• vom 24.08.2018, 17:29 Uhr

Chronik

Update: 25.08.2018, 11:57 Uhr

Klimawandel

Die tückischen Launen des Wetters




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Von Karl Leban

  • Die Hitzewelle ist vorbei. Unwetter haben aber eine Spur der Verwüstung gezogen - diesmal vor allem in Salzburg.


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Wien/Saalbach. Im Vorfeld einer aufziehenden kräftigen Kaltfront, die am Freitag österreichweit für das Ende der jüngsten Hitzewelle sorgte, kam es schon Donnerstagabend zu heftigen Gewittern. Besonders betroffen war das Bundesland Salzburg. So gab es im Pinzgau infolge von Starkregen Überflutungen und Vermurungen, die große Schäden anrichteten. Am schlimmsten erwischte es die drei Gemeinden Saalbach-Hinterglemm, Viehhofen und Maishofen. Dort wurde Zivilschutzalarm ausgelöst, Evakuierungen waren aber nicht notwendig.

Dem Wetterdienst Ubimet zufolge registrierte die Wetterstation Saalbach binnen weniger Stunden eine Regenmenge von 48 Litern je m2. Dies ließ die Saalach an vielen Stellen über die Ufer treten, wobei ein Fahrstreifen der Landesstraße L111 auf 50 Metern Länge weggespült wurde (Foto rechts). Neben der Sturzflut und den Murenabgängen gab es durch Blitze auch zwei Waldbrände in Salzburg.

Das dortige Extremwetter war jedenfalls ein spektakulärer Auftakt für den - von Meteorologen bereits seit Tagen vorausgesagten - Wettersturz. Schauer und Gewitter gingen demnach auch am Freitag über Österreich nieder. Lokal bildeten sich dabei von Kärnten über die Steiermark bis zum Burgenland Unwetter mit Starkregen und Hagel. Im Mittelburgenland etwa - im Bezirk Oberpullendorf - wurden Keller und Straßen überflutet, 115 Feuerwehrmänner hatten mit Pumparbeiten zu tun.


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Wintereinbruch in alpinen Lagen

Das Wochenende selbst wird nach Einschätzung der Wetterexperten trüb, nass und relativ kühl bleiben. Im Gebirge kann es sogar den ersten Gruß des Winters geben. Laut Ubimet sinkt die Schneefallgrenze in der Nacht von Samstag auf Sonntag allmählich gegen 1600 Meter ab. "Am Sonntagmorgen muss am Arlbergpass mit etwas Nassschnee oder Schneeregen gerechnet werden", sagt Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe bei Ubimet. "In den Tauern sind oberhalb von etwa 2500 Metern sogar 20 bis 40 Zentimeter Schnee zu erwarten."

Nach dem jetzigen Wettersturz sollte sich das Wetter in Österreich am Montag wieder rasch beruhigen. "Für die letzte Augustwoche erwarten wir eine Rückkehr zu spätsommerlichem, trockenem Hochdruckwetter mit Höchstwerten zwischen 22 und 29 Grad", so Spatzierer. "Es wird also warm, aber bei weitem nicht mehr so heiß wie vor dem Wettersturz."

Welchen Platz der diesjährige Sommer im Ranking der heißesten Sommer Österreichs einnehmen wird, hängt im Übrigen noch davon ab, wie die Lufttemperaturen in den letzten Augusttagen tatsächlich ausfallen. "Den Rekord 2003 werden wir allerdings nicht erreichen, auch nicht den zweiten Platz, den der Sommer 2015 innehat", sagt Ubimet-Meteorologe Nikolas Zimmermann. Aller Voraussicht nach sollte der Sommer 2018 aber der drittheißeste werden. Im Moment liege die bisherige Lufttemperatur mit durchschnittlich 19,7 Grad um zwei Grad über dem 30-jährigen Mittelwert.

Globale Erwärmung erhöht Gefahr von Unwettern

Die meisten Tage mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke hatte heuer unter Österreichs Gemeinden Hohenau an der March (Niederösterreich) mit 47, gefolgt von Andau (Burgenland) mit 44 und Wolkersdorf (ebenfalls Niederösterreich) mit 41 Tagen. Auf Wien entfallen laut Zimmermann bisher 39 Tage, damit rangiert die Bundeshauptstadt österreichweit an vierter Stelle.

Dass besonders heiße Sommer in Österreich mehr und mehr zur Normalität werden, bestätigt Zimmermann. Bedingt durch den Klimawandel gehe der Trend weltweit zu heißen Sommern. Global würden die Temperaturen sukzessive steigen. Seit den ersten Messreihen 1880 hätten sie im Durchschnitt um knapp ein Grad zugelegt, wobei sich der Anstieg in den vergangenen 20 Jahren deutlich beschleunigt habe, weiß Zimmermann zu berichten.

So verweist er etwa auch darauf, dass seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen die zehn wärmsten Jahre auf der Erde nach 1995 registriert wurden - und die vier wärmsten seit 2014. Dass es generell wärmer werde, vergrößere auch die Gefahr von Unwettern, betont Zimmermann. Vor diesem Hintergrund gehen auch die heimischen Versicherer vermehrt von extremen Wettereignissen aus. Ihr Verband, der VVO, rechnet dabei mit jährlichen Schäden von rund 200 Millionen Euro durch Stürme, Hochwasser, Schnee, Hagel und Dürre.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-24 17:38:49
Letzte Änderung am 2018-08-25 11:57:11


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