• vom 11.09.2018, 12:37 Uhr

Chronik

Update: 11.09.2018, 13:36 Uhr

Statistik

Haushalt und Freizeit als neue Gefahrenzonen




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Von WZ Online, APA

  • Fast sieben Menschen sterben täglich bei Unfällen.

784.300 Verletzte gab es 2017 in Österreich.  - © APAweb/HERBERT NEUBAUER

784.300 Verletzte gab es 2017 in Österreich.  © APAweb/HERBERT NEUBAUER

Die Zahl der Unfälle soll bis 2025 steigen. 

Die Zahl der Unfälle soll bis 2025 steigen. © APAweb/Martin Hirsch Die Zahl der Unfälle soll bis 2025 steigen. © APAweb/Martin Hirsch

Wien. Fast sieben Menschen sterben durchschnittlich jeden Tag in Österreich bei Unfällen, die im Haushalt, der Freizeit, der Arbeit oder im Verkehr passieren. 2017 waren es insgesamt 2.504 Tote. Drei Viertel der tödlichen Unfälle ereigneten sich in der Freizeit oder im Haushalt, sagte Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group und Vizepräsidentin des Roten Kreuzes bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

784.300 Personen wurden 2017 insgesamt bei Unfällen verletzt, davon rund 589.800 in den Bereichen Haushalt oder Freizeit. Den geringsten Anteil hatte der Verkehr mit zehn Prozent, gefolgt von Arbeit bzw. Schule mit 15 Prozent. Freizeitunfälle summierten sich auf 36 Prozent, Haushaltsunfälle gar auf 39 Prozent. "Wir gehen von einem markanten Anstieg bei Haushalts- und Freizeitunfällen aus, im Jahr 2035 könnten dies schon 100.000 mehr pro Jahr sein", sagte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Das KFV hat in einer Studie berechnet, dass die Zahl der tödlichen Unfälle bis 2035 auf insgesamt 2.635 steigen wird.

Tödliche Unfälle im Straßenverkehr nehmen ab

Die Bereiche Freizeit und Haushalt sind die neue Gefahrenzone, konstatierten die beiden Experten. Die Freizeit wird immer aktiver gestaltet, immer mehr Österreicher üben Risikosportarten aus. "Früher ruhte man sich aus, heute wird der Ausgleich gesucht, die Freizeit aktiv gestaltet", sagte Thann. Während im Straßenverkehr oder bei der Arbeit die Zahl der tödlichen Unfällen sinkt, verzeichneten "wir im Bereich Haushalt, Freizeit und Sport in den vergangenen zehn Jahren einen Anstieg von 16 Prozent. Bei Senioren sind es sogar 20 Prozent", sagte Stadler. Beim Verkehr als auch bei der Arbeit haben laut den Experten zahlreiche Programme zur Unfallprävention gewirkt.

Die Hauptunfallrisikogruppen der Zukunft sind Senioren und Kinder. Bei der Generation 65 plus sind die Unfallbereiche primär der Haushalt, gefolgt von der Freizeit durch die vermehrte Ausübung sportlicher Aktivitäten wie Wandern oder E-Biken. Das höchste Risiko, zu verunfallen, haben künftig Frauen ab 65 Jahren. "Wir Menschen werden immer älter, außerdem nehmen Volkskrankheiten wie Osteoporose stark zu", analysierte Thann. Bewegungsmangel und falsche Ernährung tragen weiters zur erhöhten Gefahr bei. Bei Kindern rechnet das KFV mit keinem Rückgang der Unfallzahlen. Als Grund nannte der KFV-Chef unter anderem das "Bewegungsverhalten der Smartphone-Generation". Viele Kinder schaffen heute einfache Dinge nicht mehr, wie das Balancieren auf einem Bein. "Sie verbringen ihre Freizeit liegend oder sitzend vor diversen Bildschirmen", sagte Thann.

Es fehlt an wissenschaftlichen Studien

Das große Problem bei der Unfallprävention sind fehlende Daten. "Hier herrscht ein Kompetenzwirrwarr, es gibt keine einheitliche Statistik. Die Zahlen zu Freizeit- und Haushaltsunfällen haben wir selbst hochgerechnet", sagte Thann. Exakte Daten seien für die Ursachenforschung allerdings dringend notwendig. Hier ist laut den Experten die Politik gefordert, eine "gescheite Statistik", analog zu Ländern wie Deutschland oder der Schweiz, einzuführen.

Die Kosten durch Unfälle sind für das Gesundheitssystem beträchtlich. So werden allein 17 Prozent aller Krankenstandstage durch Unfälle verursacht, sie sind auch Ursache für 16 Prozent aller akut-stationären Krankenhausaufenthalte von Männern, bei Frauen sind es zwölf Prozent. Alle Unfälle - ausgenommen berufsbedingte - verursachen laut KFV jedes Jahr Kosten in Höhe von 20,6 Milliarden Euro. Stadler wies auch hin, dass 75 Prozent der Unfälle nicht von der gesetzlichen Versicherung gedeckt sind. Für Freizeit, Sport und Haushalt ist eine private Unfallversicherung erforderlich.

Thann forderte die Umsetzung von Präventionsprogrammen auch in den Bereichen Freizeit und Haushalt. Dabei gehe es etwa um einfache Maßnahmen, etwa Sturzprävention für Senioren. "Prävention muss hier einen höheren Stellenwert bekommen", sagte Thann.





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Dokument erstellt am 2018-09-11 12:52:36
Letzte Änderung am 2018-09-11 13:36:30


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