• vom 14.06.2018, 13:06 Uhr

Chronik

Update: 14.06.2018, 17:09 Uhr

A4-Prozess

Hohe Haftstrafen für Schlepperbande




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Von WZ Online, APA

  • 2015 erstickten 71 Flüchtlinge in einem Lkw auf der A4. Die Hauptangeklagten wurden heute zu 25 Jahre Haft verurteilt.

Am 26. August 2015 erstickten 71 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak in diesem Kühl-Lkw auf der A4 bei Parndorf - © APAweb / Roland Schlager

Am 26. August 2015 erstickten 71 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak in diesem Kühl-Lkw auf der A4 bei Parndorf © APAweb / Roland Schlager

Kecskemet/Parndorf. Mit Haftstrafen von 25 Jahren für die vier Hauptangeklagten ist am Donnerstag der Prozess gegen eine Schlepperbande zu Ende gegangen, die für den Tod von 71 Flüchtlingen im August 2015 verantwortlich gemacht wird. Das Gericht in der südungarischen Stadt Kecskemet blieb damit unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten lebenslangen Haftstrafen für die Erstangeklagten.

Bei den vier Männern - ein Afghane und drei Bulgaren - handelt es sich nach Erkenntnissen der Anklagebehörde um den Kopf der Schlepperbande, seinen Stellvertreter sowie den Fahrer des Kühl-Lkw, in dem die Menschen erstickten, und den Lenker des Begleitautos. Im dem hermetisch verschlossenen Kleinlaster hatten die Flüchtlinge - unter ihnen vier Kinder - unterwegs durch Schreien und Klopfen auf ihre Notsituation aufmerksam gemacht. Der Fahrer bemerkte es zwar, hielt aber nicht an.

Die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan starben am 26. August 2015 noch auf ungarischem Gebiet. Ihre Leichen wurden tags darauf in einer Pannenbucht der A4 (Ostautobahn) bei Parndorf im Burgenland entdeckt.

Drei Angeklagte in Abwesenheit verurteilt

Die ersten Festnahmen erfolgten bereits wenige Tage später. Angeklagt wurden 14 mutmaßliche Mitglieder der Schlepperbande, unter ihnen Fahrer, Anwerber von Chauffeuren und Leute, die Autos für die Schlepperfahrten organisiert hatten. Der Prozess in Kecskemet begann am 21. Juni 2017. Vor Gericht standen in dem Verfahren allerdings nur elf Beschuldigte. Drei weitere Angeklagte waren für die Justiz nicht greifbar, gegen sie wurde in Abwesenheit verhandelt.

Sämtliche Angeklagte wurden zu Haftstrafen verurteilt. Neben den 25 Jahren für die Hauptangeklagten - zu verbüßen unter verschärften Bedingungen - setzte es Freiheitsstrafen im Ausmaß von drei bis zwölf Jahren für die weiteren Beschuldigten. Der Staatsanwalt hatten für die Hauptangeklagten lebenslänglich beantragt, für drei von ihnen sogar ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung.



Kosten von 650.000 Euro

Bei den zehn weiteren Verurteilten handelt es sich um Männer, die unter anderem für die Beschaffung der Schlepperfahrzeuge und das Anwerben von Fahrern zuständig waren. Der Prozess in Kecskemet hatte vor einem Jahr begonnen. Die Kosten wurden vom Gericht mit 208 Millionen Forint (umgerechnet rund 650.000 Euro) beziffert.

Gekennzeichnet war das Verfahren streckenweise durch Verlesungen von Polizeiprotokollen, da die Angeklagten zunächst nicht zur Aussage vor Gericht bereit waren, und schließlich durch gegenseitige Schuldzuweisungen, Schreiduelle inklusive.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 13:07:11
Letzte Änderung am 2018-06-14 17:09:33


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