• vom 23.07.2018, 09:00 Uhr

Chronik

Update: 23.07.2018, 16:28 Uhr

Vulva

Schön im Schritt




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Sprachliche Pedanterie?

Konrad kommt zu dem Schluss, dass Frauen, anders als Männer, nicht dahingehend sozialisiert werden, stolz auf ihr Genital zu sein. Bezeichnungen wie "bestes Stück" und "Schamlippen" sprechen Bände. Erstaunlich ist auch, dass viele Frauen kein Wort haben, mit dem sie ihr Geschlecht gerne bezeichnen.

"Muschi" oder "Mumu" klingt vielen zu sehr nach Kindersprache. "Vagina" und "Scheide" sagt man vielleicht beim Arzt, aber nicht im Bett. Feministinnen fordern, endlich den biologisch korrekten Begriff "Vulva" zu verwenden. Manchen geht diese "sprachliche Pedanterie" zu weit. Um beim Frauenarzt Beschwerden zu beschreiben, ist es jedoch notwenig, die Dinge beim Namen nennen zu können, und das richtige Vokabular erleichtert es, sexuellen Missbrauch anzusprechen.

Mit "Sex and the City" zur Glatze im Schritt

Aber sind wir heute nicht aufgeklärter als je zuvor? Hat Charlotte Roche mit ihren "Feuchtgebieten" nicht schon vor Jahren mit allen Tabus in der Intimzone gebrochen? Frauen sprechen doch spätestens seit "Sex and the City" unverblümt über alles, was Sexualität betrifft, oder? Leider nein. Die 90er-Hit-Serie, in der es sich vier Freundinnen zum Lebensziel gemacht haben, den Mann fürs Leben zu finden, hat etwas ganz anderes erreicht: Den weltweiten Trend zur aalglatten Intimzone.

Mit einer Spachtel verteilt Caro heißes Wachs zwischen den gespreizten Beinen ihrer Klientin, ruckartig zieht sie die Streifen ab. Wir befinden uns in einem Waxing-Studio in Wien-Alsergrund, die Kosmetikerin wiederholt das Prozedere rund 30 Mal, einzelne widerständige Haare reißt sie mit der Pinzette aus. Beim Brazilian Waxing, bekannt aus "Sex and the City", wird das Schamhaar komplett entfernt.

Es ist so schmerzhaft, dass man meinen könnte, die Haut wird mit abgezogen. Am Ende der Prozedur ist die Vulva wund und gerötet, und sieht ein wenig aus wie ein gerupfter Truthahn, der zu lange in der Sonne gelegen ist. Wer tut sich das freiwillig an? "Unten Haare zu haben, das geht für die Jungen gar nicht. Vor allem die ganz Jungen wollen die Haare komplett weghaben", sagt Caro.

Vom Waxing zur Intim-OP

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie im Dienste der Schönheit. Die Quadratmeter des Studios wurden immer wieder erweitert, es gibt inzwischen mehrere Standorte. Das Geschäft läuft gut, und die beliebte Glatze im Schritt beflügelt einen weiteren Trend: die millionenschwere Schönheitschirurgie. Denn fehlt das Schamhaar, werden die Schamlippen, mit denen viele Frauen unzufrieden sind, besser sichtbar. Keine andere Nische der Schönheitschirurgie wächst so rasant wie die Verkleinerung der Schamlippen: Von 45 Prozent mehr Eingriffen pro Jahr berichtet eine Studie der "International Society of Aesthetic Plastic Surgery".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 17:55:46
Letzte Änderung am 2018-07-23 16:28:45


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