• vom 13.06.2018, 07:56 Uhr

Chronik

Update: 13.06.2018, 09:25 Uhr

Unwetter

Regierungsspitze kündigte rasche Hilfe an




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Von WZ Online, APA

  • Rund 1.000 Haushalte in Oststeiermark sind noch ohne Strom.

Umgestürzte Bäume nach Unwettern in der Steiermark - © APAweb/BFVDL Steiermark

Umgestürzte Bäume nach Unwettern in der Steiermark © APAweb/BFVDL Steiermark

Unwetter führten im Bezirk Neunkirchen zu Überflutungen.

Unwetter führten im Bezirk Neunkirchen zu Überflutungen.© APAweb / Einsatzdoku.at Unwetter führten im Bezirk Neunkirchen zu Überflutungen.© APAweb / Einsatzdoku.at

Wien/Graz/St. Pölten/Eisenstadt. Angesichts der Verwüstungen durch schwere Unwetter in Teilen Österreichs
haben Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler
Heinz-Christian Strache (FPÖ) am Mittwoch rasche Hilfe für Betroffene
angekündigt. Die Bereitstellung von Mitteln aus dem Katastrophenfonds
werde geprüft, hieß es aus dem Kanzleramt.

Nach den anlaufenden
Aufräumarbeiten sollen zügig die entstandenen Schäden erhoben werden.
Man sei mit den zuständigen Stellen der Länder in Kontakt, um
Hilfsmaßnahmen unbürokratisch in die Wege zu leiten. Dank gelte den
Einsatzkräften und freiwilligen Helfern. Kurz drückte zudem gegenüber
den Angehörigen eines Mannes, der bei dem Unwetter im Grazer Stadtpark
ums Leben gekommen ist, sein Mitgefühl aus.

Kein Strom im Raum Fischbacher Alpen

Nach der heftigen Gewitterfront, die am Dienstagabend über die Steiermark gezogen ist, waren Mittwochfrüh immer noch rund 1.000 Haushalte vor allem in der Oststeiermark ohne Strom. Besonders im Raum Fischbacher Alpen seien viele Zufahrtswege noch von Bäumen versperrt, erklärte Urs Harnik-Lauris von der Energie Steiermark.

Die Feuerwehr zog eine erste Bilanz: Rund 1.500 Kräfte waren im Einsatz. Der steirische Feuerwehrverband sprach von orkanartigen Windböen mit Spitzen über 100 km/h, einer Vielzahl von entwurzelten bzw. geknickten Bäumen sowie heruntergebrochenen Ästen. Dächer wurden beschädigt oder abgedeckt. Straßen, Gehwege und Gleisanlagen waren blockiert. Im Stadtpark in Graz kam ein 26-jähriger Rumäne ums Leben, als er von einem umfallenden Baum getroffen wurde. Im oststeirischen Raabtal hatte ein Baum nahe dem Bahnhof Studenzen-Fladnitz die Gleise der Ostbahnstrecke der ÖBB blockiert.

Katastrophenzug im Bezirk Neunkirchen

Die Feuerwehren in den Unwetter-Einsatzgebieten im Bezirk Neunkirchen haben am späten Dienstagabend ihre Arbeiten aus Sicherheitsgründen vorerst beendet. Mittwochfrüh werden zur Verstärkung der örtlichen Helfer 60 Spezialkräfte eines Katastrophenzuges aus dem Bezirk Wiener Neustadt eintreffen, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando.

Die mächtigen Gewitter, die über die Bezirke Neunkirchen, Wiener Neustadt, Krems, Zwettl, Gmünd und Waidhofen a.d. Thaya gezogen waren, führten zu 350 Feuerwehreinsätzen, die 1.100 Mitglieder auf Trab hielten.

Insgesamt wurden in den Unwetterregionen 120 Keller und Häuser teilweise bis zu einem Meter hoch überflutet. Nachdem eine ersten Gewitterzelle am Nachmittag bereits enormen Schaden im Bezirk Neunkirchen angerichtet hatte, zog gegen 20 Uhr eine zweite Front über die Region und sorgte wiederum für weiträumige Überflutungen, wobei auch mehrere Bäche und Flüsse über die Ufer traten.

In Otterthal im Bezirk Neunkirchen wurden die Bewohner eines Bauernhofes in letzter Sekunde von der Feuerwehr aus ihrem überfluteten Haus gerettet, so Resperger. Verletzte waren nicht zu beklagen. Um bedrohte Objekte zu schützen, wurden Tausende Sandsäcke bereitgestellt. Zudem wurden zwölf Großpumpen in Stellung gebracht, mit denen pro Stunde bis zu 900.000 Wasser abgepumpt werden konnten.

