• vom 01.07.2018, 18:00 Uhr

Chronik

Update: 02.07.2018, 15:53 Uhr

ÖBB-Betriebsversammlungen

Massive Zugausfälle bei der ÖBB




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Von WZ Online, APA

  • Vor allem in Graz, Linz und Wien waren die Auswirkungen zu spüren. 250 Züge sind ausgefallen.

Bedienstete der ÖBB bei einer Betriebsversammlung.  - © APAweb / Neumayr / SB

Bedienstete der ÖBB bei einer Betriebsversammlung.  © APAweb / Neumayr / SB

Fahrgäste am Salzburger Hauptbahnhof.

Fahrgäste am Salzburger Hauptbahnhof.© APAweb / Neumayr / Probst Fahrgäste am Salzburger Hauptbahnhof.© APAweb / Neumayr / Probst

Wien. Die Betriebsversammlungen bei den ÖBB haben am Montagfrüh  zu beträchtlichen Einschränkungen für Reisende geführt. Insgesamt sind in Österreich 250 von täglich rund 5.000 Zügen ausgefallen, berichtete ein Konzernsprecher der APA. Betroffen waren vor allem Linz, Graz und die Schnellbahn in und rund um Wien.

"Es ist doch zu massiven Ausfällen gekommen"

Wie sehr die Fahrgäste die zwischen 6 und 9 Uhr angesetzten Versammlungen merken würden, war im Vorfeld unklar gewesen. Nun zogen die ÖBB eine erste Bilanz. Ergebnis: "Es ist doch zu massiven Ausfällen gekommen." Auswirkungen zeigten sich vor allem in Linz und Graz, wobei es dort auch bei den Verkehrsbetrieben Einschränkungen gab. In Wien sind laut ÖBB zahlreiche S-Bahn-Passagiere auf die Wiener Linien ausgewichen: "Das hat gut funktioniert."

Kaum Ausfälle im internationalen Bahnverkehr

Auch im überregionalen Verkehr wurden laut den Bundesbahnen einige Ausfälle verzeichnet. Der internationale Verkehr sei hingegen kaum beeinträchtigt gewesen, betonte der Sprecher. Auch in den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Kärnten lief der Betrieb ohne Einschränkungen weiter.

Der Bahnverkehr soll sich bis zum frühen Nachmittag normalisieren, wobei es noch zu kleineren Verspätungen kommen kann, wie es hieß. Am späteren Nachmittag bzw. am Abend können Pendler dann wieder regulären Betrieb erwarten.

ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä entschuldigte sich mittels Aussendung bei den Kunden für die "entstandenen Unannehmlichkeiten": "Mein Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen, die trotz Betriebsversammlung den Betrieb aufrechterhalten und unsere Fahrgäste sicher ans Ziel gebracht haben. Wir werden uns in den kommenden Wochen um weitere Gespräche mit dem Betriebsrat bemühen." Denn man habe in gelebter Sozialpartnerschaft immer eine gute Lösung für die Mitarbeiter gefunden: "Diesen konstruktiven Dialog im Unternehmen wollen wir auch in Zukunft fortsetzen."

Verkehrsminister Hofer hat wenig Verständnis 

Verkehrsminister Norbert Hofer sagte, er habe für die Betriebsversammlungen "nur bedingt Verständnis", wie er in einer Aussendung erklärte. Er habe den Eindruck, dass die große Mehrheit der Mitarbeiter dort bei der per Betriebsvereinbarung bestehenden 12-Stunden-Regelung bleiben wolle.

Bei den Österreichischen Bundesbahnen gebe es in vielen Bereichen bereits seit Jahren Betriebsvereinbarungen über 12-Stunden-Dienste. Der aktuelle Gesetzesentwurf zur Arbeitszeitflexibilisierung sehe vor, dass sich an diesen Vereinbarungen auch nichts ändere. Sollte es aber innerhalb der Belegschaft den Wunsch geben, auf einen Dreischichtbetrieb zu je 8 Stunden umsteigen zu wollen, dann stehe es dem Betriebsrat frei, entsprechende Vereinbarungen mit dem Management zu treffen.

Keine Beeinträchtigungen in Tirol, Vorarlberg, Kärnten

Keine Beeinträchtigungen habe es in Tirol, Vorarlberg und Kärnten sowie im internationalen Fernverkehr gegeben.

Aus Oberösterreich sagte der dortige regionale ÖBB-Pressesprecher Karl Leitner im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radio, es habe "Ausfälle so gut wie im gesamten Streckennetz in Oberösterreich" gegeben "mit Ausnahme der Salzkammergutbahn, der Almtalbahn und der Donauuferbahn". Im Frühverkehr gebe es normalerweise 160 Züge - ungefähr 30 bis 35 seien ausgefallen, für die Hälfte davon gebe es einen Ersatzverkehr. Im Fernverkehr seien bisher fünf Railjets ausgefallen, vier von Salzburg nach Wien und einer von Wien nach Salzburg.

