 01.06.2018, 09:30 Uhr

Chronik

Update: 01.06.2018, 10:24 Uhr

Burkaverbot

Phantombekämpfung




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Nagl

  • Die Anzahl der Verstöße gegen das Burkaverbot hält sich in Grenzen. Der Boom an zahlungskräftigen arabischen Touristen dürfte aber vorbei sein.

Polizisten fordern in Zell am See eine Frau auf, ihren Mundschutz zu entfernen.

Polizisten fordern in Zell am See eine Frau auf, ihren Mundschutz zu entfernen.© apa/Barbara Gindl Polizisten fordern in Zell am See eine Frau auf, ihren Mundschutz zu entfernen.© apa/Barbara Gindl

Zell am See/Wien. Um das im Oktober in Kraft getretene Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz ist es inzwischen ruhig geworden. Die besser als Burkaverbot bekannte Maßnahme sorgte im vergangenen Jahr für Diskussionen. Die Befürworter sahen darin eine Maßnahme gegen die Verbreitung eines politischen Islams in Europa; der heutigen Regierungspartei FPÖ ging das Gesetz nicht weit genug. Neos und Grüne kritisierten das Gesetz als Symbolpolitik.

Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte damals noch als Integrationsminister der ÖVP vor dem Beschluss des Verbots: "Es gibt keinen Platz für Symbole, die im Widerspruch zur Gleichstellung von Mann und Frau stehen, und die Vollverschleierung zähle ich dazu." Im Nationalrat wurde es mit den Stimmen der ÖVP und der SPÖ als Teil des Integrationspakets beschlossen. Auch der damalige Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sprach von der Vollverschleierung als "Missinterpretation von Toleranz".


Die Statistik seither zeigt jedenfalls, dass es sich bei der nun verbotenen Gesichtsverhüllung um kein häufiges Delikt handeln dürfte: Im ersten Halbjahr seit dem Inkrafttreten am 1. Oktober 2017 gab es 50 Anzeigen, mit Abstand die meisten davon in Wien.

Auswirkungen
auf den Tourismus fraglich


© apa/Barbara Gindl © apa/Barbara Gindl

Bei Einführung des Gesetzes wurde erwartet, dass es vor allem Touristinnen aus dem arabischen Raum treffen würde. Ob sich das Gesetz nun aber tatsächlich auf den Tourismus auswirkt, lässt sich nach wie vor schwer abschätzen. Schließlich steht die Hauptreisezeit arabischer Touristen mit den Sommermonaten erst bevor.

Neben Wien ist die Region rund um Zell am See und Kaprun beliebtestes Reiseziel arabischer Touristen in Österreich. Vonseiten des lokalen Tourismusmarketings heißt es auf Anfrage: "Für die kommende Sommersaison liegen keine gesammelten Buchungsdaten vor."

Auch der Hotelier Harald Bruckner, der das Hotel Neue Post in Zell am See betreibt, das ein beliebter Aufenthaltsort bei arabischen Touristen ist, kann aus der Buchungslage keinen Trend ablesen. Das sei zum aktuellen Zeitpunkt aber aus einem ganz anderen Grund schwierig: "Nur ein sehr geringfügiger Anteil der Sommergäste bucht langfristig fix. Araber sind hier besonders flexibel", erklärt Bruckner.

Das Zeller Tourismusmarketing wagt eine Prognose vorab - man erwartet sich geringe Auswirkungen: "Die arabischen Länder sind der Herkunftsmarkt mit dem stärksten Wachstum in Österreich und gewinnen stetig an Marktanteilen hinzu. Bisher haben wir in der Region keine Auswirkungen zum Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz wahrgenommen."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Burkaverbot, Tourismus

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-31 17:46:10
Letzte Änderung am 2018-06-01 10:24:23


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. BMI "aufräumen": Auftrag von Kickl an Goldgruber
  2. Pilot starb bei Absturz von Segelflieger am Flugplatz in Salzburg
  3. Greenpeace sieht Freiwilligenarbeit bedroht
  4. "Digitaler Terror ist keine Utopie mehr"
  5. Meinl-Reisinger wird mit 94,8 Prozent Parteichefin
Meistkommentiert
  1. Der 12-Stunden-Tag kommt
  2. Kern sieht "Klassenkampf von oben"
  3. Lehrlinge verzweifelt gesucht
  4. Österreich verlangt "volle Aufklärung"
  5. Greenpeace sieht Freiwilligenarbeit bedroht


Werbung