• vom 06.09.2018, 14:31 Uhr

Chronik


OGH-Urteil

TAC-Weitergabe an Betrüger "grob fahrlässig"




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Von WZ Online, APA

  • Geklagtes Geldinstitut muss daher nicht für Schaden aufkommen.

Wien. Kläger, die einem Betrüger am Telefon ihren Transaktionscode (TAC) übermittelt haben, haben laut einem Urteil des Obersten Gerichtshof (OGH) keinen Anspruch darauf, dass die Bank für den Schaden aufkommt. Die Personen hätten "grob fahrlässig die Sorgfaltspflicht" verletzt, begründete das Gericht die Entscheidung.

Die Kläger sind Inhaber eines bei einem Kreditinstitut eingerichteten Kontos. Seit 2005 nehmen sie am E-Banking teil - und seit November 2013 in Form der von der Bank zur Verfügung gestellten TAC-SMS. Eines Tages wurde der Erstkläger auf seinem Handy von einer unbekannten Telefonnummer von einer akzentfrei Deutsch sprechenden Frau angerufen. Diese gab sich als Angestellte der Bank aus und forderte ihn auf, ihr aufgrund einer notwendigen Datenaktualisierung den ihm soeben per SMS übermittelten Code bekannt zu geben, was die Person auch tat. Noch am selben Tag wurde vom Konto der Betrag von 12.880 EUR auf ein österreichisches Girokonto einer anderen Kreditanstalt der unbekannten Betrüger überwiesen.

Schon die Vorinstanzen kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Kläger diesen Schaden letztlich selbst zu tragen haben und wiesen das gegen die Bank gerichtete Zahlungsbegehren ab. Der Kläger habe grob fahrlässig seine Sorgfaltspflicht, alle ihm zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um die personalisierten Sicherheitsmerkmale und das Zahlungsinstrument vor einem unbefugten Zugriff zu schützen, verletzt. Hinzu kam, dass das Institut immer wieder Warnungen an ihre Kunden über aktuell im Internet im Umlauf befindliche Trojaner und Phishing-Mails geschickt hat. Auch der Erstkläger hat derartige Warnungen erhalten und auch gelesen.

Der OGH folgte dieser Argumentation. Dass die telefonische Weitergabe eines TAC an eine unbekannte Person einen durch Betrug hervorgerufenen Schadenseintritt nicht bloß möglich, sondern geradezu wahrscheinlich mache, müsse "jeder mit dem Electronic Banking vertrauten Person alleine schon aus der medialen Berichterstattung und den zahlreichen, insbesondere im Bankenbereich üblichen Warnungen bewusst sein".





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Dokument erstellt am 2018-09-06 14:32:19


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