Die Aufräumarbeiten im Bezirk Neunkirchen sollten laut Resperger am Mittwoch in der Früh wieder anlaufen und "werden vermutlich den ganzen Tag andauern". Auch in der Nacht auf Mittwoch wurden die Pegel der teilweise hochwasserführenden Bäche und Flüsse beobachtet.

Frau mit zwei Kindern aus den Fluten gerettet

Im niederösterreichischen Otterthal (Bezirk Neunkirchen) hat das Rote Kreuz am Dienstagabend eine Frau mit zwei Kindern im Alter von zwölf und sechs Jahren aus den Fluten gerettet. Die drei Personen seien in einem Auto von den Wassermassen überrascht worden und seien weder vor noch zurück gekommen, teilte das Rote Kreuz in der Nacht auf Mittwoch in einer Aussendung mit.

Zwei Rotkreuz-Mitarbeiter hätten die Frau mit den Kindern bei einer Erkundungsfahrt durch die überfluteten Straßen Otterthals entdeckt. Die Familie sei befreit und dann mit dem Rettungswagen in ihren Heimatort Kirchberg gebracht worden.

Lastwagen von Brücke in die Thaya gestürzt

Am Dienstagabend ist während des schweren Gewitters ein Lastwagen von einer Brücke in Dobersberg im Bezirk Waidhofen an der Thaya in die Thaya gestürzt. Zugfahrzeug und Anhänger seien in der Flussmitte zum Stehen gekommen, der Fahrer sei in der Kabine eingeschlossen worden, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando in der Nacht auf Mittwoch. Wegen Diesel-Austritts seien Ölsperren errichtet worden.

Weil sich der Gesundheitszustand des 39-jährigen Fahrers verschlechterte, konnte er von den Feuerwehren nicht gleich geborgen werden. Ein Feuerwehrmann musste zunächst die Notärztin durch den Fluss zum Lkw tragen, damit diese die Erstversorgung vornehmen konnte. Danach sei der Mann aus dem Fahrzeug gerettet und ins Spital gebracht worden.

Der Mann war mit einem unbeladenen Holztransporter von Merkengersch in Richtung Dobersberg unterwegs. In einer Linkskurve sei er ins Schleudern gekommen, der Anhänger sei zunächst in den rechten Straßengraben geschlittert. Danach habe das gesamte Gespann auf der Schellingsbrücke das Geländer durchbrochen und sei in den Fluss gestürzt. Durch den Absturz sei der Treibstofftank aufgerissen worden; es trat Diesel aus.

Die Bergung des Holztransporters gestaltete sich aufwendig. Eingesetzt wurde ein Bagger einer Baufirma. Damit das Fahrzeug aus dem Fluss gezogen werden konnte, musste die Böschung am Flussufer abgegraben werden. Insgesamt waren neun Feuerwehren mit 118 Mitgliedern bis kurz vor Mitternacht im Einsatz.

Knapp 50 Einsätze am Dienstagabend im Burgenland

Im Burgenland hat es am Dienstagabend knapp 50 Unwetter bedingte Einsätze gegeben. Nach einem Gewitter samt Hagel am Nachmittag im Mittelburgenland war nach 19 Uhr vor allem der Landessüden betroffen. "Rudersdorf und Deutsch Kaltenbrunn im Bezirk Jennersdorf waren mit 15 Feuerwehreinsätzen dieses Mal der Hotspot", teilte ein Sprecher der Landessicherheitszentrale (LSZ) der APA mit.

"Zahlreiche Keller waren überflutet, viele Bäume sind aufgrund des starken Windes umgestürzt und haben zum Teil auch Straßen blockiert", schilderte der Sprecher. In Zemendorf (Bezirk Mattersburg) setzte ein Blitzschlag einen Zählerkasten in Brand. In Heiligenbrunn (Bezirk Güssing) kappte ein Baum eine Stromleitung. Zahlreiche Haushalte waren laut LSZ für etwa eine Stunde ohne Strom.

"Für heute Nachmittag sind erneut gewittrige Schauer und Starkregen prognostiziert. Der Schwerpunkt wurde für die erste Nachmittagshälfte angekündigt", sagte der Sprecher der LSZ.





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Dokument erstellt am 2018-06-13 07:56:44
Letzte Änderung am 2018-06-13 09:25:07


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