• vom 07.08.2018, 18:02 Uhr

Chronik

Update: 07.08.2018, 19:05 Uhr

Donau

Kein Schiff ohne Wasser




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Von David Hanny

  • Der Wasserstand der Donau sinkt. Die Schifffahrt kämpft mit Problemen.

- © dpa/Armin Weigel

© dpa/Armin Weigel

Wien. Wer die Donau eine Zeit lang beobachtet, sieht abgesehen von Wasser vor allem eines: viele Frachtschiffe. Sie tuckern gemächlich vor sich hin und bringen Metalle, Düngemittel, Erdöl oder andere Erzeugnisse von A nach B. Die aktuelle Hitzewelle stellt die Schifffahrt allerdings vor eine Herausforderung. Der Wasserstand sinkt aufgrund der Trockenheit immer weiter. Viele Schiffe können nur mehr teilweise beladen werden.

"Ehrlich gesagt, die Situation ist schrecklich. Wir können unsere Schiffe derzeit nur mit 50 Prozent beladen", sagt Norbert Baumann. Er ist Geschäftsführer des Logistikunternehmens Danu-Transport. "Dadurch dauert das Be- und Entladen zwar nicht so lange und wir können die Strecken öfter fahren, aber es macht einen riesen Unterschied, ob zwei Schiffe mit je 600 Tonnen oder nur je 300 Tonnen fahren", erklärt er.


Dass der Wasserstand immer weiter sinkt, belegen die Messstände der Wasserstraßen-Gesellschaft Viadonau. An der Messstelle Wildungsmauer im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich liegt der Pegel derzeit bei knappen 150 Zentimetern. In nur einer Woche ist er um mehr als zehn Zentimeter gesunken. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr stand das Wasser im Durchschnitt 263 Zentimeter hoch. In den kommenden Tagen und Wochen soll der Wasserpegel noch weiter sinken, heißt es von Viadonau. "Eine Sperre der Donau ist derzeit aber nicht geplant", sagt Christoph Caspar von der Gesellschaft. "Die Schiffe müssen aber weniger Ladung aufnehmen, damit sie nicht auflaufen."

In Ungarn ist der
Donau-Pegel noch tiefer

Das hat laut Norbert Baumann besonders gravierende Auswirkungen, wenn es um Transporte von Gefahrengütern geht: "Bei Gefahrengut müssen wir sicherstellen, dass wirklich nichts passieren kann. Wir können die Schiffe dann noch weniger beladen als ohnehin schon. Das bedeutet unglaublich viel Aufwand für uns." Zwar würde Baumann für Transporte bei Niederwasserstand einen sogenannten Kleinwasserzuschlag verrechnen, die zusätzlich entstandenen Kosten könne er damit aber bei weitem nicht ausgleichen.

Im Vergleich sei die Situation in Österreich aber noch harmlos. "Im unteren Donaubereich - von Ungarn aus in Richtung Schwarzes Meer - ist es viel schlimmer", sagt Baumann. "In Österreich halten die vielen Staubereiche den Wasserstand oben. Zwischen Ungarn und Rumänien fließt die Donau aber ganze 900 Kilometer ohne Staubereich. Dementsprechend niedrig ist der Wasserstand. Vor kurzem erst war ein Teil der ungarischen Donau gesperrt, weil dort ein Schiff aufgelaufen ist."

Außerdem sei der Schiffsverkehr innerhalb Österreichs wesentlich vorhersehbarer. "Die meisten Schiffe sind in Österreich nicht länger als 24 Stunden unterwegs. Da gibt es meist schon Prognosen für den Wasserstand. Nach diesen können wir uns richten und die Schiffe schwerer oder leichter beladen", sagt Baumann.

Wasserstand sinkt jedes
Jahr im Juli und August

Der Schiffsverkehr wird zwar weniger, die Nachfrage nach Waren aber nicht. "Der Warenverkehr verschiebt sich", sagt Dieter Pietschmann, Sprecher des Wiener Hafens. "Es kommt tendenziell immer mehr mit dem Lkw oder der Bahn und weniger mit dem Schiff. Das merken auch wir."

Manche Transportunternehmen sehen die Situation nicht so dramatisch. "Im Juli und August sinkt der Wasserstand jedes Jahr. In manchen Jahren wie in diesem ist es schlimmer und in anderen weniger", sagt Sribnyi Sergij vom Logistikunternehmen Danube Shipping Management Service. "Auch wir müssen weniger laden. Noch ist die geringere Ladung aber kein wirtschaftliches Problem." In Deutschland sei die Situation deutlich schwieriger. "Dort ist der Wasserstand der Donau zurzeit so niedrig, dass wir überhaupt nicht fahren können. Aber auch das passiert immer wieder."

Auch Stromerzeugung
ist betroffen

Der niedrige Wasserstand trifft nicht nur die Schifffahrt, sondern auch die Stromerzeugung. "Wir liegen diesen Sommer weit unter dem Durchschnitt. Es gibt zu wenig Wasser für die Wasserkraftwerke", sagt Florian Seidl vom Verbund. "Niederwasser ist im Sommer zwar normal, heuer ist es aber besonders extrem. Dadurch entgeht uns viel Energie. Das müssen andere Kraftwerke wie etwa Speicher- oder Wärmekraftwerke ausgleichen." Der niedrige Wasserstand mache Wartungsarbeiten an den Kraftwerken aber wesentlich einfacher. Deshalb werde der Sommer vor allem dafür genutzt. In die Zukunft blickt Seidl optimistisch: "Es gibt immer wieder schwierige Jahre. Wer weiß, was die Zukunft bringt."




Schlagwörter

Donau, Wasserschifffahrt, Hitze

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-07 17:14:27
Letzte Änderung am 2018-08-07 19:05:43


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