• vom 12.09.2018, 09:16 Uhr

Chronik


Hundebiss

Rottweiler verletzt Baby lebensgefährlich




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  • Einjähriger wurde von Hund in den Kopf gebissen. Das Kind befindet sich auf der Intensivstation.

Beißschutz: Rottweiler gelten als mutig, neigen aber zur Dominanz.

Beißschutz: Rottweiler gelten als mutig, neigen aber zur Dominanz.© epa/della vale Beißschutz: Rottweiler gelten als mutig, neigen aber zur Dominanz.© epa/della vale

Wien. (aum) Eine schreckliche Hundeattacke hat sich in der Donaustadt ereignet. Die Großeltern spielten bei einem Spaziergang am Montagabend mit einem einjährigen Buben gerade "Engelchen flieg". Da riss sich der Rottweiler von einer auf dem Gehsteig entgegenkommenden Passantin los. Er packte das Kind am Kopf und fügte ihm lebensbedrohliche Verletzungen zu. Laut Polizei erlitt das Kind eine zehn Zentimeter lange Wunde am Kopf. Angaben der Rettung zufolge biss der große Hund dem Kind in den Schädel, nicht ins Gesicht.

Eine Frau, die Zeugin des Geschehens wurde, schritt ein und schlug dem Hund mehrmals auf die Schnauze, um den Einjährigen zu befreien. Nachdem das Tier von dem Buben abließ, band ihn die Hundebesitzerin mit der Leine an einen Baum. Das Kind wurde bis zum Eintreffen der Polizei und der Berufsrettung Wien von einer zufällig vorbeifahrenden Ärztin versorgt. Die Rettung brachte das verletzte Kind ins Krankenhaus. Dort befindet es sich weiterhin auf der Intensivstation, berichtete eine Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbundes am Dienstag.


Hundehalterin war
alkoholisiert

Ein Alkoholtest ergab, dass die Besitzerin des Rottweilers betrunken war. Sie wurde auf freiem Fuß angezeigt, der Hund von der Tierrettung ins Tierquartier gebracht.

"Das Hochheben und Schaukeln des Kindes könnte einen Spieltrieb ausgelöst haben", erklärt Peter Spitzer, wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums für Kinderunfälle an der Universitätsklinik Graz gegenüber der "Wiener Zeitung". Der Biss in den Kopf könnte vom Hund in Richtung "fang den springenden Ball" gedeutet werden. "Der Rottweiler ist ein großer Hund mit großem Maul und großer Beißkraft, was sich natürlich bei einem Biss entsprechend auswirkt", so Spitzer. Gerade in der Altersgruppe der Einjährigen erfolgten Bisse fast immer in den Kopf.

Der Unfalldatenbank an der Kinder- und Jugendchirurgie Graz zufolge werden in Österreich täglich zwei bis drei Kinder von einem Hund verletzt. Der Altersgipfel liegt zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr. 85 Prozent der Kinder erleiden tiefe Bisswunden - besonders gefährlich sind "große" Hunde mit einer Schulterhöhe über 44 Zentimeter. Sie haben 58 Prozent der Bisse zu verantworten.

Erst vor einem Monat hat es im Bezirk Baden einen schweren Zwischenfall mit einem Rottweiler gegeben. In Berndorf fiel das Tier, das weder Beißkorb noch Leine hatte, einen Neunjährigen an. Der schwer verletzte Bub musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Eine couragierte 39-Jährige, die dem Buben zu Hilfe kam, wurde ebenfalls verletzt.

Rottweiler zählen zu den ältesten Hunderassen der Welt. In der Vergangenheit wurden sie vor allem zum Viehtreiben verwendet. Dafür war die Zucht der Rottweiler auf Kraft, Ausdauer und Klugheit gerichtet. Ihren Namen erhielten die Hunde im Mittelalter. Weil sie vor allem in der deutschen Stadt Rottweil verbreitet waren, wurden sie Rottweiler genannt.

In den vergangenen Jahren - auch durch die teils heftige Diskussion um den Hundeführschein - hat das Image der Rottweiler gelitten. Immer wieder ereigneten sich Vorfälle, bei denen Menschen von Rottweilern gebissen wurden. Deswegen stehen Rottweiler auf der Liste der gefährlichen Hunderassen. In der Debatte wurde oft der Begriff "Kampfhunde" für diese Listenhunde verwendet. Besitzer von Rottweilern müssen zur Haltung einen Hundeführschein absolvieren.

Konsequente und einfühlsame
Erziehung nötig

Der Rottweiler gilt als temperamentvoller, aufmerksamer, starker, gehorsamer, draufgängerischer, harter und unerschrockener Hund mit angeborenem Schutzverhalten. Fremden gegenüber ist er wenig misstrauisch und anhänglich, heißt es auf der Homepage zum Österreichischen Hundeführschein.

Dort wird auch daran erinnert, dass der Rottweiler als mutig und verteidigungsbereit gilt und gerne zur Dominanz neigt. Demnach braucht er eine konsequente, aber einfühlsame Erziehung, engen Kontakt zur Familie und ausreichend Bewegung und Beschäftigung.

Wissen




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Dokument erstellt am 2018-09-12 09:27:07


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