Kein Chaos in Graz

In Graz ist das erwartete Verkehrschaos ausgeblieben. Zwar kam es laut ÖAMTC zu zähem Verkehr an den Knotenpunkten um die Innenstadt und einigen Einfallsstraßen wie der Kärntnerstraße, doch hatten sich viele Verkehrsteilnehmer offenbar auf die Situation eingestellt und waren früher losgefahren.

In der Innenstadt herrschte dafür am frühen Vormittag ein verstärktes Aufkommen von Radfahrern - diese kamen wegen der ausgefallenen Bims etwa in der Annenstraße sogar schneller als sonst voran. An den Haltestellen der Graz Linien war auf den elektronischen Anzeigetafeln um Verständnis für den Ausfall der öffentlichen Verkehrsmittel wegen der Betriebsversammlung in der Remise Steyrergasse geworben worden. Ausfälle von 7.30 bis 12.30 waren auf den Tafeln angekündigt. Auch die zahlreichen Schülergruppen, die gegen Ende des Schuljahres den obligatorischen Graz-Ausflug am Programm haben, waren mit früheren Zügen und Bussen gekommen.

Am Grazer Hauptbahnhof war zumindest ein Intercity aus Prag für den frühen Vormittag angekündigt, auch einzelne S-Bahnen sollten ab 9.00 Uhr wieder verkehren - u. a. solche der Steiermärkischen Landesbahnen. Viele Menschen hatten allerdings die seit einer Woche angekündigten Ausfälle der Öffis nicht mitbekommen. Gegen 7.30 Uhr warteten etliche Menschen am Bahnhof vergeblich auf Züge oder Busse und Trams. Manche standen im Stadtbereich hektisch telefonierend an den Haltestellen: "Wo bist du? Die Bim fährt nicht. Hast du das gewusst?" war der Tenor.

Vereinzelte Zugausfälle in Niederösterreich

In Niederösterreich haben die Betriebsversammlungen vereinzelte Zugausfälle zur Folge gehabt. Bundesbahnen-Sprecherin Juliane Pamme bezeichnete die Lage auf dem Hauptbahnhof in St. Pölten vorerst als "sehr ruhig". "Gravierende Einschränkungen" gab es ihren Angaben zufolge in den Ballungszentren Wien und Graz.

Es sei "bisher nichts anders als sonst", teilte Pamme kurz nach Beginn der bis 9 Uhr Früh angesetzten Betriebsversammlungen auf Anfrage aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt mit. Der Betriebsrat informiert die Mitarbeiter über die Auswirkungen der geplanten Änderungen im Arbeitszeitgesetz.

Die Sprecherin berichtete u.a., dass ein REX aus St. Pölten nach Scheibbs nicht verkehrt sei. Bis 9 Uhr fielen nach ihren Angaben auf der Strecke Salzburg - Wien zudem alle "langsamen" RJ-Verbindungen (jene mit Stopps nicht nur in den Landeshauptstädten, Anm.) aus.

12-Stunden-Tag hat weitreichende Auswirkungen

"Die Eisenbahner sind gleich betroffen wie Arbeitnehmer in allen anderen Betrieben und Branchen", sagte Hebenstreit. Auch wenn bei den ÖBB 12-Stunden-Schichten schon möglich seien, "hat der Rest des Paketes unter anderem mit der 60-Stunden-Woche breiteste Auswirkungen" auf die Bundesbahnen.

Der Gewerkschafter verteidigte die Betriebsversammlungen im Montag-Frühverkehr auf Nachfrage vehement: "Wir haben uns das ja nicht ausgesucht. Wir würden gerne planmäßig fahren. Aber wenn die Regierung überfallsartig über die arbeitenden Menschen drüberfahren will, dann müssen die Mitarbeiter informiert werden. Es ist unsere Pflicht, die Bediensteten über die bevorstehenden Verschlechterungen im Arbeitszeitgesetz zu informieren. Dadurch wird dann leider auch der Betriebsablauf gestört."

Einer vida-Aussendung wird bei den ÖBB-Betriebsversammlungen auch über den Stand der unterbrochenen Kollektivvertragsverhandlungen im Eisenbahnsektor informiert. Unterbrochen wurden die KV-Verhandlungen wegen der Arbeitszeitpläne der ÖVP/FPÖ-Bundesregierung.

Auch in den anderen von der vida vertretenen Branchen wie u. a. Tourismus, Gesundheits- und Pflegeberufe, Gebäudemanagement, Bewachung, Autobus, Speditions- und Sozialbereich fanden bzw. finden in der kommenden Woche in ganz Österreich Betriebsversammlungen und Informationsveranstaltungen statt. Hier ist mit keinen Auswirkungen auf die Verbraucher zu rechnen.

Auch die Gewerkschaft PRO-GE hatte erst gestern mitgeteilt, dass es kommende Woche weitere Betriebsversammlungen geben wird. Darunter sind Versammlungen bei Unternehmensriesen wie voestalpine, Böhler, OMV oder Andritz.





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Dokument erstellt am 2018-06-29 11:22:55
Letzte Änderung am 2018-07-02 15:53:48


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